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Städtecheck

Enns: Ein Juwel, dem noch das Funkeln fehlt

Von Karin Haas und Herbert Schorn   09. Dezember 2011 00:04 Uhr

Ein Juwel, dem noch das Funkeln fehlt
2007 ist Enns der italienischen Vereinigung der Città-Slow-Städte beigetreten.

Die älteste Stadt Österreichs küsst ihr Kleinod, die Altstadt, wach und putzt sich für ihr 800-Jahr-Stadterhebungsjubiläum auf. An allen Ecken und Enden wird saniert und gebaut. Liebenswert und ein bisschen verschlafen ist der Stadtkern von Enns. Das Juwel muss erst geschliffen werden. Deshalb ist Wohnen, Arbeiten und Einkaufen in Enns, die Cittá Slow, die Stadt mit nachhaltiger Lebensqualität, noch ein Geheimtipp.

Enns ist eine Stadt mit viel Charme und noch mehr Potential. Die älteste Stadt Österreichs, die 2012 ihr 800-Jahr-Jubiläum feiert (die älteste erhaltene Stadturkunde), ist so etwas wie ein unvollständig geschliffener Diamant und für viele, vor allem Nicht-Ennser, ein unentdecktes Juwel.

Die Wurzeln gehen in die Römerzeit zurück. Damals spielte Enns als Hauptstadt der Provinz Noricum als Bastion am Limes eine wichtige Rolle. Auch im Mittelalter und in der Renaissance glänzte der Stern von Enns hell. Die Altstadt mit ihren pittoresk verwinkelten Gassen zeugt davon, ebenso das prächtig renovierte Schloss Ennsegg.

Eine hohe Zeit war auch, als die Kaserne in Enns gebaut wurde und mit ihr die historische, nun renovierte Reithalle, die leider nur sporadisch für Veranstaltungen genützt wird. Die Kaserne brachte Arbeit und Kaufkraft nach Enns ebenso wie die Zuckerfabrik, die geschlossen wurde. Sie ist nun ein Kulturzentrum und wird auch als Standort für Büros genutzt.

Auch die Pleite der Gablonzer Genossenschaft war ein Rückschlag. Die ehemals stolze Phalanx ist nur mehr ein versprengtes Häuflein von sechs Unternehmen, die nun in Alleingängen, aber durchaus erfolgreich, ein Fortkommen suchen.

Dann knabberte auch noch ein Wildwuchs an Fachmarktzentren und Diskontern an der Straße nach Asten an der Kaufkraft in der Ennser Innenstadt, und Geschäfte begannen leer zu stehen. Eines, das es nicht mehr gibt, ist die Boutique Chris, die Strahlkraft weit über Enns hinaus hatte. Obendrein wurde das Krankenhaus auf eine Nebenschiene geschoben.

Seit einiger Zeit geht es mit Enns wieder bergauf. Die alte Stadt arbeitet an einem jungen Profil. Sie ist die erste Città Slow Österreichs. Das ist eine weltweite, von Italien ausgehende Bewegung, die Genuss, Nachhaltigkeit und auch die dafür nötige Zeit in den Mittelpunkt stellt. Die Stadtmarketingmanagerin Gabriele Pils darf sich dieses Verdienst auf die Fahnen schreiben. Sie lebt das Konzept und trommelt es unermüdlich.

Dass dies auch mit der teils dringend nötigen Sanierung der Altstadt einhergeht, zeigen die derzeit zahlreichen Baustellen. An allen Ecken und Enden stehen Gerüste. Enns putzt sich für das 800-Jahr-Jubiläum der Stadterhebung heraus. Die Urkunde wird im Museum Lauriacum am Hauptplatz zu sehen sein. Derzeit wird das Museum, das auch bedeutende Römerfunde beinhaltet, umgebaut.

Enns ist aber auch eine Stadt der Gegensätze und der Zerrissenheit. Im Rathaus wogt seit Jahren ein erbitterter Kampf zwischen der roten Führung der traditionell sozialdemokratischen Stadt (ihr Arm reicht bis in die Ennskraftwerke) und der ÖVP, die an Terrain gewinnen möchte.

Legendär ist das knappe Abschneiden von VP-Mann Gottfried Kneifel, der 1997 nach dem Bürgermeisteramt griff und mit nur 110 Stimmen Rückstand verlor. Immer wieder gibt es Scharmützel, mit denen Blau und Schwarz den Roten an den Kragen wollen. Einer der Angriffe galt etwa der liebevoll neu gestalteten Stadt-Sauna unweit des Freibades, die (wie viele andere städtische Freizeitanlagen) nicht kostendeckend geführt wird.

Enns leidet darunter, im Windschatten von Linz zu stehen, und an der Abwanderung von Kaufkraft. Die Ennser Altstadt wird nach wie vor weit unter ihrem Wert geschlagen. Sie müsste ein Eldorado für Liebhaber urbanen, leistbaren Flairs mit überschaubarer Struktur sein.

Enns ist auch eine Stadt der Zerrissenheit. Einerseits wird die Tradition hochgehalten und doch nicht selbstbewusst genug. Andererseits wird Neues manchmal überschießend abgelehnt, was etwa die Mitte der 90er-Jahre verbissen geführte Debatte um den modernen Brunnen am Hauptplatz aus dem 12. Jahrhundert zeigt.

Nicht zuletzt hat Enns auch Nachholbedarf beim Angebot für junge Leute. Es gibt zu wenig trendige Lokale. Der „Spiegl“ in der Fürstengasse ist eine Ausnahme. Es fehlt auch ein städtisches Programm-Kino. Die Lücke des Tanzlokals hat kürzlich das „Harlekin“ geschlossen.

Die Ennser arbeiten mit Hochdruck daran, Enns richtig zum Glänzen zu bringen. Sie sind auf dem richtigen Weg, und es wird ihnen gelingen.

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