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Kultur

Das Leid des Opfers in berührenden Klängen

Von Christian Schacherreiter   12. Februar 2019 00:04 Uhr

Das Leid des Opfers in berührenden Klängen
Stela Dicusara (l.) und Eszter Petrány

Starke Premiere von Grigori Frids Oper "Das Tagebuch der Anne Frank" an der Linzer Anton Bruckner Privatuniversität.

Seit einigen Jahren schon setzt das Musiktheaterstudio der Anton Bruckner Privatuniversität einen verdienstvollen Schwerpunkt, indem es musiktheatralische Werke zur Aufführung bringt, die dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gewidmet sind.

Die jüngste Produktion in dieser Reihe hatte am Sonntag Premiere. Der russische Komponist Grigori Frid (1915–2012) vertonte 1969 Auszüge aus dem "Tagebuch der Anne Frank" für Klavier und Gesang. 1972 folgte eine Oper in Orchesterfassung, und 1999 bearbeitete Frid sein Werk für Gesang und neun Soloinstrumente. In dieser kammermusikalischen Version, einem Mono-Drama in 21 Episoden, wurde die Oper als Koproduktion des Musiktheaterstudios mit dem "Institut für zeitgenössischen Tanz" realisiert. Eine Stunde lang ist die Sopranistin die einzige Gesangsstimme auf der Bühne, zweifellos eine Herausforderung für die Solistin. Stela Dicusara, gesegnet mit einem klaren, kraftvollen und doch auch warmen Sopran, meisterte die Aufgabe bei der Premiere souverän. Ihr zur Seite stand die Tänzerin Eszter Petrány, die – choreografisch unterstützt von Rose Breuss – Inhalte des Tagebuchs auf einer gestisch-tänzerischen Zeichenebene beeindruckend vermittelte.

Die kongeniale Abstimmung von Sängerin und Tänzerin inszenierte Peter Pawlik. Der junge Dirigent Junihiro Watahiki leitete das musikalische Ensemble, bestehend aus Streichern, Bläsern, Schlagwerk und Klavier, mit interpretatorischer Überzeugungskraft. So konnten sich die Stärken von Grigori Frids kompositorischem Stil sehr schön entfalten: einerseits markante rhythmische Härte, grelle Effekte in scharfen Dissonanzen, andererseits elegisch-düstere Klangfarben, insgesamt ein recht expressiver musikalischer Gestus, der dem Thema gerecht wird.

Fazit: Eine beeindruckende Darbietung aller Akteure, die sich den langen Applaus des zahlreich erschienenen Publikums verdienten.

 

"Das Tagebuch der Anne Frank", Oper von Grigori Frid. Premiere: 10. 2., Studiobühne der Anton Bruckner Privatuniversität. Weitere Vorstellungen: heute, Dienstag (Solistin Akine Matsumoto), Donnerstag, 14. 2. (Solistin: Maria Frauscher). Tel.: 0732/701000-280, www.bruckneruni.at

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