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Musik

Kopfhörer #85: Das Leben ist wunderbar

Von Reinhold Gruber  23. Februar 2022 17:20 Uhr

Imany covert Blacks Hits aus dem Jahr 1987: „Wonderful life“.

Das Leben ist schön, wunderbar, bezaubernd. Das wurde vielfach besungen. 

„It’s a wonderful life“ – wie sehr hat uns Black vor mehr als drei Jahrzehnten aus dem Herzen gesprochen, als er uns klar machte, dass das Leben wunderbar ist. Anfang der 1990er Jahre war da auch bei einem selbst noch eine Leichtigkeit vorhanden, die die Schattenseiten des Lebens leicht aussparen konnte, weil einfach mehr die Sonne schien. 

Mittlerweile ist der Künstler Black schon tot und die Halb-Jungen von einst ziemlich alt. Aber der Song funktioniert immer noch, wenngleich ihn Imany im Tim Plvnk & Ayosha Remix zum lässigen Tanzbodenfeger umfunktioniert hat. Aber der Text ist gleich wieder da und das Gefühl von einst auch, wenngleich die Einschläge des Lebens näher kommen und die Leichtigkeit manchmal einer melancholischen Schwere gewichen ist. Aber gut, dass es solche Songs gibt. Denn dann ist für knapp drei Minuten die Welt wieder ziemlich in Ordnung.

Bleiben Sie bitte stets gesund, bittet Sibylle Kefer in „Oa Zeit“, einem Lied zur ungewöhnlichen Zeit, in der tausende Situationen und Ängste zu einem ganz eigenartigen Miteinander oder besser gesagt Gegeneinander von Menschen geführt haben. Die Musikerin aus dem Salzkammergut mit Wahlheimat Wien wollte mit dem Song im coolen Beat und mit klaren Worten ein Statement setzen, wonach Solidarität nicht nur als Wort gelebt werden kann, sondern schwierige Zeiten auch eine Gesellschaft weiterentwickeln können. Dafür ist es aber notwendig, Lagerdenken zu verlassen, die Wut erst nicht aufkommen zu lassen, sondern sich gemeinsam einer Situation zu stellen, die man nicht einfach vom Tisch wischen kann. Jetzt wäre es nur wichtig, dass diese Botschaft von Sibylle Kefer viele hören würden.

Man muss nur aufmerksam lesen oder zuhören, denn klare Botschaften brauchen keine Extra-Erklärungen mehr. Wenn also Michael Lane sein neues Album „Take It Slow“ (Greywood Records) nennt, dann ist das Programm. Die zehn Lieder kommen in einer angenehm entspannten Atmosphäre mit viel Akustik-Instrumentarium daher, der Deutsch-Amerikaner demonstriert seine Vorliebe für das klassische Songwritertum und würzt seine Songs mit viel Folk-Einflüssen. Da kann einem auch schon dann und wann das Herz aufgehen, wie beim schön dahingleitenden „Ladybug (Sunset Mix)“ oder beim sehr intimen „Moment“.

Jenseits aller Stilschubladen

Wenn Musik und Texte etwas um die Ecke gedacht werden, dann braucht es mehr Aufmerksamkeit, um zu erfassen, was hier passiert. Pauls Jets aus Wien haben so eine Alles und nichts-Haltung, die sie aus dem Meer der Gleichklingenden sofort herausstechen lässt. „Jazzfest“ (Staatsakt) heißt das Album, das vom Titel her gleich einmal in die Irre führt. Denn von einer Jazzband ist das Quartett meilenweit entfernt.

Viel zu vielschichtig denken sie ihre Musik, in der so viele Stile ganz einfach nebeneinander Platz finden. Krautrocker, Punkrocker, Folkfreunde, Geschichtenerzähler, schlagereske Melodieläufe und dazu Texte, die alles sind, nur eines nicht: Beliebig. Man muss einfach zuhören, um diese Welt ein Stück weit zu verstehen und je länger die Aufmerksamkeit dauert, desto mehr beginnt man, diesen schrägen Zugang von Pauls Jets zu lieben. „Flieger“, „So richtig in Love“, „Weekend“, „Magdeburg“ – es gibt viele Momente auf „Jazzfest“, die einen staunen lassen und dann zufrieden machen. Gegen den Strom zu schwimmen, kann zum Ziel führen, wenn man weiß, was man will. Die Wiener wissen es.

Wer es gerne ruhig und beschaulich mag, dem sei Arny Margret und ihre EP "intertwined" (One Little Independent Records) empfohlen. Schöne Folk-Songs voll Intensität und Tiefgang und zur richtigen Zeit gehört echter Seelenbalsam.

Intensiv ist auch ein gutes Stichwort für Curtis Stigers. Der Sänger hat auch eine lange musikalische Reise hinter sich, vom Frauenschwarm mit Balladen, die sich in die Herzen eingebrannt und an die Spitze der Hitparaden geführt haben. Auf "This Life" (Emarcy) ist der mittlerweile zum Jazzsänger veredelte Stigers das kleine Wagnis eingegangen, seine 30 Jahre dauernde Karriere im Rückspiegel zu betrachten und seine Hits und seinen wichtigen Songs noch einmal aufzunehmen. Das bekommt durch die Reife der Jahre und die Güte der Herangehensweise eines Mannes, der es mit den Genres nicht mehr so hat, sondern locker darüber hinweg schreitet, eine besondere Note. Zurücklehnen und Zuhören. Das Leben kann so wunderbar sein.

Artikel von

Reinhold Gruber

Lokalredakteur Linz

Reinhold Gruber

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