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Estlands Weihnachtsmärkte: Mehr Advent geht nicht

Von Marc Reisner, 03. Dezember 2023, 10:15 Uhr
Mehr Advent geht nicht
c In diesem Jahr bildet eine 14 Meter hohe Fichte aus der Gemeinde Kiili den Mittelpunkt des Weihnachtsmarktes in Tallinn. Bild: SRT-Archivbild/www.srt-bild.de

Estlands Weihnachtsmärkte sind berühmt. In der Hauptstadt Tallinn und in Tartu (Kulturhauptstadt 2024) kommen Weihnachtsfans bis in den Jänner auf ihre Kosten.

Wir brauchen eine Schneeflocke. Oder einen Tannenbaum. Oder wenigstens einen Kreis. Denn in Estland sind Reflektoren an der Kleidung vorgeschrieben, sobald es dunkel wird. Und die Nächte im nördlichsten der drei baltischen Staaten sind lang, sehr lang, und gerade die lange Dunkelheit macht den Charme der Hauptstadt Tallinn mit ihren 430.000 Einwohnern aus.

Der Weihnachtsmann oder Sankt Nikolaus, im Erscheinungsbild nehmen sich die beiden nicht viel, tauchen an allen Ecken der hübschen Altstadt auf. Noch häufiger sind die kleinen Tannen, die vor fast allen Geschäften stehen. Kein Wunder: Immerhin ist gut die halbe Fläche des Landes mit Wald bedeckt. Zudem haben die Tallinner eine besondere Beziehung zum Weihnachtsbaum: In ihrer Stadt soll 1441 die erste geschmückte Tanne aufgestellt worden sein. Das wäre Weltrekord – wenn auch Historiker ab und zu leichte Zweifel an der Legende äußern. Auf jeden Fall ist das Aufstellen des Baumes, der maximal 18 Meter hoch sein darf und besonders schön verzweigt und vor allem kräftig grün sein muss, ein Höhepunkt im Jahreskalender und wird live im Fernsehen übertragen.

Aus den Baumnadeln wird Gin

Tatsächlich ist es ein beeindruckender Anblick, wenn Besucher am Mittelalter-Restaurant Olde Hansa vorbei ein paar Schritte bergauf auf den Rathausmarkt kommen und sich die prächtige Tanne mit ihrer wunderbaren Beleuchtung in den dunklen Himmel reckt. Die Lichter sind ebenso ein Hingucker wie die an den unteren Zweigen hängenden Wunschzettel. Kinder und Erwachsene bitten nicht nur um elektrische Eisenbahn oder Smartphone, sondern auch um Gesundheit und Weltfrieden. Übrigens: Die Nadeln des Baums werden später für die Gin-Produktion verwendet; so bleibt der Geist der Heiligen Nacht noch jahrelang erhalten.

Mehr Advent geht nicht
Der Weihnachtsmarkt in Tartu punktet mit gläsernen Pavillons. Bild: Sergej Zjuganov

Jetzt aber geht es erst einmal ins Getümmel, das vor allem an den Wochenenden groß ist. An den aufgestellten Hütten gibt es das übliche Programm: Schmuck und Schmankerl, besonders aber Glögi, würzigen Glühwein, oft mit einem Schuss Hochprozentigem, allerdings meist auch mit etwas Johannisbeer- oder Apfelsaft. Viele Stände stellen kleine Töpfe mit Mandeln und Rosinen auf, damit Genießer sich ihr Getränk noch ein bisschen aufpeppen können.

Der Nikolaus in Blau

Dann steht er plötzlich vor dem Rathaus: Sankt Nikolaus, dem in Tallinn sogar eine eigene Kirche gewidmet wurde. Ganz in Blau gekleidet, lassen sich Jung und auch Alt gern von ihm in den Arm nehmen – um ein gemeinsames Selfie zu machen.

Stundenlang könnte man hier stehen und dem Trubel zuschauen, allerdings werden die Füße langsam kalt – von Osten kriecht scharfer Frost heran, und neuer Schnee wird später in dieser Nacht auch noch fallen.

Überall bereitet sich Tallinn auf das Fest der Feste vor. Vor dem Baltic Station Market am Bahnhof haben die Mitarbeiter von 17 in der Hauptstadt angesiedelten Botschaften wie jedes Jahr einen adventlichen Flohmarkt aufgebaut. Den Erlös stiften die Diplomaten verschiedenen wohltätigen Organisationen.

Das Café Maiasmokk bietet in seinem Marzipanzimmer nicht nur eine Auswahl der liebenswertesten Figürchen an, sondern verkauft auch Marzipan zum Genießen. Interessierte können eine Malstunde buchen, in der sie vorgefertigte Marzipanfiguren bunt bepinseln dürfen. Doch Vorsicht: Ist der Tannenbaum erst einmal schön grün, dann passen keine bunten Kugeln mehr daran – die Wasserfarbe vermengt sich zu einem unschönen Matsch. Na ja, neuer Versuch!

Abends lockt ein kleiner Ausflug in den Iglupark. Wobei der Name ein wenig in die Irre führt: Tatsächlich sind die kleinen Hütten nicht aus Schnee und Eis erbaut, sondern aus dunklen Holzschindeln. Dafür halten sie das ganze Jahr über. Zwischen den Hütten ist jede Menge los, die Betreiber haben ein echtes Weihnachtswunderland errichtet: Da toben die Kleinsten im Heu, die Größeren lassen sich auf einem Pony durch die Gegend führen, es gibt zu essen und zu trinken und jede Menge Glögi.

Schwitzen im Iglu

Vier Iglus hat Park-Chef Taavi Nommistu zu kleinen Saunen ausbauen lassen. Unbeobachtet von den anderen Gästen sitzen Familien oder Freunde zusammen und schauen durch die großen Fenster auf die nächtlich-schwarze Ostsee. Wer mag, holt sich aus dem Vorraum ein Wasser oder ein kaltes Bier. So lässt es sich schwitzen! Zum Abkühlen huschen Vorsichtige in die benachbarte Dusche, Mutigere machen ein paar Schritte über den knarzenden Schnee und springen ins eisige Nass. Herrlich!

Beim Aufwärmen hilft Ingwer. Und den gibt’s in Tallinn nicht zuletzt in der Ausstellung Gingerbread Mania, die jedes Jahr unter einem anderen Themenschwerpunkt steht. Wer Lust und Zeit hat, besucht einen kleinen Workshop, bei dem er lernt, wie er die fantastischsten Bauwerke aus dem süßen Material errichtet. Naschen ist erlaubt und hilft über den spontanen Ärger, wenn eine Zuckerguss-Fuge mal wieder nicht so richtig halten mag.

Wer meint, in Tallinn alles entdeckt zu haben, der sollte sich nach Tartu aufmachen. Der 180 Kilometer lange Ausflug nach Südosten lohnt, denn auch die viel kleinere Provinzstadt prunkt mit einem Weihnachtsmarkt, der direkt vor dem Rathaus mit einer Eisbahn rund um die weltberühmte Statue zweier sich küssender Studenten beginnt und sich mit zahlreichen gläsernen Pavillons fortsetzt bis zum mächtigen Weihnachtsbaum. In den Hütten finden sich neben Schlittschuhverleih und dem obligatorischen Glögi-Ausschank auch Kunstinstallationen, ein Miniatur-Bauernhof mit lebenden Hühnern, ein Kuschelplatz für Kinder, Bücher und wuchtige Eisblöcke, die darauf warten von Künstlerhand bearbeitet zu werden. Sehenswert ist ein Besuch des Platzes, wenn an Sonntagabenden die nächste Adventkerze entzündet wird und eine Ton-Licht-Show die Herzen wärmt.

Adventliche Spuren auch in den Museen der selbst ernannten Weihnachtsstadt Tartu, die 2024 auch Kulturhauptstadt sein wird: Im Spielzeugmuseum etwa steht nicht nur ein herrlicher Baum, wie ihn die Esten vor vielen Jahren geschmückt haben. Eine kleine Sonderausstellung zeigt zudem, wie die beliebte Barbie zum Fest der Feste passt. Und im sehenswerten Nationalmuseum am Rand der Stadt steht ebenfalls ein Baum mit Geschenken, wie sie in den 1970er- und 1980er-Jahren üblich waren, von der Kaffeemaschine bis zur frühen Spielekonsole.

Schließlich will auch noch gut gegessen werden, was in Estland ziemlich einfach ist – die Dichte an kreativen und innovativen Köchen ist reichlich hoch. Die gute Nachricht: Die Esten feiern gern, und nach dem Heiligen Abend ist noch längst nicht alles vorbei. Die meisten Attraktionen können noch bis in den Jänner hinein bestaunt werden.

Infos: Der Weihnachtsmarkt in Tallinn ist von 1. Dezember 2023 bis 7. Jänner 2024 geöffnet. Näheres unter visittallinn.ee/deu oder visitestonia.com/de

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1  Kommentar
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Skepsis (753 Kommentare)
am 03.12.2023 11:06

Aber bitte mit dem Zug hinfahren.
Je mehr geflogen wird, umso früher gibt's auch in Estland keinen Schnee mehr.

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