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"Der Anruf beim Frauenhaus ist der wichtigste Schritt"

Von Karoline Ploberger, 14. Dezember 2023, 05:17 Uhr
"Der Anruf beim Frauenhaus ist der wichtigste Schritt"
Wird die Verzweiflung der Frauen zu groß, hilft das Frauenhaus. Bild: colourbox

VÖCKLABRUCK. Das OÖN-Christkindl hilft Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, bei einem Neustart.

"Ich bin von meinem Partner geschlagen worden. Ich kann und will so nicht mehr weitermachen". Bis eine Frau zum Telefon greift und sich beim Frauenhaus meldet, vergehen oft Monate, wenn nicht sogar Jahre. "Doch dieser Schritt, uns anzurufen und um Hilfe zu bitten, ist der allerwichtigste. Jeder Frau, die sich bei uns meldet, gebührt unser Respekt, dass sie das erkennt und etwas in ihrem Leben ändern möchte", sagt Michaela Hirsch.

Seit 23 Jahren ist die gelernte Sozialarbeiterin im Frauenhaus Vöcklabruck tätig, mittlerweile leitet sie die Hilfsinstanz für Frauen als Geschäftsführerin. Was sie in all den Jahren miterlebt hat, lässt sich kaum in Worte fassen. "Jede Frau, die zu uns kommt, bringt ihre eigenen Probleme mit. Da gibt es kein Rezept, das Wichtigste ist in diesem Fall einfach zuhören und den Frauen Schutz und einen Zufluchtsort zu bieten", sagt Hirsch.

Jede dritte Frau

Mittlerweile ist jede dritte Frau von häuslicher Gewalt betroffen – "noch vor ein paar Jahren hieß es, es sei jede fünfte. Aber jetzt kennt fast jeder jemanden, der in den eigenen vier Wänden Gewalt erfahren hat. Das Schlimme ist: Die Dunkelziffer ist uns gar nicht bekannt", sagt die 57-Jährige. Ein kleiner Schubser, massive Überwachung und Einschränkung der Partnerin, Ziehen an den Haaren – häusliche Gewalt äußert sich in unterschiedlichem Ausmaß.

"Wir sprechen von einer Gewaltspirale: Nach den ersten Handgreiflichkeiten kommt es zur Verharmlosung, zur Entschuldigung von der Täterseite. Bis es dann erneut eskaliert. Und so geht es weiter und weiter, bis irgendwann kein Ausweg mehr vorhanden ist", sagt die Geschäftsführerin des Frauenhauses und senkt den Blick. Erst vergangene Woche erhielt sie einen Anruf aus dem Krankenhaus: Eine Frau war mit massiven Körperverletzungen eingeliefert worden – mit dabei waren ihre zwei Kinder.

An einem geheimen Zufluchtsort im Raum Vöcklabruck sollen die Frauen nach dem Erlebten durchatmen können. Helle Räume, ein Spielzimmer für die Kinder, eine Kuschelecke sollen auch den Kindern ein Gefühl von Geborgenheit geben. "Das Schönste ist, dass der Zusammenhalt untereinander sehr groß ist. Alle Frauen haben Ähnliches erlebt, sie geben einander Halt, passen gegenseitig auf die Kinder auf, kochen für die anderen mit. Ich will das nicht romantisieren, es ist eine harte Zeit, die die Frauen bei uns durchmachen", sagt Michaela Hirsch. Dennoch: Es gibt einen Hoffnungsschimmer.

"Der Anruf beim Frauenhaus ist der wichtigste Schritt"
Michaela Hirsch, Geschäftsführerin Frauenhaus Vöcklabruck Bild: kap

Das OÖN-Christkindl hilft

Ein paar Kleidungsstücke, ein Stofftier für das Kind, nur wenige Dokumente – es ist nur das Allernötigste, das die Frauen, die Schutz suchen, bei sich tragen. "Manchmal ist es nur ein Köfferchen, das sie in der Notsituation zusammenpacken. Diese Frauen stehen buchstäblich vor dem Nichts und müssen von null anfangen."

Um genau diesen Neustart ins Leben zu ermöglichen, greift das OÖN-Christkindl den Frauen unter die Arme. Ob nun die erste Miete der neuen Wohnung, ein Bett, die Kaution, eine Küche – "jeder einzelne Euro hilft ihnen, um wieder Boden unter den Füßen zu bekommen und halbwegs gestärkt durch das Leben zu gehen", sagt Hirsch.

Wenn bei ihrer kleinen Weihnachtsfeier alle Frauen und Kinder des Hauses zusammenkommen, gemeinsam essen, singen und kleine Päckchen auspacken, dann hat Michaela Hirsch nur einen Wunsch: "Dass bei Gewaltopfern genauer hingeschaut wird und endlich ein Umdenken stattfindet."

Frauen, die Hilfe benötigen, können sich österreichweit unter der Nummer 0800 222 555 melden.

Helfen auch Sie mit!

  • Dank der Hilfe der OÖN-Leserschaft kann das OÖN-Christkindl jenen Landsleuten unter die Arme greifen, die unverschuldet in Not geraten sind. Wenn auch Sie helfen möchten, dann können Sie eine Spende auf das Christkindl-Konto (IBAN: AT94 2032 0000 0011 1790) überweisen. Jeder gespendete Euro kommt zu 100 Prozent bei den Hilfsbedürftigen im Land an.
  • Auch die regionalen Betriebe gehören zu den treuen Helfern des Christkindls. Vereine, Institutionen und Firmen, die helfen möchten, können sich bei k.ploberger@nachrichten.at melden.
  • Ein kunstvoller Gala-Abend für das OÖN-Christkindl: Heute, Donnerstag, stellen sich ab 19.30 Uhr im Linzer Schauspielhaus zahlreiche Künstler in den Dienst der guten Sache. Es warten Tanz, Musik, Weihnachtsgeschichten – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der Reinerlös aus dem Kartenverkauf kommt dem OÖN-Christkindl zugute. Karten gibt es noch unter landestheater-linz.at

Zahlen und Fakten

  • 29 Frauen und 27 Kinder: Dies ist die Anzahl jener Personen, die im Jahr 2023 im Frauenhaus Vöcklabruck einen Zufluchtsort gefunden haben. Die Auslastung in diesem Jahr lag bei 90 Prozent – in Zeiten von Covid-19 suchten 50 Frauen um Hilfe an.
  • Ein Jahr: Dieser Zeitraum steht den Hilfsbedürftigen im Frauenhaus zur Verfügung, um das Erlebte zu verarbeiten. Die meisten bleiben jedoch nur wenige Monate, bis sie durch die Hilfe der Sozialarbeiterinnen im Frauenhaus eine eigene Wohnung und eine neue Arbeitsstelle gefunden haben.
  • Jede dritte Frau ist mittlerweile von Gewalt in der Privatsphäre durch ihren Partner betroffen. War es vor einigen Jahren noch jede fünfte, so hat sich mittlerweile die Gewalt in den eigenen vier Wänden verstärkt. Meist handelt es sich bei den Tätern um den Lebenspartner, den Vater oder den Bruder der Frau.
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Autorin
Karoline Ploberger
Redakteurin Oberösterreich
Karoline Ploberger

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