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Wirtschaft

Hypo-Gesetz trifft auch Privatanleger: "Wir sind aber keine Spekulanten"

Von Alexander Zens   25. Juli 2014 00:04 Uhr

Hypo-Gesetz trifft auch Privatanleger: "Wir sind aber keine Spekulanten"

LINZ/WIEN/KLAGENFURT. Schuldenschnitt bei Hypo-Anleihen führt zu Totalverlust – Oberösterreicher wehren sich.

Die Weltbank wird 150 Millionen Euro verlieren, die Deutsche Bank sogar 200 Millionen. Das von der Regierung im Nationalrat beschlossene Hypo-Gesetz hat gestern, Donnerstag, den Bundesrat passiert. Es soll im Sommer wirksam werden und wird auch österreichische Privatanleger treffen. Per Schuldenschnitt sollen sie sich an den Abwicklungskosten der verstaatlichten Kärntner Problembank Hypo Alpe Adria beteiligen.

"Wir sind aber keine Spekulanten", sagt Roland Zarembach, Geschäftsführer des Linzer Finanzdienstleisters Finaconsult. Er hat selbst 30.000 Euro in die betroffenen nachrangigen Hypo-Anleihen investiert. Außerdem hat der Vermögensberater in seiner Zeit als Bankmanager vor dem Jahr 2007 zehn oberösterreichischen Kunden das Papier verkauft. Sie haben jeweils 10.000 bis 30.000 Euro in die Anleihen gesteckt. Wie viele Anleger bundesweit betroffen sind, ist nicht eruierbar. Es dürften zumindest Hunderte sein.

Keine höheren Zinsen

Wie berichtet, waren die Schuldverschreibungen einst mit einer Landeshaftung ausgegeben worden. Trotzdem soll es nun nach dem Willen der Regierung zum Totalverlust kommen. Anleger, die direkt gekauft haben, trifft es voll, während die Auswirkungen bei Lebensversicherungen oder Pensionskassen für den einzelnen Kunden überschaubar sind.

Zarembach prüft für sich und seine Mitstreiter eine Klage gegen den Staat – so wie die großen institutionellen Investoren. Die Oberösterreicher stört, dass in der Öffentlichkeit nur von den großen Investoren und Spekulanten die Rede sei, die getroffen werden sollten. Dabei hätten Bürger aus dem Mittelstand solche Anleihen gekauft, weil sie sich auf die Landeshaftung verließen, sagt Zarembach: "Damals habe ich über Risiko nicht einmal nachgedacht." Wenn die Politiker nun sagen, dass man vom Risiko der Hypo und den hohen Haftungen des Landes Kärnten hätte wissen müssen, dann sei das falsch. "Woher hätte ich diese Informationen bekommen sollen?"

Auch seien die Zinsen für die nachrangigen Hypo-Anleihen nicht höher als im Marktdurchschnitt gewesen. "Und seit 2009 gibt es ohnehin keine Zinszahlungen mehr", sagt Zarembach, der empfiehlt, Anleger bis 10.000 oder 20.000 Euro vom Schuldenschnitt auszunehmen. Für eine Anleihe aus dem Jahr 2003 wurde beispielsweise eine Verzinsung in Höhe der Sekundärmarktrendite plus 0,125 Prozent geboten.

Aus dem Finanzministerium heißt es, dass man "aus juristischen Gründen nicht einzelne Gläubiger bevorzugen" könne. Die Probleme der Hypo seien seit geraumer Zeit bekannt gewesen.

Der aktuelle Schuldenschnitt ist nicht das erste Mal, dass Hypo-Privatanleger ihr Geld verlieren.

Auch das Hybridkapital ist weg

In den vergangenen beiden Jahren wurde erfolgsabhängiges Hybrid-Kapital wegen der hohen Verluste aufgezehrt. Solche Papiere im Ausmaß von 60 Millionen Euro hat die Hypo zu null getilgt.

250 Anleger in Kärnten waren betroffen. Einige erlitten einen Totalverlust. Mit manchen hat sich die Bank verglichen, weil sie von Hypo-Angestellten schlecht beraten worden waren.

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