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Raus aus der Einsamkeit

Von Christina Tropper   11. August 2012 00:04 Uhr

Raus aus der Einsamkeit
Zusammen ist man weniger allein.

Einsamkeit ist eine Befindlichkeit unabhängig von der Lebensform“, sagt die Linzer Paartherapeutin und -beraterin Andrea Keck. Sie hat täglich mit Menschen zu tun, die sich in sich zurückziehen und zeigt Wege aus dem ungewollten Alleinsein.

Wie viele soziale Kontakte braucht der Mensch?

Andrea Keck: Rund zehn bis zwölf Berührungen pro Tag wären für die psychische Gesundheit optimal. Das kann ein Händedruck ebenso sein wie das Haare waschen beim Frisör. Hautkontakt fördert die Ausschüttung des Bindungs-Hormons Oxytocin. Dadurch wird das Stresshormon Cortisol gesenkt – was eine entspannende Wirkung für den Menschen hat.

Ist dabei der Kontakt zu Freunden oder zur Familie wichtiger?

Familie ist wichtig, genügt aber nicht. Enger Kontakt zu Kindern und Verwandten ist durchaus positiv, wirkt sich aber nicht signifikant auf die Lebenserwartung aus. Das liegt wohl auch daran, dass der Alltag in Familien viel Konfliktpotenzial mit sich bringt. Daher ist oft auch eine gewisse Distanz in der Lebensbetrachtung nötig, die wir eher von Freunden bekommen. Sie können uns somit neutraler beraten, als die besorgten Familienmitglieder. Kinder sind etwa nicht dazu da, die Partnerprobleme der Eltern zu analysieren. Damit schädigt man die Kinder – sie sind dafür nicht zuständig.

Wir leben in einer digitalen Welt, können problemlos mit Bekannten aus den USA kommunizieren, via Internet Freundschaften pflegen und das Leben der Freunde per Facebook verfolgen. Kann man da überhaupt noch einsam sein?

Die Problemfelder haben sich geändert. Sicherlich ist die vermehrte Kommunikation eine positive Seite der digitalen Welt. Aber es gibt auch Schattenseiten: Etwa die Überflutung durch Informationen. Man verliert sich leichter in der virtuellen Welt. Diese Leute verlieren den realen Bezug zur Umwelt, sind dann sprachlos, wenn sie jemandem gegenüberstehen. Ich rate dennoch das Netz zu nützen, um andere Leute zu finden. Gerade ältere Menschen, die vielleicht jemanden zum Wandern suchen oder eine Theaterbekanntschaft machen wollen, können da einfach Kontakte knüpfen.

Aktivität ist demnach das Stichwort, um sich nicht einsam zu fühlen ...

Nicht nur. Es gilt, sich ein neues Netzwerk aufzubauen. Die Frage, die man sich stellen muss: Habe ich unerfüllte Sehnsüchte? Kann ich mich irgendwo ehrenamtlich engagieren? Jeder Mensch hat Resourcen und Anlagen, die gilt es auszugraben.

Was genau ist Einsamkeit, ist es nicht manchmal heilsam, alleine zu sein?

Man muss unterscheiden, ob jemand freiwillig oder unfreiwillig alleine ist: Das Alleinsein ist eine bewusste Entscheidung, Einsamkeit ist ungewollt, hat mit Isolation zu tun. Man kann sowohl als Single als auch in einer Beziehung einsam sein – die Lebensform hängt nicht primär mit dem Gefühl der Einsamkeit zusammen.

Woher kommt das Gefühl der Einsamkeit dann?

Der Mensch lebt seit jeher in Gruppen, braucht soziale Kontakte und Ansprache. Freundeskreis, Arbeiskollegen, Familie: Der Mensch braucht Gruppen, in denen er eingebettet ist. Ich habe viele Patienten, die bereits älter sind. Diese Personen fühlen sich einsam, weil sie nicht mehr gebraucht werden. Außerdem bemerken sie, dass die Kraft nachlässt. Das führt zum Grübeln. Und man weiß aus dem Mentalcoaching, dass negative Gedanken zu verengter Wahrnehmung führen.

Wie beeinflussen uns Tiere?

Ich kann sie jedem empfehlen, der sich einsam fühlt. Haustiere geben uns das Gefühl, gebraucht zu werden, und Streicheleinheiten bekommt man auch.

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