Lade Inhalte...
  • NEWSLETTER
  • ABO / EPAPER
  • Lade Login-Box ...
    Anmeldung
    Bitte E-Mail-Adresse eingeben
    Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse oder Ihren nachrichten.at Benutzernamen ein.

gemerkt
merken
teilen

Die Angst des Kriegshelden vor dem Tod

Von Peter Grubmüller, 15. April 2019, 00:04 Uhr
Die Angst des Kriegshelden vor dem Tod
Das feine "Idomeneus"-Ensemble: Anna Wagner, Michaela Lenhart, Isabella Campestrini, Vinzenz Wegmüller, Jakob Kajetan Hofbauer, Dorothea Röger, Florian Granzner (v. l.) Bild: Moser

Starke Premiere von Schimmelpfennigs "Idomeneus" in der Studiobühne des Landestheaters.

Wie weit gehen wir, um die eigene Haut zu retten? Ist der freie Wille tatsächlich frei – und wie lenken uns Angst, Vernunft und Aberglaube? In seinem 2008 in München uraufgeführten Stück "Idomeneus" dekliniert Roland Schimmelpfennig diese Fragen am Stoff des mythologischen Königs von Kreta durch. Der Dramatiker variiert alle literarisch verbreiteten Ausgänge von Idomeneus’ Schicksal – und er erfindet gleichberechtigt neue dazu. Wie hätte es sich wirklich zutragen können?

Am Samstag stellte Regisseurin Bérénice Hebenstreit dieses Stück mit dem Schauspielstudio-Ensemble der Linzer Bruckner-Universität wie einen Glücksfall epischen Theaters auf die Promenaden-Studiobühne des Landestheaters.

Gedankengefängnisse

Nach zehn Jahren Blutrausch und Gemetzel gegen Troja macht sich Idomeneus auf den Heimweg. Ehe er sicheren Boden unter den Füßen bekommt, gehen 79 seiner 80 Schiffe in einem Sturm unter. Lediglich sein eigenes trotzt dem Unwetter, weil der Kriegsheld Meeresgott Poseidon vor lauter Angst ein Opfer angeboten hat: Sofern Idomeneus den Sturm übersteht, werde er das erste Lebewesen töten, das ihm in die Quere kommt. Das Haarsträubende bekommt ein Gesicht, weil es sein Sohn Idamantes ist, der ihm am Strand begegnet. Überliefert sei, dass die Kreter ihren König verjagt haben. Aber hat Idomeneus wirklich seinen Sohn umgebracht?

Das Bühnenbild von Mira König rahmt und behütet die Szene glänzend: Die sieben Darsteller kauern zu Beginn in fünf beleuchteten Glaskojen auf Rollen, die sich in der Fantasie des Publikums zu Kokons, Gedankengefängnissen oder Partyhöhlen verwandeln, in denen es allen nur um das Eine geht: am Leben zu bleiben.

Die junge Schauspielergarde mit Vinzenz Wegmüller, Jakob Kajetan Hofbauer, Dorothea Röger, Florian Granzner, aber allen vor Michaela Lenhart, Isabella Campestrini und Anna Wagner musizieren Schimmelpfennigs Monologe und Choräle mit ihren Stimmen, ohne deren Eindringlichkeit oder Ironie zu überdrehen. Die Worte sind stark genug, das wissen Schauspieler, die eine Ahnung davon haben, was sie da sagen. Hebenstreit muss ihrem Team Schimmelpfennigs Idee gründlich eingetrichtert haben.

Aber wieso darf ein Einziger am Leben hängen, während Tausende ersaufen? Oder hat der Nichtsnutz Idamantes, der die 15-jährige Tochter eines Fischers schwängerte und verstieß, ohnehin den Tod verdient? 70 verdammt dichte Theaterminuten mit unzähligen Chancen, Idomeneus in jedem von uns zu entlarven. Langer Applaus.

Fazit: Eine Verführung zur Reflexion und zum Theater, eine Meisterprüfung aller Beteiligten.

Schauspiel: "Idomeneus" von Roland Schimmelpfennig, Regie: Bérénice Hebenstreit, Premiere: 13. April, Studiobühne Promenade, Termine: 20., 25. April; 4., 8., 17., 24. Mai, Info: www.landestheater-linz.at, Tel: 0732/7611-400

mehr aus Kultur

Indeed Unique gewann "Die große Chance"

Nadja Maleh: „Wir gehen wie Zombies auf Autopilot durchs Leben“

Billie Eilish: Ein Pop-Wunder im Höhenflug

Ein Ebenseer Glöckler im Asia-Stil und eine neue Farbe namens Traunseeblau

Autor
Peter Grubmüller
Ressortleiter Kultur
Peter Grubmüller
Lädt

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

0  Kommentare
0  Kommentare
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.
Neueste zuerst Älteste zuerst Beste Bewertung
Aktuelle Meldungen