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Oberösterreich

Mehr als 100 Lehrlingen droht die Abschiebung

Von (hip)   03. Mai 2018 00:04 Uhr

Mehr als 100 Lehrlingen droht die Abschiebung
Bäckerlehrling in Peuerbach

LINZ. Zahlreiche Lehrbetriebe unterstützen die jungen Asylwerber beim Einspruch gegen die negativen Bescheide.

Immer mehr Asylwerber, die derzeit eine Lehre absolvieren, erhalten negative Asylbescheide. "Wir gehen davon aus, dass von den 349 Lehrlingen in Mangelberufen rund ein Drittel betroffen ist", sagt Integrationslandesrat Rudi Anschober (Grüne). Seit Monaten kämpft er mit Petitionen und Allianzen gegen diese Situation an. Sein erstes Ziel: "Abschiebestopp für unbescholtene Lehrlinge."

Rund 49.000 Österreicher und 300 Unternehmen haben auf der Website ausbildung-statt-abschiebung.at bereits unterschrieben. 30 oberösterreichische Gemeinden haben Resolutionen verabschiedet, die eine "menschliche Lösung für Asylwerbende in Lehre" fordern.

"Wir haben befürchtet, dass durch die vielen negativen Bescheide das Interesse der Unternehmen an Asylwerbern nachlassen wird", sagt Anschober. Das ist nicht passiert. "Das zeigt, wie gravierend der Mangel auf dem Lehrlingsmarkt ist und wie zufrieden die Betriebe mit den Lehrlingen sind." Michael Nobis, Ausbildungsleiter bei Promotech in Schalchen, ist einer dieser zufriedenen Lehrherren. Seit April 2017 bildet er zwei junge Afghanen zu Kunststofftechnikern aus. "Die beiden sind in jeder Hinsicht ein Vorbild", sagt er.

Seit ihr Ansuchen um Asyl in erster Instanz abgelehnt wurde, plagen Existenzängste die jungen Männer. Nobis will seine Schützlinge beim Einspruch des Bescheides unterstützen, begleitet sie bereits zu Beratungsgesprächen. "Anlass zur Hoffnung gibt es aber wenig", sagt Nobis. Auch in der Berufsschule sind die beiden Promotech-Lehrlinge Vorbilder: "Sie lernen bis spät in die Nacht, sind immer vorbereitet und immer pünktlich." War es anfangs schwierig, mit Lehrlingen aus Afghanistan zu arbeiten? "Wir haben uns anfangs bemüht, Hochdeutsch zu sprechen. Das Innviertlerische kam erst später dazu. Asef und Mohammad machen bei uns sozusagen eine mehrsprachige Ausbildung", sagt Nobis und lacht. Auch Barbara Eckereder von der gleichnamigen Tischlerei in Neukirchen an der Enknach kämpft für den Verbleib ihres afghanischen Lehrlings. Sie betont, wie schwierig es sei, gute Lehrlinge zu finden: "Ich wage zu behaupten, dass es im Bezirk Braunau derzeit keinen ausbildenden Betrieb gibt, der keinen Lehrling sucht. Bei uns gab es nicht eine einzige Bewerbung", sagt sie.

Eckereder entschied sich im Juli 2017 dafür, einem Asylwerber eine Chance zu geben. Dass sich diese jungen Männer oft mit negativen Asylbescheiden konfrontiert sehen, wusste sie da bereits: "Ich habe damals darauf vertraut, dass die Politik eine Lösung zustande bringen wird, damit diese jungen Menschen, die wir so dringend brauchen, in Österreich bleiben dürfen." 

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