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Kultur

Billeteur wagte Protest gegen Wiener Burgtheater

Von nachrichten.at (jup)   18. Oktober 2013 09:18 Uhr

Burgtheater Rede
Christian Diaz

WIEN. Während eines Kongresses anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Wiener Burgtheaters betrat plötzlich ein Billeteur ungebeten die Bühne und wollte eine Rede mit dem Titel "Utopie Theater" halten - er wurde nach wenigen Sätzen verscheucht.

"Wovon träumen wir?" - so lautete das Motto des Kongresses, bei dem Größen aus der Kulturszene ihre Visonen von der Zukunft des Mediums Theater reflektierten. In einer kurzen Redepause nutzte der junge Billeteur Christian Diaz am vergangenen Samstag die Gelegenheit und betrat die Bühne, um zu einer flammenden Rede anzusetzen. Auf Missstände im Personalwesen wollte er hinweisen, lediglich fünf Minuten Zeit erbat er sich dafür. Doch die Kuratorin des Kongresses, Karin Bergmann, wollte Diaz sofort wegscheuen. Mit dem Satz "Willkommen in der Utopie Theater" eröffnete der nebenberufliche Billeteur dennoch seine Rede, die in ihrer Gesamtfassung im Netz veröffentlicht wurde. Ein Video des Auftrittes ist auf Youtube verfügbar: 

Er wolle davon sprechen, was vor den Türen des Burgtheaters geschehe, erklärte er dem anfangs verdutzten Publikum. Obwohl die Kuratorin immer wieder einzugreifen versuchte, gelang es dem Billeteur dennoch, seine Grundbotschaft zu übermitteln: Der gesamte Publikumsdienst sei von der Bundestheater Holding ausgelagert worden. Die Platzanweiser arbeiteten eigentlich gar nicht für das Theater, sondern für die britische Security Firma G4S, die "international in unzählige Kontroversen, Skandale und Anklagen wegen Menschenrechtsverletzungen und Verletzungen des Internationalen Rechts verwickelt" sei. Das täte ihm "in der Seele weh", so Diaz weiter. Am Ende erntete der junge Mann sogar verhaltenen Applaus, bevor er nach wenigen Minuten endgültig von der Bühne vertrieben wurde. 

Die Security Firma reagierte mit einer Presseaussendung, in der sie sich - wenig überraschend - von Diaz' Aktion distanzierte und betonte, dass er "keinesfalls für die Gesamtheit der G4S-Mitarbeiter/innen gesprochen" habe. Auch das Burgtheater selbst meldete sich per Aussendung, die kurier.at vollständig online gestellt hat. Die Dirketion habe "Sympathien mit allen, die in den globalisierten Märkten Gerechtigkeit suchen", doch die Sicherheitsfirma hätte sich immer gesetzteskonform verhalten, heißt es darin. 

Die Interessensgemeinschaft Bildenene Kunst hat sich mit einem offenen Brief zu der Aktion geäußert und Solidarität bekundet. Mittlerweile haben sich im Web auch Einzelersonen mit Diaz und seinem Anliegen solidarisiert. Sogar deutsche Medien, darunter die Berliner Zeitung, berichteten über den "mutigen Billeteur". Unter dem Hashtag #Burgtheater findet man auf Twitter Postings, die dem Billeteur den Rücken stärken sollen. Einige Beispiele:

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