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Reisen

Die alte Dame ist am Zug

Von Josef Lehner  19. November 2022 14:00 Uhr

Die alte Dame ist am Zug
"Das Mädchen mit der Möwe" – das berühmteste Symbol Opatijas

Mildes Klima und monarchische Vergangenheit locken nach Opatija an der kroatischen Riviera, inklusive Anreise im historischen Zug – ein feines Weihnachtsgeschenk mit Moser Reisen und den OÖNachrichten.

Die Eisenbahn hat wesentlich beigetragen, dass Opatija vor 150 Jahren zu einem der mondänsten Kurorte des alten Kontinents geworden ist. Auch heute zieht das reizende Städtchen an der Kvarner Bucht wieder Gäste in Scharen an – und sie können wie zur Gründerzeit im alten Salonzug anreisen. Die OÖNachrichten bieten für ihre Leserinnen und Leser gemeinsam mit Moser Reisen einen exklusiven Kurzurlaub in den kroatischen Frühling.

1873 wurde die Südbahnlinie Wien–Triest mit einer Nebenbahn bis Rijeka an die Kvarner Bucht verlängert. 13 Stunden lang hatte der tägliche Expressdampfzug zu pfauchen, bis er den "Wintergarten Wiens" erreichte. An Bord der österreichische Adel, bis hinauf zu den Repräsentanten des Kaiserhauses, und die Neureichen des Gründerzeitalters. In den Salons verkehrte auch die Kulturelite: von Franz Lehar bis Gustav Mahler, von Ballerina Isadora Duncan bis Giacomo Puccini.

Das Mädchen mit der Möwe

Übrigens: Auch heute dauert eine Bahnanreise länger als zehn Stunden. 1884 ließ die Südbahngesellschaft, die neben dem Bahnverkehr den Tourismus entwickeln sollte, in Opatija das erste Nobelhotel, das Kvarner, errichten. Damals war es ein Fischerdorf, das wegen der italienischen (venezianischen) Einflüsse noch Abbazia hieß. Das bedeutet, ebenso wie das kroatische Wort Opatija, Abtei, weil hier seit dem 15. Jahrhundert verschiedene Orden Klöster geführt hatten. An diese Zeit erinnert noch die Kirche des Heiligen Jakob am Meeresufer. Heute ist der Kirchhof ein beschaulicher, von alten Bäumen beschatteter Platz inmitten eines Tourismus-Hotspots. Auf einem Felssporn in unmittelbarer Nähe steht das Symbol dieser Küste, das Mädchen mit der Möwe. Es ist eine erst 1956 errichtete Statue, die aber ebenfalls an die K.-u.-k.-Zeit erinnert, nämlich den Badetod adeliger Gäste.

Ruhiges Platzerl im turbulenten Badeort Opatija: die Jakobskirche

Liebesnest der Monarchie

Im Fin de Siècle kam die österreichische Oberschicht vor allem vom Spätherbst bis in den Frühling. "In Österreich war es kalt und langweilig. Hier hat es auch im Winter 14 Grad gehabt, und es war etwas los. Abbazia war das Liebesnest der Monarchie", erzählt Reiseführerin Marija. "Die Adeligen und das gehobene Bürgertum sind nicht ein paar Tage geblieben wie Gäste heute, sondern Wochen und Monate."

Was macht heute den Reiz des alten Kurbades an der Adria aus, der "alten Dame", wie Marija sie nennt? Es ist die Melange aus ganzjährig freundlichem Klima und altem K.-u.-k.-Charme. Die vorgelagerten Inseln Krk und Cres schützen die Küstenorte vor den bösesten Winden, eine Bergkette mit dem 1400 Meter hohen Monte Maggiore oder Ucka lädt nicht nur zu Wanderungen ein, sondern schirmt die Küstenorte vom unfreundlichen Nordwestwetter ab.

„Die Kamelie ist das Symbol unseres Klimas, weil sie das ganze Jahr im Freien gedeiht“, erzählt Marija. Die zwölf Kilometer lange Strandpromenade, genannt Lungomare, von Lovran über Opatija bis nach Volosko, ist nicht nur gesäumt von mächtigen Lorbeerbäumen und Tamarisken, von Palmen und Zypressen, sondern auch von Villen und Hotels aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Der Geschmack der Küste

Das Hotelangebot bestimmen heute die Bettenburgen aus der Tito-Zeit, die mit hohem Aufwand modernisiert worden sind, meist um Wellness-Einrichtungen bereichert. Die Souvenirläden sind voll von modernem Schnickschnack – und Ansichtskarten mit K.-u.-k.-Motiven.

Palace Bellevue: Hotels aus der Kaiserzeit empfangen noch heute Gäste.

Reich ist das gastronomische Angebot, ob im Restaurant oder in der Konoba, leider auch belastet mit internationalen Speisen, von Burger bis Pommes frites. Richtig spannend wird es mit regionalen Gerichten: vom würzigen Schinken (Prsut) bis zur Vielfalt des Meeresgetiers. Die heimischen Weine vollenden den Genuss: Malvazija (Frühroter Veltliner), Grasevina (Welschriesling) oder der elegante Zlatina von der Insel Krk. Kräftig ist der Rote aus der autochthonen Teran-Rebe. Auf zwei Dinge sind die Einheimischen besonders stolz: auf ihr Olivenöl und auf ihre Trüffeln.

In die Berge und auf die Inseln

Ein Aufenthalt in Opatija verlockt zu Abstechern in die netten Nachbarorte Lovran, Moscenicka Draga, Icici oder Volosko. Unser Reiseangebot eröffnet auch Ausflüge auf die Insel Krk oder ins Landesinnere, mit Bergen, Schluchten, alten Städtchen und historischen Eigenheiten – wie der glagolitischen Schrift.

Eine Perle ist die einst schmutzige Bergbaustadt Labin hoch über der Kvarner Bucht. 1989 wurde der Kohleabbau eingestellt, und seither strahlt der historische Stadtkern. „Heute ist Labin eine Stadt der Künstler, nicht mehr der Kohle“, sagt die Reiseführerin. Noble Barockhäuser ziehen sich die Gassen hoch. Von den Terrassen eröffnet sich der Blick aufs Meer.

Rund zehn Stunden dauert die Fahrt von Linz nach Opatija.

Als kleinste Stadt der Welt wird Hum, gleich hinter dem Ucka-Gebirge gelegen, beworben. Es gibt eine Stadtmauer, ein Stadttor, eine Kirche und die Behörde (Gespann), die für eine Stadt notwendig ist – aber nur 53 Einwohner. Ein Juwel ist die romanische Friedhofskirche; 1000 Jahre alte Fresken wurden freigelegt, teils aus der Hand des Meisters von Beran, gemalt mit Farbe aus der roten Erde, die diesen Landstrich prägt. In der Nähe sind Steindenkmäler, die die Buchstaben der glagolitischen Schrift darstellen. Damit tauchen wir in eine mystische Zeit ein, als Kyrill von Saloniki, Apostel der Slawen genannt, Schriftzeichen entwickelt, die die Sprache der Menschen auf dem Balkan besser abbilden sollte, um die Bibel verständlicher zu machen. Während die kyrillische Schrift überlebte, wurde die Glagoliza allmählich vom Lateinischen verdrängt; die Gläubigen orientierten sich stärker an der katholischen Kirche in Rom als an der orthodoxen in Byzanz. Heute erlebt das Glagolitische eine Verklärung; für den Alltag hat sie keinerlei Bedeutung mehr.

Krk ist 3000 Jahre alt

Noch tiefer in die Geschichte eintauchen lässt es sich auf der Insel Krk in der Kvarner Bucht. Die Stadt Krk selbst ist 3000 Jahre alt; die Hafeneinfahrt wird von der Festung der Frankopan dominiert – ein Adelsgeschlecht, das bis hinüber zum Festland von 1100 bis 1671 seine Spuren hinterließ. Rund 300 Burgen und Schlösser besaßen die Frankopan an der Küste und im Hinterland. Diese sollen nun touristisch vernetzt werden (frankopani.eu). Auch ein interessantes Wanderangebot soll Touristen ansprechen: ein Jakobsweg rund um die Insel (caminokrk.com).

Am Hafen von Krk mit Festung Frankopan und Glockenturm: Die Inselhauptstadt ist eine Augenweide.

20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Kroatien werden mittlerweile im Tourismus erzielt, mehr als in jedem anderen EU-Land. Die Einwohnerzahl ist seit dem Neustart 1991 auf 3,8 Millionen gesunken; rund 700.000 Kroaten sind in die EU ausgewandert. Nach zwei schmerzhaften Jahren mit Corona ist Aufbruchsstimmung zurückgekehrt. An der Kvarner Bucht herrscht reges Leben. Ein Ausflug ins nahe Rijeka beweist das. Die Hafenstadt hat im Zentrum viele historische Bauten, neben Betonungetümen aus der jugoslawischen Ära. Im Nationaltheater ist ein Deckengemälde von Gustav Klimt. Anziehend sind die alten, sehr belebten Markthallen.

Anders als zur K.-u.-k.-Zeit kommen die meisten Gäste nicht mehr im Winter, sondern sie wollen den Sommer genießen. Dabei gibt es in Opatija keinen wirklichen Strand. Alle Bauten reichen wegen des knappen Platzes zwischen Meer und Berg bis an die Wasserlinie heran. Nur über Stiegen oder Leitern gelangt man in die Meeresbecken. Wer einen weiten Kiesstrand will, muss ein paar Kilometer in den Süden fahren.

Aber der Sonnenaufgang von Opatija mache das völlig wett, sagt Marija, um dann das gleichnamige Lied des berühmtesten Bänkelsängers von Kroatien einzuspielen, von Ivo Robic.

Anreise im Nostalgiezug

Es reist sich erhaben in der Plüsch-, Teppich- und Schleiflackwelt von gestern. Christian Brenner hat mit seinem Wiener Unternehmen „B&B Blue Train“ ein halbes Dutzend alter Salonwaggons aus der Zwischen- und Nachkriegszeit mobilisiert und auch ein wenig modernen Ansprüchen angepasst. Das historische Ambiente ist trotzdem ungebrochen.

Hier lässt es sich gut dinieren.

Rund zehn Stunden ist man ab Linz unterwegs, weil fahrplanmäßige Züge Vorrang haben und ab und zu ein längerer Halt nötig ist. Die Zeit vergeht dennoch wie im Flug. Die offenen Waggons ermöglichen ungezwungene Unterhaltung, es werden ein Unterhaltungsprogramm geboten, Erfrischungen und Speisen serviert. Daneben ist zweites zentrales Erlebnis die reizvolle, vielfältige Landschaft. Höhepunkte sind zunächst das Gasteiner-, Möll- und Drautal, später das Tal der Save bis Laibach und dann hinauf nach Postojna (Adelsberg) und über den Karst hinunter an die Kvarner Bucht bis Rijeka.

Entweder die An- oder die Abreise erfolgt im Nostalgiezug. Für die jeweils andere Fahrt stehen Reisebusse zur Verfügung.

Die Zugreise im Detail

Inkludierte Leistungen: Die fünftägige Reise an die Riviera von Opatija kostet 799 Euro (Frühbucherpreis bis 22.12.) bzw. 859 Euro. Im Preis enthalten sind Anreise (ab Linz bzw. ab Graz) mit dem Nostalgiezug, Busfahrten, Ausflüge, Übernachtungen im 4-Sterne-Hotel mit Halbpension, eine landestypische Jause mit Wein und Musik sowie eine deutschsprachige Reisebegleitung. Die Reise kann auch in umgekehrter Reihenfolge durchgeführt werden: Bus hin – Nostalgiezug retour.

Ausflüge: Zum Ausflug an die Opatija-Riviera laut Programm kann alternativ ein fakultativer Tagesausflug in die Küstenstädte Pula und Rovinj (59 Euro) oder auf die Insel Krk
(45 Euro) gebucht werden.

Termin: 30. März bis 3. April 2023

Kontaktdaten: Die Reise im Nostalgiezug ist buchbar bei Moser Reisen in Linz, Graben 18, Kennwort: Nostalgiezug, Telefon 0732 2240-50 (9 -13 Uhr), nostalgiezug@moser.at

Artikel von

Josef Lehner

Redakteur Wirtschaft

Josef Lehner

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