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Frey zieht es nach Russland

LINZ. Es verdichten sich die Anzeichen, dass der scheidende künstlerische Leiter des Brucknerhauses, Hans-Joachim Frey, ab 2018 nach Russland wechselt.

Hans-Joachim Frey geht spätestens Ende 2017.   Bild: (Volker Weihbold)

Frey pflegt zu diesem Land beste Beziehungen und hat bei dem von ihm organisierten Opernball in der Dresdner Semperoper auch schon Wladimir Putin als Gast begrüßt. Auch zuletzt war Frey in Moskau, wo der von ihm initiierte Wettbewerb „Competizione dell‘ Opera“ unter seiner Leitung durchgeführt worden ist. Nachdem Frey heute von einem Wechsel in die „Champiosleague“ sprach, könnte der neue Arbeitgeber ab 2018 das Bolschoi Theater von Moskau sein. Auch hier pflegt Frey langjährige enge Kontakte – ebenso wie zum Moskauer Mariinsky Theater. Quasi zum Drüberstreuen hat Hans-Joachim Frey, der perfekt russisch spricht, 2013 die Eröffnungsgala des Opern- und Balletthauses in Wladiwostok organisiert.

Für seine enge Freundschaft mit dem russischen Cellisten Sergej Roldugin wurde Frey indessen nach Bekanntwerden der Verstrickungen des Russen mit dubiosen Briefkastengeschäften in Panama, immer wieder scharf kritisiert.

Von einem "sensationellen Angebot" sprach er am Donnerstag.

Frey verlässt Linz

Während aktuell gerade das internationale Brucknerfest im Konzerthaus an der Donaulände läuft, wurde am Mittwoch bekannt, dass der künstlerische Leiter, Hans-Joachim Frey, das Brucknerhaus verlassen wird. Ein entsprechender Bericht des ORF Oberösterreich wurde den OÖNachrichten informell ebenfalls bestätigt.

Der vom ORF kolportierte sofortige Abgang ist allerdings unrichtig, denn Frey will seinen bis 31. Dezember 2017 laufenden Vertrag auf jeden Fall erfüllen.

Frey von Meldung überrascht

Der Deutsche, der seit 2013 künstlerischer Leiter der LIVA (Linzer Veranstaltungs Gesellschaft) ist, war ob seinem kolportierten Abgang überrascht: "Das ist ein absoluter Schwachsinn. Ich bin völlig relaxt. Ich bleibe auf jeden Fall bis zum Ende der Laufzeit meines Vertrages. Was darüber hinaus sein wird, ist Gegenstand von Gesprächen mit dem Aufsichtsrat, die ich demnächst führen werde. Es gibt eine Vereinbarung, dass wir bis Jahresende entscheiden, wie es nach 2017 weitergeht. Ich verstehe diese Aufregung nicht. Das Brucknerfest läuft gut, alles ist gut", sagte Frey im Gespräch mit den Oberösterreichischen Nachrichten.

Dieser Aussage ließ Frey am Abend noch ein schriftliches Dementi folgen. Insider wissen allerdings auch von kryptischen Aussagen Freys in jüngster Zeit: "Wer weiß, was nach dem Brucknerfest sein wird", soll er in vertraulichen Gesprächen gesagt haben.

Hans-Joachim Frey steht seit der Veröffentlichung eines Berichts des Kontrollamtes der Stadt Linz im März 2016 unter Druck. In dem Bericht wurde neben der schlechten Auslastung auch die fehlende Positionierung des Konzerthauses angeprangert.

Frey selbst wurde immer wieder angelastet, dass er zu selten in Linz sei und teilweise Reisen ins Ausland als Dienstreisen verbucht habe, die vertraglich so nicht vereinbart gewesen wären. Frey argumentierte dagegen immer wieder, dass er nur seine internationalen Kontakte zum Wohle des Brucknerhauses nützen würde. Hausintern soll sein Führungsstil umstritten, die Personalfluktuation dementsprechend hoch sein.

"Russland-Schlagseite"

Auch seine "Russland-Schlagseite" ist den verantwortlichen Stadtpolitikern immer wieder ein Dorn im Auge. Seine Freundschaft mit dem russischen Cellisten und Patenonkel von Wladimir Putins Tochter, Sergej Roldugin, wird ebenfalls kritisch gesehen. Dieser entpuppte sich in den Panama-Papieren als Inhaber von Briefkastenfirmen, die im russischen Staatsauftrag Millionen US-Dollar, Rubel und Euro über Kredite gewaschen haben sollen.

Konflikt Frey – ORF

Hinter vorgehaltener Hand wird auch ein lange schwelender Kleinkrieg zwischen Hans-Joachim Frey und dem ORF Oberösterreich als Mitgrund für die – offenbar auch für den Betroffenen selbst – sehr überraschende Rücktrittsnachricht vermutet. Dabei soll es um Programmbeiträge des Landesstudios bei Brucknerfest und Klangwolke gegangen sein. Es war eine gängige Praxis, dass der ORF für diese Beiträge Zuschüsse vom Brucknerhaus bekommen hat. Hans-Joachim Frey hat dies immer wieder in Frage gestellt. Sollte Frey das Brucknerhaus verlassen, muss noch heuer eine Ausschreibung durchgeführt werden.

 

 

Hans-Joachim Frey: 

Werdegang: Er wurde 1965 in Gehrden (Niedersachsen) geboren. 1984 begann er in Hamburg eine Ausbildung zum Opernsänger und studierte Musiktheaterregie. 1997–2007 war er Betriebsdirektor und Operndirektor (ab 2003) an der Dresdner Semperoper,2007–2010 Generalintendant am Theater Bremen. 

Frey ist der Neffe des Schauspielers Armin Müller-Stahl. Seit 1. Jänner 2013 war er Künstlerischer Leiter der LIVA. Seine Aufgaben unter anderem: Leitung des Brucknerhauses, des Brucknerfests und der Klangwolke.

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Artikel nachrichten.at 06. Oktober 2016 - 12:51 Uhr
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