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Wirtschaft

Rosenbauer: Ein Weltkonzern fest in Familienhand

Von Von Hermann Neumüller   16. Oktober 2010 00:04 Uhr

Familie Rosenbauer

Er war zwar nicht der Firmengründer, aber er stellte die Weichen in jene Richtung, die aus einem reinen Handelsbetrieb für Feuerwehrausrüstung an der Linzer Spittelwiese einen Weltkonzern mit zuletzt 541,8 Millionen Euro Umsatz und 1946 Mitarbeitern (Bilanz 2009) machte: Der 1856 geborene Conrad Rosenbauer.

Denn er wollte nicht nur Händler sein, so wie sein Vater Johann Rosenbauer, der das Unternehmen 1866 gegründet hatte, er wollte auch selbst produzieren. Diesen Traum verwirklichte er zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und weil er selbst Kaufmann war, suchte er sich einen Partner, den Techniker Heinrich Kneitschel.

Die beiden gründeten 1906 die „Fabrik für Lösch-& Wehrgeräte & Metallwaren Konrad Rosenbauer & Kneitschel“. Der Firmenwortlaut ist kein Fehler. Der Gründer hieß zwar offiziell Conrad, er selbst schrieb seinen Vornamen aber meist mit „K“.

Die Früchte seiner Aufbauarbeit konnte er selbst aber nicht mehr ernten. Sein leidenschaftlicher Einsatz für die Linzer Feuerwehr wurde ihm zum Verhängnis. 1899, bei einem großen Hochwasser, kam er tagelang nicht aus seinen nassen Kleidern. Ab dieser Zeit kränkelte er und starb zehn Jahre später erst 53-jährig im Herbst 1909. Seine Kinder waren noch zu jung, um in seine Fußstapfen zu treten. Aber seine Frau Luise fühlte sich dieser Aufgabe gewachsen und führte das Unternehmen durch die Wirren des Ersten Weltkrieges bis 1924.

Dann übergab sie die Leitung des Unternehmens an ihren Sohn Konrad – diesmal tatsächlich mit „K“ geschrieben. Der führte das Unternehmen bis 1966. Unter seiner Leitung wuchs der Betrieb weit über die Grenzen Österreichs hinaus.

Ab 1966 führten Fritz Heiserer und Hans Jörg Fischer-Rosenbauer das Unternehmen. Unter deren Führung zog das Werk 1968 von Linz nach Leonding. Der Platz an der Raimundstraße in Linz reichte nicht mehr.

Dann traf die Familie Rosenbauer wieder ein harter Schicksalsschlag: Der leidenschaftliche und erfahrene Bergsteiger Fischer-Rosenbauer verunglückte 1976 bei einer Bergtour tödlich. Fritz Heiserer, eigentlich vor dem Gang in den Ruhestand, musste das Unternehmen alleine weiterführen.

Damals war schon ein junger Mann im Betrieb, dessen Lebensplanung ganz anders aussah: Julian Wagner. Der 1950 in Berlin geborene Enkel von Dora Anna Rosenbauer wollte eigentlich das Unternehmen seines Vaters Johann Wagner übernehmen, einen Kunsthandwerksbetrieb, der sich mit Glasmosaiken und Glasmalerei beschäftigte. Er sollte nur eine kaufmännische Lehre bei Rosenbauer absolvieren.

Nach dem Tod Fischer-Rosenbauers wurde er plötzlich gebraucht. Das Studium an der Linzer Uni, das er 1976 begonnen hatte, musste er abbrechen und Verantwortung in der Firma übernehmen. 1981 wurde er Komplementär – damals war Rosenbauer noch eine Kommanditgesellschaft – und nach dem Tod Fritz Heiserers war er ab 1985 alleine für das Unternehmen verantwortlich.

Keine leichte Aufgabe, denn Mitte der 80er Jahre rutschte Rosenbauer in eine existenzielle Krise. Aufträge aus dem arabischen Raum blieben plötzlich aus. Mitarbeiter mussten gekündigt werden, eine völlig neue Erfahrung für Rosenbauer. Eine Konsequenz aus der Krise: Rosenbauer wurde zu einer Kapitalgesellschaft, und erstmals kamen familienfremde Manager in den Konzern.

1988 wurde Rosenbauer eine GmbH, 1992 eine Aktiengesellschaft und 1994 ging das Unternehmen an die Börse, blieb aber trotzdem mehrheitlich ein Familienbetrieb. 51 Prozent der AG hält die Rosenbauer Beteiligungs Verwaltungs GmbH, in der die 18 Familienmitglieder ihre Interessen bündeln.

Damit dokumentiert die Familie nach außen, dass sie sich mit dem Unternehmen identifiziert“, sagt Julian Wagner im OÖNachrichten- Gespräch. An der Dominanz der Familie im Betrieb soll sich nichts ändern. Und es sei auch sein persönlicher Wunsch, dass die Familie in der Führung des Konzerns maßgeblich mitwirke – nicht nur im Aufsichtsrat.

Damit scheint der Weg des derzeit einzigen Familienmitgliedes, das operativ im Unternehmen tätig ist, vorgezeichnet: Dieter Siegel (46), Enkel von Fritz Heiserer. Ob und wann er in den Vorstand aufrückt, sei freilich Sache des Aufsichtsrates, sagt Wagner.

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