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Oberösterreich

300 Demonstranten trafen sich zum Massenbetteln in Linz

Von Philipp Hirsch   07. März 2011 00:04 Uhr

300 Demonstranten trafen sich zum Massenbetteln in Linz
Hunderte Meter saßen die „Bettler“ Schulter an Schulter.

LINZ. Demonstranten verwandelten die Linzer Landstraße am Samstag in Österreichs größte Bettelzone. Das geplante Bettelgesetz trieb zirka 300 Gegner auf die Straße.

Es war eine stille Demonstration. Keine Dauerbeschallung durch ein Megaphon, keine grölenden Unruhestifter. Einzig das monotone Scheppern hunderter Becher, mit denen die Demonstranten um Almosen baten, machte den Aufmarsch der Bettler hörbar. Die optische Wirkung der Kundgebung war befremdlich. Vom Taubenmarkt bis zum Linzer Passage-Center saßen die Kurzzeitbettler dicht an dicht, teils auf Handtaschen, teils knieten sie bloß auf gefalteten Zeitungen. Passanten nahmen das ungewöhnliche Bild großteils positiv auf und warfen der Bettlerschlange neben belustigten Blicken auch zahlreiche Münzen zu. Kaum ein Becher oder Pappteller blieb leer. Die erbettelten Münzen wurden an Obdachlosenverbände übergeben.

Mancherorts entstanden mit den „Bettlern“ hitzige Diskussionen über Sinn und Unsinn der geplanten Gesetzesänderung. „Genau diese Diskussionen wollen wir. Eine solche Veranstaltung kann nur Erfolg haben, wenn sie polarisiert,“ sagt Bettellobby-Sprecher Christian Diabl. Auch die Mischung der Protestierenden überraschte. Von Punks mit Hund und gefärbten Haaren bis hin zu älteren Damen, die ihre Gucci-Sonnenbrille leger in die Frisur gesteckt hatten, sie alle einte ein gemeinsames Motto: „Wir sollten die Armut bekämpfen und nicht die Armen.“

Für einige Demonstranten war das kurzzeitige Sitzen in der Armutsfalle durchaus belastend: „Ich hätte nicht geglaubt, dass es so schwer ist, mit einem Becher in der Hand Wildfremde um Geld zu bitten. Daran merkt man, dass niemand freiwillig bettelt,“ sagt die Demonstrations-Teilnehmerin Margarete Kappu.

Nur knapp eine Stunde hielt die Masse der Bettler die Stellung auf dem kalten Pflaster, bevor sich die Landstraße von einer Armutszone in eine Einkaufsmeile zurückverwandelte. Während die meisten Demonstranten schon längst bei einem Kaffee im Warmen saßen, blieb ein Bettler an seinem Platz. Neben dem Passage-Center auf einem kleinen Polster kniend, bat er mit gefalteten Händen auch noch Stunden später mit einem heiseren: „Bitte“ um eine milde Gabe. Er war kein Demonstrant.

Bettel-Gesetz

Am 10.März soll im Landtag ein Gesetz gegen aggressives und organisiertes Betteln verabschiedet werden. Harmlose Bettelei ist von dem geplanten Verbot nicht betroffen.

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