Lade Inhalte...

Gesundheit

Beschneidung bei Buben boomt

01. September 2010 00:04 Uhr

Beschneidung bei Buben boomt

Bei immer mehr Buben in Oberösterreich wird nach Statistiken von Krankenhäusern die Vorhaut operativ entfernt. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Zahl von Einwohnern mit muslimischem Glauben gestiegen ist und es mehr bikulturelle Beziehungen gibt. Die medizinische Notwendigkeit bleibt unverändert.

Der Begriff „Beschneidung“ ist medizinisch eigentlich nicht korrekt: Der Eingriff wird lateinisch als Circumcision („Umschneidung“) bezeichnet. Denn bei der Operation wird die Vorhaut ringförmig abgetrennt, sodass die Eichel freiliegt.

Ein Faktor für die gestiegene Zahl an Circumcisionen im Kindesalter ist auch, dass es immer mehr bikulturelle Beziehungen gibt. Speziell wenn Frauen gemeinsam mit einem muslimischen oder afrikanischen Partner einen Buben bekommen: Denn beispielsweise in Afrika ist rund 90 Prozent der männlichen Bevölkerung – unabhängig von der Religionszugehörigkeit – ohne Vorhaut. „Ich glaube, dass das natürlich mit eine Rolle spielt. Aber es gibt noch weitere Grunde, warum zunehmend Circumcisionen durchgeführt werden“, sagt Tanja Becker, Oberärztin und stellvertretende Leiterin der Kinderurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. „Viele Eltern sind der Operation gegenüber wesentlich aufgeschlossener, vor allem was die Indikation aus hygienischen und präventiven Gründen betrifft. Studien haben ergeben, dass die Circumcision das Risiko von übertragbaren Infektionskrankheiten wie HIV oder Gebärmutterhalskrebs bei Frauen signifikant senkt“, sagt Becker. Das hat auch die Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 2007 und das US-amerikanische Center for Disease Control (CDC) im Jahr 2008 publiziert.

Nicht im Koran verankert

Die Beschneidung von Männern ist – ausgehend von Abraham – ein uraltes Gebot in den Offenbarungsreligionen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit übernahm das Judentum die Sitte von den Ägyptern. Im Alten Testament, Buch Genesis Kapitel 17, wird die Beschneidung als Bundeszeichen definiert. Obwohl im Koran kein Vers über die Verpflichtung zur Beschneidung existiert, wurde und wird es als Symbol aller Muslime anerkannt. Sie ist in einer eigenen Vorschrift, der „Fitra“ (den Hygieneregeln) festgelegt. Nach der islamischen Überlieferung beschnitt als erster Mensch der Prophet Ibrahim (Abraham) im Alter von achtzig Jahren (in der Bibel wird im Alten Testament das Alter von neunundneunzig Jahren bei Abraham angeführt) sich selbst.

Angehörige des muslimischen Glaubens sehen den Eingriff auch nicht rituell, sondern eindeutig hygienisch begründet. Im Gegensatz dazu stellt die Operation im Judentum ausschließlich das sichtbare Zeichen des Bundes dar.

Zu Beginn der christlichen Urgemeinde bestand noch keine klare Trennung zwischen Judentum und Christentum. Auch Jesus wurde der Tradition gemäß am achten Lebenstag beschnitten. So wurde anschließend auch im Urchristentum neben der Taufe auch die Beschneidung aller Buben am achten Lebenstag praktiziert. In Antiochien, wo der Apostel Paulus ab dem Jahr 44 nach Christus 15 Jahre lang missionierte, wurden viele Nicht-Juden (Heiden) zu Christen. Zwischen Juden, Christen und Heiden kam es zu Konflikten, weil Paulus von Heiden, die sich zu Christus bekannten, nicht verlangte, sich beschneiden zu lassen. Ohne Paulus wäre das Ritual möglicherweise auch heute noch im Christentum üblich.

Beim Neugeborenen selten

Nachdem im Christentum und damit in Mitteleuropa die Beschneidung männlicher Kinder keine religiöse Vorschrift ist, wird dieser Eingriff beinahe ausnahmslos aus medizinischen Gründen wie etwa der Phimose durchgeführt.

Eine Ausnahme dazu bilden die angloamerikanischen Staaten wie die USA, Kanada oder auch Australien, in denen für die hohe Rate von Circumcisionen hygienische Gründe angeführt werden: In den USA wird beispielsweise die Entfernung der Vorhaut bei rund 75 Prozent der männlichen Neugeborenen durchgeführt. In Australien wird die Zahl aktuell mit 55 Prozent, in England mit 35 Prozent angegeben.

„Eine Circumcision im Neugeborenenalter wird bei uns absolut selten durchgeführt. Wenn es die Eltern wünschen, machen wir den Eingriff etwa ab dem ersten Lebensjahr“, sind sich Kinderchirurgen und Kinderurologen einig.

In den oberösterreichischen Krankenhäusern werden für den Eingriff hauptsächlich zwei Methoden verwendet: entweder klassisch mit Schnitt und Naht oder mittels einer Plastikglocke (Plastibell), wobei die kosmetischen Ergebnisse bei der konventionellen Technik besser sind.

Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

0  Kommentare expand_more 0  Kommentare expand_less