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Trinkwasser: Versorger warnen vor höheren Preisen

Von Josef Lehner, 26. Juli 2018, 00:04 Uhr
Trinkwasser: Versorger warnen vor höheren Preisen
Ein Liter Wasser kostet in Supermärkten derzeit zwischen 20 und 40 Cent. Das könnte sich bald ändern. Bild: Troels Kjems

LINZ. EU-Richtlinie verlangt Untersuchungen, das käme Haushalten teuer.

Die österreichische Wasserwirtschaft warnt vor deutlichen Preiserhöhungen bei Trinkwasser. Die EU-Kommission hat heuer eine Richtlinie im Entwurf vorgelegt, welche die jährlichen Untersuchungskosten für Wasserversorger gewaltig erhöhen könnte.

"Statt 250 Euro im Jahr würden rund 18.000 Euro fällig werden, die selbst kleine Versorger zahlen und auf ihre wenigen Abnehmer umlegen müssten", sagt Wolfgang Aichlseder, der Geschäftsführer des Verbands der oö. Wassergenossenschaften. Die Kosten für einen Haushalt könnten sich vervielfachen. Gestern, Mittwoch, trafen sich Branchenvertreter mit dem EU-Abgeordneten Lukas Mandl (VP) in Oberösterreich, um über den Entwurf zu beraten.

Die österreichische Wasserwirtschaft hat schon im Frühjahr protestiert, weil das EU-Papier auf Länder mit sehr schlechter Wasserqualität und mit sehr großen Wasserwerken abzielt. Viele beziehen ihr Trinkwasser aus Flüssen. Hier ergebe es auch Sinn, wenn viel häufigere Beprobungen auf viel mehr Inhaltsstoffe durchgeführt werden, heißt es.

Die EU-Kommission hat argumentiert, dass die Beprobungen letztlich zu einer höheren Wasserqualität in öffentlichen Leitungsnetzen führen sollten. Die Bürger könnten sich dann den Kauf von Mineralwasser sparen. In Österreich ist die Qualität jedoch so gut, dass sich diese Ausgabe ohnehin erübrigt. Ein Bürger genießt sein Leitungswasser im Schnitt um 0,2 Cent je Liter gegenüber 20 bis 40 Cent für Tafel- oder Mineralwasser aus dem Supermarkt.

Branche hofft auf Korrektur

Finanzierbar wären die hohen Untersuchungskosten nur für große Versorger, die eigene Labors betreiben, von denen es in Österreich jedoch nur wenige gibt. Es wurde schon der Verdacht geäußert, eine solche EU-Richtlinie könnte zum Ziel haben, Großstrukturen zu schaffen, die sich für Privatisierungen eignen.

In Österreich beziehen die Haushalte außerhalb der großen Städte ihr Wasser von kleinen Gemeindeanlagen, oder sie sind in Genossenschaften organisiert. "Wir sollten Geld für die langfristige Sicherung der Ressource Wasser ausgeben, nicht für unnötige Untersuchungen", sagt Aichlseder den OÖN.

Die Branche hofft, dass der EU-Entwurf unter der österreichischen Ratspräsidentschaft korrigiert werden kann. Allerdings herrsche Zeitdruck, weil die EU-Kommission die Richtlinie offenbar noch mit dem bestehenden Parlament durchbringen will. Im Mai 2019 wird neu gewählt.

Zahlen und Fakten zum Trinkwasser in Österreich

Wasserdargebot (Niederschlag): 78 Milliarden Kubikmeter pro Jahr

Verbrauch: Trinkwasser 0,8 Milliarden m³, Gewerbe/Industrie 1,6 Mrd. m³, Landwirtschaft (Bewässerung) 0,2 Mrd. m³

Ein Durchschnittshaushalt (drei Personen) verbraucht 150 m³ (1 m³=1000 Liter) im Jahr und zahlt inkl. Steuern rund 23 Euro im Monat bzw. 275 Euro im Jahr. Der Verbrauch pro Bürger beträgt rund 130 Liter am Tag.

Der durchschnittliche Preis der Versorger beträgt 1,85 Euro je Kubikmeter inklusive Steuern. Ein Liter Trinkwasser kostet also nicht einmal 0,2 Cent; ein Liter Mineralwasser kostet im Supermarkt rund 20 bis 40 Cent.

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3  Kommentare
3  Kommentare
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decordoba (3.803 Kommentare)
am 08.08.2018 09:43

Schlechtes Leitungswasser haben sie in den Niederlanden. Dieses Wasser enthält eine hohe Salzfracht und ist schon 7 mal durch die Klospülung durchgeflossen, bevor es zum Trinkwasser aufbereitet wieder in das Wassernetz eingespeist wird.

Dieses Wasser ist nach der EU-Trinwasserrichtlinie zwar einwandfrei, weil es wenig Keime enthält, aber die Holländer wollen dieses Wasser nicht mehr trinken.

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decordoba (3.803 Kommentare)
am 08.08.2018 09:38

Das ist wieder ein Beispiel, wie die EU-Beamten in Brüssel den EU-Mitgliedsstaaten den Stempel aufdrücken.

Das Trinkwasser ist in Österreich gut genug, wir brauchen nicht 10 mal so viele Wasser-Analysen pro Jahr.

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( Kommentare)
am 08.08.2018 10:17

Manche Sachen sollten situativ und regional gehandhabt werden. Wenn gewisse Tests auf Schadstoffe bislang in der Region kein Ergebnis brachten, sollte auf diese verzichtet werden bzw. für diese längere Testzeiträume möglich sein.

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