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Rendi-Wagner wird neue SPÖ-Chefin

WIEN. Die großen Landesorganisationen haben alle schon zugestimmt - es fehlt nur noch eine offizielle Bestätigung, dass Pamela Rendi-Wagner die Nachfolgerin von SPÖ-Chef Christian Kern wird.

20180913 SPOE-Praesidium im Anschl. SPOE-Vorstand - Beschluss v. Integrationsprogramm und Organisationsreform

Rendi-Wagner hat gute Chance, Kerns Nachfolgerin zu werden Bild: Alexander Schwarzl

Doris Bures dürfte entgültig abgesagt haben. Damit sind die Würfel gefallen: Ex-Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner wird erste weibliche Vorsitzende der SPÖ. Wohl auch mangels Alternativen versammelte sich die Partei am Freitag geschlossen hinter der 47-jährigen Quereinsteigerin.

In den nächsten Tagen treten die SPÖ-Gremien zusammen, um die neue Parteivorsitzende zu designieren. Samstag ab 9.00 Uhr tagt das Präsidium. Definitiv beschlossen wird die Nominierung Rendi-Wagners für die Wahl am Bundesparteitag am 23. November vom Parteivorstand voraussichtlich am Dienstag.

Der steirische SPÖ-Chef Michael Schickhofer (SPÖ) hat am Freitag noch einmal seine Aussage vom Mittwoch bekräftigt: "Pam" ist in seinen Augen "eine von mehreren geeigneten Kandidaten und Kandidatinnen" im Rennen um den neuen Chef-Sessel in Wien.

Tirols SPÖ-Chefin Elisabeth Blanik betonte, dass die Nachfolge zuerst intern besprochen werde. Erst danach wolle sie einen Kommentar dazu abgeben, meinte die Osttirolerin. Dennoch bekräftigte sie, dass Rendi-Wagner eine "super Politikerin" sei und jedenfalls die Fähigkeit hätte die SPÖ zu übernehmen.

Die burgenländische SPÖ, die eigentlich als Rendi-Wagner-Skeptikerin galt, hat sich bereits für die ehemalige Gesundheitsministerin festgelegt. Auch der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser ist mit der Quereinsteigerin, die erst seit gut 1,5 Jahren Parteimitglied ist, einverstanden.

Auch Gerstorfer unterstützt Kandidatur

Überraschend hat sich am späteren Nachmittag dann auch die SPÖ Oberösterreich dazu entschieden, die Kandidatur von Rendi-Wagner zu unterstützen. Bisher hatte SPÖ-Chefin Birgit Gerstorfer jeden Kommentar abgelehnt.

Die Wiener SPÖ, die bisher als Befürworterin von Doris Bures galt, spricht sich nun auch für Rendi-Wagner als Kerns Nachfolgerin aus. "Es übernimmt mit Pamela Rendi-Wagner erstmals eine Frau die Position als Vorsitzende der SPÖ und diesen Weg befürwortet die Wiener Partei, die sich immer besonders für die Frauenförderung eingesetzt hat und dies als positives Signal wertet."

Video: Auch die Wiener SPÖ unterstützt Rendi-Wagner

Präsentation am Samstag

Rendi-Wagner steht für den städtisch-liberalen, eher rot-grün-affinen Flügel in der SPÖ. Wenig verwunderlich ist, dass burgenländische Genossen, ein größerer Teil der Wiener Landespartei sowie die meisten Gewerkschafter daher ursprünglich eine andere Personallösung präferiert hätten. Doch es fehlte die Alternative, spätestens seit Freitag Mittag, als Wunschkandidatin Doris Bures endgültig absagte.

Vermutlich wird die Präsentation der neuen Parteichefin bereits am Samstag folgen. Die interne Vorgabe, dass die neue Vorsitzende im Nationalrat vertreten sein soll, ist bei Rendi-Wagner gegeben. Nach letztem Stand wird ihre definitive Kür bei einem Parteitag Ende November erfolgen.

Ein wenig ironisch ist, dass Noch-Chef Kern anlässlich seines Abtritts unter anderem gemeint hatte, es sei nicht seine Sache, mit dem "Bihänder auf Leute einzudreschen", habe er sich doch andere Umgangsformen erworben. Wer die liberal-bürgerliche Rendi-Wagner kennt, die stets höflich bis vornehm auftritt, kann sich bei ihr schwer vorstellen, dass sie diese von Kern behaupteten Voraussetzungen für Oppositionspolitiker erfüllen wird können.

Gegenbild zu Kanzler Kurz

Eher anzunehmen ist, dass die neue Vorsitzende, die vor ihrem Einstieg in die Politik eine glänzende Karriere als Ärztin und Spitzenbeamtin im Gesundheitsministerium hingelegt hatte, einen ähnlichen Kurs wie Kern einschlagen wird. Große Meriten hat sie sich bisher in der Politik nicht verdient. Im Gesundheitsressort hatte sie wegen der vorgezogenen Neuwahl kaum Zeit zur Profilierung und in der Oppositionszeit hat sie sich bisher kaum ein Profil außerhalb ihres eigentlichen Fachbereichs aufbauen können. Abzuwarten bleibt, wie das Team aussieht, das sie um sich schart - also ob sie weiter auf Bundesgeschäftsführer Max Lercher und den geschäftsführenden Klubobmann Andreas Schieder setzt.

Dass die Wahl letztlich auf sie fällt, hängt wohl damit zusammen, dass man ein Gegenbild zu Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) schaffen wollte - und das ist aus Sicht der Sozialdemokraten mit Rendi-Wagner eine moderne beruflich auch außerhalb der Politik erfolgreiche Frau in mittleren Jahren.

Als "Joy" zu "Pam" wurde

"Pam", wie sie in der Partei genannt wird, heißt Rendi-Wagner eigentlich erst mit zweitem Vornamen. Ihre angeblich hippie-affinen Eltern hatten ihr nämlich den Vornamen Joy verpasst, sicher kein leichtes Schicksal für ein Mädchen, das in den 1970er-Jahren in Wien-Simmering aufgewachsen ist. Doch sie dürfte es gut verkraftet haben. Nach der Schule begann sie ein Medizin-Studium und schlug rasch eine Muster-Karriere ein.

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Artikel nachrichten.at/apa 21. September 2018 - 16:18 Uhr
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