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 "Kottans Kiberer" und die Fröschinnen der Fledermaus

Von Karin Schütze, 28. März 2024, 18:00 Uhr

An der Volksoper hat  sich Franz Suhrada 13 Jahre in die Herzen seines Publikums gespielt:Ab 4. Juli (OÖN-Vorpremiere) ist der Wiener Schauspieler bei den Operettenfestspielen Bad Hall in Franz Lehárs "Das Land des Lächelns" zu erleben.

"Eine Situation muss komisch sein. Aber man muss alles ernst nehmen und ernst spielen", ist das Credo von Franz Suhrada: "Je ernster man die Sache nimmt und spielt, umso besser kommt es rüber", was der Schauspieler in unzähligen Rollen – auf der Bühne wie im Fernsehen – bewiesen hat.

Auch bei den ersten Musicalfestspielen in Bad Hall 1998: Als Cervantes in "Der Mann von La Mancha" kämpfte der Wiener gegen Windmühlen. Am Dirigentenpult stand damals Thomas Kerbl, seit 2022 Intendant der Festivals Operette – Oper – Musical in Bad Hall, wo Suhrada ab Juli in Franz Lehárs "Das Land des Lächelns" zu erleben ist. "Das mach ich mit Freude, das genieße ich", blickt der 69-Jährige seiner "tollen Doppelrolle mit ihrer Wandlungsmöglichkeit" entgegen. Vom Diener Franz in Wien wird er zum "Obereunuchen" im Kaiserpalast in Peking.

Ein Kunstgriff, den Regisseur Kerbl dem Stück hinzugefügt hat: Welcher Vater wünscht sich nicht einen Beschützer für seine Tochter, die eine Ehe in der Fremde eingeht?

Mundl und Kottan sind Kult

Die Freundschaft zwischen den beiden Künstlern reicht bis ins Jahr 1987 in Amstetten zurück. Man spielte "Das Feuerwerk" von Paul Burkhard. Suhrada gab den komischen Onkel an der Seite von Freddy Quinn. Auf zwei Klavieren spielten der legendäre Herbert Prikopa und ein junger Pianist mit Lampenfieber ob seines ersten Bühnenengagements, das zudem vom Fernsehen aufgezeichnet wurde: Thomas Kerbl, heute Professor am Institut für Gesang und Musiktheater an der Bruckneruni Linz.

"Vor dem Eingang der Johann-Pölz-Halle war ein Zirkuszelt aufgebaut. In der Pause ist Zuschauern eine Boa constrictor umgehängt worden, die war natürlich kurzfristig lahmgelegt. Es hat auch einen zahnlosen Löwen gegeben, der ist meiner Kollegin durch halb Amstetten nachgelaufen", erzählt Franz Suhrada mit einem zuvorkommenden Lächeln auf den Lippeln eine von vielen Anekdoten.

Unvergessen ist jener Tag im Jahr 1976, als er an der Freien Volksbühne für "Die Geschichte vom braven Soldaten Schwejk" engagiert war, seiner Gage wegen musste er ein Konto eröffnen. "Ich ging in die Bank rein und war der einzige Kunde", als die Bank überfallen wurde. "Ich war wie eine Geisel. Der Mann hat bis fünf gezählt, ich war wie eine Geisel. Der Bankbeamte hat ihm das Geldbündel hingeworfen, und der ist weg." Man bat ihn als Zeugen aufs Polizeirevier: "Am Abend haben sie mich mit dem Polizeiauto ins Theater gebracht", wo ihm zunächst keiner glauben wollte: "Dann war ich eine Woche der Star."

Es sollte nicht der einzige Banküberfall in seinem Leben sein: Ein halbes Jahr später flimmerte die erste Folge der TV-Serie "Kottan ermittelt" über die Bildschirme, in der Suhrada als Polizist Schreyvogel in eine seiner Paraderollen im Fernsehen schlüpfte. Auch in "Tohuwabohu", der "Alpensaga" und "Ein echter Wiener geht nicht unter" mit Karl Merkatz (Mundl) hat er mitgespielt: "Mundl und Kottan waren Kultserien, weil sie ungemein polarisiert haben. Es gab die Befürworter und die kompletten Gegner", erinnert sich der 69-Jährige. "Ich muss immer lachen, wenn Leute schimpfen, aber dann sogar Details wissen. Sie haben also doch geschaut."

Publikumsliebling im TV zu sein, habe "einen "Nebeneffekt: Das Medium Fernsehen kategorisiert einen, als Kiberer vom Kottan", sagt der an der Wiener Schauspielschule Krauss Ausgebildete. Auch eine Lehre als Industriekaufmann bei den Böhler-Werken hat er abgeschlossen: "1976 hab ich gekündigt", weil die Freie Volksbühne Berlin nach ihm rief.

13 Jahre an der Volksoper

Erste Erfahrungen auf den Brettern, die die Welt bedeuten, hatte er schon als Statist in der Staatsoper gesammelt. "Ich war einer der Ägypter beim Triumphmarsch", in Verdis "Aida", an der Seite von Placido Domingo, Gwyneth Jones und Maestro Riccardo Muti. "Es war eines seiner ersten Dirigate."

Seine ersten Bühnenerfolge feierte er unter anderem am Salzburger Landestheater, wo er mit 25 Jahren den jüngsten "Frosch" in der Operette "Die Fledermaus" gab. "Da hat meine Froschkarriere begonnen", die ihn um die halbe Welt führen sollte. Auch nach Tokio, wo er auf Deutsch parlierte mit Untertiteln, weshalb das Lachen zeitversetzt kam. "Aber ich hab immer japanische Sätze eingebaut. Da freuen sich die Japaner. Zuerst hab mich gewundert, warum die Aufführung schon um 14 Uhr beginnt. Aber das sind ja ganz andere geografische Dimensionen als bei uns", erzählt er. Und übersetzt das Wort "Fledermaus" fließend ins Japanische, Spanische, Tschechische.

"Für mich ist auch die Operette ein Genre, das man total ernst nehmen muss und die als Kunstgattung immer veräppelt wird." Eins schätzt er weniger: "Wenn Operetten nur mehr in einer Toilette oder in einer U-Bahn-Station spielen, krieg ich schon so einen Hals. Als Zuschauer will ich ins Theater gehen, um unterhalten zu werden, aber nicht um nach einer halben Stunde angefressen zu sein", sagt der passionierte Theatergeher. "Ich schau mir alles an", vor allem an der Volksoper, wo er 13 Jahre engagiert war. Im Vorjahr ist er offiziell in Pension gegangen.

Es geht ohne "Fröschinnen"

Mit einem Wort hadert er – "entstauben": "Da weiß man nicht, wie man es deuten soll. Die Noten sind ja auch vorgegeben. Man kann eine Musik nicht entstauben. Ich kann nicht sagen, das Fis lass ich weg und mach lieber ein F draus. Ich bin für alle Schandtaten offen, wenn sie im Rahmen der Plausibilität sind. Wenn etwas komplett abschweift, nur um zu provozieren", kann er dem wenig abgewinnen. Ähnlich geht es ihm mit "Fröschinnen" oder einer "Orlofskaja" (statt des Prinzen Orlofsky) in "Der Fledermaus": "Net bös' sein, sie machen es eh alle gut."

In die bewährten Regiehände von Thomas Kerbl legt er sein Schicksal jedoch "mit Freude" – wie schon 2016 als "Doktor Dolittle" in Bad Halls "My Fair Lady" und 2022 in "Der Lustigen Witwe". "Das ist ein herrlicher Urlaub mit künstlerischen Aufgaben am Wochenende für mich", der ihn heuer auch ins Mühlviertel führen wird: Am 15. und 16. August wird "Das Land des Lächelns" auf der Aiserbühne in Schwertberg aufgeführt.

Franz Suhrada, Schauspieler

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Autorin
Karin Schütze
Redakteurin Kultur
Karin Schütze
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