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Wirtschaft

Pegasus: Die Unternehmen des Jahres wurden gekürt

Von Dietmar Mascher  11. Juni 2021 00:04 Uhr

Pegasus: Die Unternehmen des Jahres

LINZ. Ulrike und Friedrich Huemer, Fill Maschinenbau, Next Generation Recycling, Hainzl Industriesysteme und Karin Göweil triumphierten.

Die Corona-Pandemie hat Oberösterreichs Wirtschaft einiges abverlangt. Unterkriegen haben sich die Unternehmen davon allerdings nicht lassen, im Gegenteil: Die Zuversicht kehrt zurück. Das zeigt die 28. Auflage des Pegasus, der am Donnerstagabend im Linzer Brucknerhaus unter strengsten Auflagen, aber trotzdem fröhlich gefeiert wurde.

Der Wirtschaftspreis, den die OÖNachrichten mit ihren Partnern Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, Land Oberösterreich, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung sowie der KPMG seit 1994 ausrichten, stand heuer unter dem Motto "Comeback der Wirtschaft". Die Bewerbungen waren quantitativ und qualitativ auf für Oberösterreich gewohnt hohem Niveau.

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Strenge Auflagen, fröhliche Feier: Die besten Bilder der Pegasus-Gala

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Das sind die Gewinner

Bei den Leuchttürmen setzte sich der Maschinenbauer Fill aus Gurten durch. Auf Platz zwei landete die auf Recyclinganlagen spezialisierte Erema Group aus Ansfelden, Dritter in dieser Kategorie wurde das Linzer Elektronikunternehmen Keba.

Den Pegasus in Gold bei den Erfolgsgeschichten sicherte sich das Familienunternehmen Hainzl Industriesysteme aus Linz vor dem Kopfinger Fenster- und Türenhersteller Josko und dem Softwareanbieter BMD Systemhaus aus Steyr.

Bei den Innovationskaisern gab es an NGR Next Generation Recyclingmaschinen aus Feldkirchen an der Donau kein Vorbeikommen. Dahinter überzeugten der Motorenhersteller BRP-Rotax aus Gunskirchen und der Feuerwehrausrüster Rosenbauer aus Leonding die Jury.

In der Kategorie Zukunftshoffnungen waren Adliance, blockhealth und Innovation-Farm Edtbauer nominiert: Die Sieger konnte das Publikum live per Saalvoting bestimmen. Gewonnen hat die Mollner Innovation-Farm Edtbauer vor blockhealth und Adliance. 

Der Sonderpreis für "Frauen in führender Position" ging an Karin Göweil. Sie ist Eigentümerin und Geschäftsführerin der gleichnamigen Bio-Mühle und des Bio-Mischfutterwerks in Engerwitzdorf.

Ein Höhepunkt des Galaabends war die Verleihung des Pegasus in Kristall für das unternehmerische Lebenswerk. Dieser Preis wurde an das Unternehmer-Ehepaar Ulrike und Friedrich Huemer vom Hörschinger Zulieferer Polytec verliehen.

Die Sieger

Lebenswerk: Ulrike und Friedrich Huemer

Leuchttürme
1. Fill Maschinenbau
2. Erema Group
3. Keba

Erfolgsgeschichten
1. Hainzl Industriesysteme
2. Josko Fenster und Türen
3. BMD Systemhaus

Unternehmerin des Jahres: Karin Göweil

Innovationskaiser
1. NGR
2. BRP-Rotax
3. Rosenbauer

Zukunftshoffnungen 
1. Innovation-Farm Edtbauer
2. blockhealth
3. Adliance

Eine gemeinsame Karriere mit einer Reihe von Comebacks
Pegasus-Preisträger Friedrich und Ulrike Huemer

Eine gemeinsame Karriere mit einer Reihe von Comebacks

Wenn Ulrike und Friedrich Huemer über die schlimmsten Momente in ihrer Unternehmerkarriere nachdenken, fallen ihnen mehrere ein. Etwa als Jungunternehmer Friedrich auf Mitarbeitersuche zum Arbeitsamt fuhr, einen schweren Autounfall hatte und drei Wochen mit Beckenbruch im Krankenhaus lag. Oder als ein neues Firmengebäude in Marchtrenk unmittelbar nach Inbetriebnahme abbrannte. Oder als ihr stark gewachsenes Unternehmen unmittelbar nach der Übernahme eines anderen Unternehmens an den Rand der Existenz geriet, weil die Finanzkrise ausbrach.

Es ist wahrscheinlich eine der hervorragendsten Eigenschaften des Ehepaars Huemer, dass der Begriff „aufgeben“ nicht wirklich in ihrem Wortschatz verankert ist und konsequent durch „Hartnäckigkeit“ und „Fleiß“ ersetzt wurde. Nach jedem Tiefschlag feierten sie ein Comeback. Darum trifft es sich gut, dass die beiden Polytec-Gründer unter dem Pegasus-Motto „Comeback der Wirtschaft“ heuer mit dem Preis für das unternehmerische Lebenswerk ausgezeichnet wurden.

Zuerst eine Wohnung

Ulrike Huemer, die aus Aschach stammt und nach der Handelsschule bei einer Steuerberatungskanzlei und der Sparkasse Eferding gearbeitet hat, konnte freilich nicht ahnen, worauf sie sich einließ, als sie den gebürtigen Schallerbacher HTL-Absolventen heiratete. „Er hatte das geringste Einkommen seiner Schulkollegen und kaufte sich trotzdem gleich eine Eigentumswohnung.“ Die finanzierte Huemer aus seinem laufenden Einkommen. Urlaubs- und Weihnachtsgeld mussten zum Leben reichen. „Ich habe immer die Chancen gesehen und versucht, die Probleme zu meistern“, sagt Friedrich Huemer.

Mit 28 Jahren machten sich die beiden selbstständig. Erster Auftrag waren Finisher für Pistengeräte der Firma Kässbohrer. Ulrike Huemer musste die Teile mit einem Freund produzieren und dem Gatten zur Prüfung ins Krankenhaus bringen.
Eineinhalb Jahre nach Unternehmensgründung kaufte Friedrich Huemer jene Abteilung für Polyurethan bei Semperit, die er im Konzern einst geleitet hatte. Es war der erste Firmenkauf, der erste von vielen, denn der heute 63-Jährige wurde zum Spezialisten für Akquisitionen.

1992 Foha übernommen

Die erste große Übernahme war 1992 der Kauf des insolventen Autozulieferers Foha mit 300 Mitarbeitern. Damit wurde die Polytec zum Autozulieferer, Hörsching die Konzernzentrale.

Ulrike Huemer, die sagt, sie sei bewusst im Schatten ihres Mannes gestanden, führte freilich die ursprüngliche Firma weiter. Der Sondermaschinenbauer und Verarbeiter von Polyurethan mit einer beeindruckenden Menge an unterschiedlichsten Produkten wurde kürzlich mit 140 Mitarbeitern und 25 Millionen Euro Umsatz verkauft, weil es keinen Nachfolger gab und sich die Produktion vom Polytec-Konzern entfernt hatte.

Der Aufstieg des Autozulieferers und Spezialisten für Kunststoffteile verlief bis 2008 rasant. Huemer entwickelte sich zum ausgefuchsten Firmenkäufer, übernahm meist Firmen, die strauchelten, und: erkannte die Chancen.

Als 2008 die deutsche Peguform gekauft und der Umsatz auf mehr als 2,2 Milliarden Euro verdoppelt werden sollte, brach die Finanzkrise aus. Friedrich Huemer musste Peguform wieder verkaufen. Kunden und Banken ließen ihn bluten. „Damals habe ich gelernt: Ich will nie wieder von einer Bank abhängig sein.“

Doch die Huemers holten die Polytec wieder aus der Krise. Der börsenotierte Zulieferer beschäftigt heute 3600 Mitarbeiter weltweit und setzt mehr als 500 Millionen Euro um. 2014 wurden Auslandstöchter der voestalpine übernommen, dazu gibt es heute auch Produktionsstandorte in der Türkei und in China.

Sohn Markus führt Polytec

Bei Polytec hat Friedrich Huemer die Führung längst an seinen Sohn Markus übergeben. Freilich ohne in den Ruhestand zu gehen. Er ist etwa bei der Globe Air engagiert, bei der er vor der Krise 2008 eingestiegen ist. Heute gehören den Huemers 85 Prozent, die Flotte ist von drei auf 21 Flieger gewachsen. Globe Air ist in ihrem Bereich Marktführer.

Und schließlich wieder Immobilien. Seit 2013 hat sich Friedrich Huemer auf Hotels und Gewerbeimmobilien konzentriert, kaufte sein zehntes Hotel (das Linzer Courtyard Marriott und fünf Falkensteiner Hotels gehören dazu). Auf den Kanarischen Inseln wollten die Huemers eine Ferienresidenz erwerben. Die haben sie zwar immer noch nicht, dafür sind sie auf Teneriffa in die Entwicklung von Luxusimmobilien eingestiegen. Zwei Villen sind fertig, zehn weitere werden gebaut, ebenso rund 50 neue Appartements.

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Artikel von

Dietmar Mascher

Stellvertretender Chefredakteur, Leiter Wirtschaftsredaktion

Dietmar Mascher
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