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Oberösterreich

Sechs Monate auf Augenarzt-Termin warten? "Das kann’s nicht sein"

Von Herbert Schorn   29. Januar 2016 00:04 Uhr

Sechs Monate auf Augenarzt-Termin warten? "Das kann’s nicht sein"
Langes Warten auf Termine bei den 58 Augenärzten in Oberösterreich.

LINZ. Krankenkasse kritisiert teils lange Wartezeiten trotz wenig Auslastung, Augenärzte kontern mit hoher Frequenz, aufwändigen Behandlungen – eine Lösung ist nicht in Sicht.

Wie lange warten Patienten in Oberösterreich auf einen Kontrolltermin beim Augenarzt? Die OÖN haben es ausprobiert. Doktor eins: fünf Minuten Warteschleife. Doktor zwei: Anrufbeantworter. Ein Mediziner nimmt wegen einer Wartezeit von bis zu zehn Monaten keine Neukunden auf, eine Ärztin vergibt den nächsten Termin erst Ende Mai. Ein Arzt hätte aber bereits nächste Woche Zeit.

Zu ähnlichen Resultaten kam die oberösterreichische Gebietskrankenkasse (GKK). Sie erhob die Wartezeit auf einen Routinetermin bei Augen-, HNO- und Hautärzten. Das Ergebnis: Bei den letzten beiden Vertragsärztegruppen kam es nur vereinzelt zu langen Wartezeiten, bei den Augenärzten war die Situation durchwachsen.

Neun neue Augenarztstellen

So gab es Mediziner, die weniger Patienten als den Durchschnitt ihrer Kollegen betreuten, aber einen Aufnahmestopp verhängten. Andere wiederum hatten überdurchschnittlich viele Kunden, vergaben aber Termine innerhalb von zwei Wochen. Schmerzpatienten kommen aber überall schnell dran.

Drei Monate Wartezeit sei akzeptabel, sagt GKK-Obmann Albert Maringer: "Aber sechs Monate, das kann’s nicht sein." In den vergangenen zehn Jahren seien neun neue Augenarztstellen geschaffen worden: "Das hat an der Problematik nichts verändert." Die Ursachen seien vielschichtig, reichten von Öffnungszeiten über das Wartezimmer-Management bis zum Leistungsspektrum: "Die Augenärzte machen allein in Oberösterreich jährlich 250.000 Brillenbestimmungen." Das sei EU-weit ein Spitzenwert.

Schon jetzt würden 30 Prozent der Patienten die Sehstärkenbestimmung beim Optiker machen, sagt Karl Riedler, Obmann der Augenmediziner-Fachgruppe in der Ärztekammer: "Da werden immer wieder Krankheiten übersehen." Doch Optiker seien nicht haftbar.

Er ortet ein weiteres Problem: "Ärzte, die zu viel Umsatz machen, werden bestraft." Ab einer bestimmten Grenze würde die GKK Ärzten nur noch 70 Prozent der Leistung vergüten. "Gäbe es das nicht, könnten Augenärzte weitere Mediziner oder Optometristen anstellen und so Wartezeiten verringern." Diese "Degression" sei sinnvoll, sagt GKK-Sprecher Harald Schmadlbauer: "Ab einer gewissen Umsatzsumme sind Fixkosten der Ärzte abgedeckt. Und wir wollen nicht, dass das Durchschleusen von Patienten zu sehr belohnt wird." Eine Vertragsvariante, die eine geringere Degression mit längeren Öffnungszeiten verbindet, werde von den Ärzten kaum gewählt.

Eine Lösung im Streit zwischen GKK und Ärzten ist nicht in Sicht. So bleibt den Patienten nur eines: warten, warten, warten.

 

3 Fragen an...

3 Fragen an Karl Riedler, Augenarzt

Der Welser ist Obmann der Fachgruppe der Augenmediziner in der oberösterreichischen Ärztekammer.

Warum warten die Patienten bei vielen Augenmedizinern so lange auf Termine?

Da gibt es verschiedene Gründe. Manche Patienten wollen nur zu einem bestimmten Wunscharzt. Das Behandlungsspektrum hat sich durch neue Operations- und Behandlungsmöglichkeiten enorm erweitert. Viele Therapien sind aufwändig, die Patienten werden älter, die Ansprüche an die Sehleistung sind enorm gestiegen.

Die Wartezeiten variieren von Ordination zu Ordination deutlich. Woran liegt’s?

Auch hier gibt es nicht nur eine Ursache. Teilzeitmediziner können nicht so viel leisten wie andere. Die Augenärzte haben mit den Dermatologen die höchste Patientenfrequenz. Wir behandeln durchschnittlich 1500 bis 1600 Patienten pro Quartal, andere Fachärzte nur 800.

Welche Lösungen gibt es?

Es gibt keine einfachen Lösungen. Wir Augenärzte leiden aber unter dem Limit: Ab einer bestimmten Umsatzsumme vergütet die GKK unsere Leistungen nur noch zu 70 Prozent. Ohne diese Grenze könnten wir die Geräte besser auslasten, weitere Mediziner oder Optometristen anstellen, die uns bestimmte Untersuchungen abnehmen. Das würde Wartezeiten verringern.

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