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Tabakfabrik: Mehr Glück als Verstand

LINZ. Nach dem Kauf der Tabakfabrik durch die Stadt vor drei Jahren steht nun der erste Umbau im Areal an. Ab Mai ist im ehemaligen Pfeifentabakgebäude Baustelle, im Herbst sollen die Mieter einziehen. Mit dem Architekturbüro Kleboth Lindinger Dollnig, der Firma netural (digitale Kommunikation) und einem Entwicklungsraum für Einrichtungen (Heinz Hochstetter) arbeiten hier 100 Mitarbeiter aus dem Kreativbereich.

Tabakfabrik: Mehr Glück als Verstand

Blick in den Hof der Tabakfabrik: Gegenüber steht das Pfeifentabakgebäude, in dem aufgrund seiner praktikablen Größe viele Veranstaltungen stattgefunden haben. Bild: bernhard Bachmann

Lorenz PDie Stadt lässt sich die Adaptierung der insgesamt 3000 Quadratmeter annähernd fünf Millionen Euro kosten. Nach dem Vorbild der Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam wird eine zweite, innenliegende Glashaut installiert. So sollen die Eingriffe in die denkmalgeschützte Struktur auf ein Minimum reduziert und dennoch zeitgemäße Wärmedämmung und Infrastruktur gewährleistet werden. Leitungen, Lüftung und Heizung/Kühlung werden in einem doppelten Boden und einer (inakzeptablen) abgehängten Decke geführt.

Hartnäckigkeit der Gruppe

Soweit, so gut. Problematischeres zeigt der Blick hinter die Kulissen. So war das bisherige Verfahren mit zwei Jahren langwierig und darüberhinaus intransparent. Die jetzt angestrebte Vermietung ist nicht Folge eines Calls oder einer gezielten Suche nach Nutzern, sondern kam auf hartnäckiges Betreiben und dem mitgelieferten Konzept der Gruppe zustande. Darüberhinaus ist es fraglich, ob es sinnvoll ist, den am leichtesten zu verwertenden Bauteil (bezüglich Größe, Zugang, Zustand) als ersten in einem Paket zu vergeben. Teil des vergebenen Filetstücks ist auch das für das Areal und den Hof so wichtige Erdgeschoß.

Ein Konzept für die gesamte Besiedelung ist für Außenstehende nach wie vor praktisch nicht zu erkennen. Das ist umso bedauerlicher, da der im Herbst 2011 jurierte Europan-Ideen-Wettbewerb diesbezüglich einige wertvolle Ergebnisse geliefert hat. Die Preisträger (aus Italien, Spanien und Österreich) wurden bisher nicht involviert. Statt eines geladenen Wettbewerbs für den konkreten Umbau wurde das künftig mietende Architekturbüro beauftragt.

Das mag naheliegend sein und Zeit sparen. Auch ist das beauftragte Büro mit Herz an der Entwicklung der Tabakfabrik interessiert. Die Optik ist trotzdem schlecht, und die Planungskultur bleibt trotzdem auf der Strecke. Das tut der Tabakfabrik nicht gut und schmälert den Anreiz für engagierte Akteure.

2017 wird die Tabakfabrik und ihre Entwicklung nach der so genannten Pioniernutzung an wenigen Faktoren gemessen werden: Wie viel pulsierendes Leben ist entstanden? Wie viel gesellschaftliche Innovation konnte hier entwickelt und getestet werden? Und inwieweit konnte die Tabakfabrik damit auf die Stadt, den Stadtteil, vielleicht den Osten der Stadt – der zukünftigen Hafenstadt – ausstrahlen?

Für diese Zielsetzungen einer Tabakfabrik als Zukunftsraum müssen von der Stadt als Eigentümerin des Areals Rahmenbedingungen für außerordentliche Möglichkeiten geschaffen werden: Zielvorgaben, Transparenz und Wettbewerb sind dafür essenziell. Die Rolle der Stadt als Bauherrin ist komplett zu überdenken. Dafür wird Linz mit so einem Raum des Nonkonformen, des Erfindens und Regelbrechens enorm dazugewinnen. Diese Art Tabakfabrik hält die Stadt Linz fit, schafft Kreativität und Innovation.

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Artikel Lorenz Potocnik 26. Januar 2013 - 00:04 Uhr
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