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Kultur

Die Dramen einer Gerechten

Von Reinhold Reiterer   12. September 2011 00:04 Uhr

Die Dramen einer Gerechten
Martina Stilp, Andrea Eckert

Volkstheater: Uraufführung von Felix Mitterers Dorothea-Neff-Stück „Du bleibst bei mir“ (9. 9.)

OÖN Bewertung:

Es passiert nicht alle Tage, dass ein Theater ein Auftragswerk über eine Künstlerpersönlichkeit vergibt, die an dieser Bühne tätig war. Das Volkstheater bestellte beim österreichischen Erfolgsautor Felix Mitterer ein Stück über sein langjähriges Ensemblemitglied Dorothea Neff (1903–1986). Sie wurde 1979 von der israelischen Gedenkstätte Yad Va-shem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Neff versteckte von 1941 bis Kriegsende ihre jüdische Freundin Lilli Wolff in ihrer Wohnung in der Wiener Innenstadt.

Auf 100 Manuskriptseiten versuchte Mitterer ein ganzes Leben unterzubringen und verliert bei so vielen Erzählsträngen gelegentlich den großen Bogen. Die dramatische Neff-Biografie „Du bleibst bei mir“ erzählt gleich mehrere Geschichten, die jede für sich ein eigenes Stück sind: Im Zentrum steht die von der NS-Politik verbotene Liebe zweier Frauen, flankiert von dem Versuch einer Aufrechten, einer Jüdin Unterschlupf zu gewähren und sie vor der feindlichen Umwelt zu verstecken, um sie vor dem sicheren Tod in den Vernichtungslagern zu bewahren.

Und dann geht es noch um die persönliche gesundheitliche Tragödie der Neff: Die Schauspielerin verliert ihr Augenlicht und erblindet. Wie soll sie da ihren Beruf weiter ausüben? Michael Sturmingers Inszenierung wohnt eine gewisse Umständlichkeit inne, die mit Ralph Zegers Bühnenbildlösung zusammenhängt. Gerald Preinfalks atmosphärische Musik strukturiert das Stationendrama. Doch fehlt der Aufführung ein präzises, verknappendes Timing.

Erstmals seit der Maria Callas in der „Meisterklasse“ hat Andrea Eckert eine Rolle am Volkstheater übernommen: jene der Neff, die im wirklichen Leben die Schauspiellehrerin der jungen Andrea Eckert war. Eckert zeigt eine Diva, eine Liebende, eine Verzweifelte in verschiedenen Temperamentslagen. Beeindruckend, wie sie den Vorgang des Erblindens spielt.

Denkmal für Dorothea Neff

Martina Stilp stattet die Untergetauchte anfangs mit dynamischer Lebenslust aus, die im Zuge des vierjährigen Versteckens in Depression umschlägt, zumal mit der jungen Schauspielerin Eva Zilcher (Annette Isabella Holzmann) die neue Flamme der geliebten Beschützerin auftaucht. Inge Maux brilliert als erpresserische Hausmeisterin. Die weiteren Akteure wie Nanette Waldmann, Claudia Sabitzer, Thomas Bauer, Robert Prinzler, Rainer Frieb bestehen in ihren (kleinen) Nebenrollen.

Das Volkstheater setzt mit dieser Uraufführung Dorothea Neff ein Denkmal, die szenische Umsetzung leidet an manchem Leerlauf.

Info: www.volkstheater.at

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