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Nahost: Vier Hamas-Geiseln lebend aus Gazastreifen befreit

Von nachrichten.at/apa, 08. Juni 2024, 13:22 Uhr
PALESTINIAN-ISRAEL-CONFLICT
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit Beginn des Kriegs zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen am 7. Oktober noch einmal deutlich verschärft. Bild: JAAFAR ASHTIYEH (APA/AFP/JAAFAR ASHTIYEH)

TULKAREM. Israelische Sicherheitskräfte haben nach Armeeangaben am Samstag vier Geiseln aus der Hand der Terrororganisation Hamas im Gazastreifen gerettet.

 Die aus Israel Entführten seien bei zwei Einsätzen im Flüchtlingsviertel Nuseirat befreit worden. Es handle sich um eine 25 Jahre alte Frau und drei Männer im Alter von 21, 27 und 40 Jahren. Sie seien in gutem Zustand und in ein Spital in Israel gebracht worden hieß es weiter. Laut Hamas starben mehr als 200 Menschen bei den Militäraktionen.

Mutmaßlich im Zusammenhang mit der israelischen Befreiungsaktion wurden nach Angaben einer Behörde der militanten Palästinenser-Organisation Hamas 210 Palästinenser getötet. In Nuseirat im Zentrum des Küstengebiets seien zudem rund 400 Menschen verletzt worden. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde sowie medizinische Kreise im Gazastreifen hatten zuvor von 55 Toten gesprochen. Israels Armeesprecher Daniel Hagari wiederum sprach am Abend von weniger als 100 Todesopfern. "Ich weiß nicht, wie viele davon Terroristen sind", sagte er.

"Beispielloser, brutaler Angriff"

Das Medienbüro der Hamas sprach von "einem beispiellosen, brutalen Angriff auf das Flüchtlingslager Nuseirat". Das Al-Aqsa-Krankenhaus befinde sich in einer katastrophalen Lage. Berichten zufolge gab es heftige Luftangriffe und Artilleriebeschuss in der Gegend. Auf Aufnahmen, die Szenen aus dem behandelnden Krankenhaus zeigen sollen, sind blutüberströmte Opfer, Tote und verletzte Kinder zu sehen. Berichten zufolge soll in der Al-Aqsa-Klinik in Deir al-Balah völliges Chaos ausgebrochen sein.

Bei der Befreiungsaktion hätten Extremisten Zivilisten als Schutzschilde missbraucht, sagte Armeesprecher Hagari. In den beiden Wohngebäuden, aus denen die vier Geiseln befreit worden seien, hätten Familien und bewaffnete Wächter die Geiseln festgehalten. Die Einsatzkräfte seien heftigem Beschuss ausgesetzt gewesen, sagte der Sprecher weiter. Palästinenser seien mit Panzerfäusten auf die Straßen gelaufen, um die Soldaten anzugreifen. Die israelischen Einsatzkräfte feuerten Hagari zufolge aus der Nähe und aus der Luft zurück. Die Angaben des Militärs ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Israelischen Polizeiangaben zufolge wurde bei dem Einsatz auch ein hochrangiger Beamter getötet.

Mit Familien vereint

Nach Angaben Hagaris wurden die Befreiten medizinisch untersucht und im Krankenhaus mit ihren Familien wieder vereint. Medien zeigten bereits das glückliche Wiedersehen der 25 Jahre alten Frau mit ihren Angehörigen.

Der Auslandschef der Hamas, Ismail Haniyeh, bezeichnete Israels jüngste Einsätze in Gaza als "Massaker" an den Palästinensern. "Der Feind setzt sein Massaker gegen unser Volk, unsere Kinder und Frauen, in Nuseirat und Deir al-Balah fort", teilte Haniyeh mit. Israel habe "militärisch, politisch und moralisch versagt". Es blieb unklar, ob er sich direkt auf die Nachricht über die Befreiung der Geiseln aus Gewalt der Hamas bezog.

Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas forderte eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats. Auch er sprach laut der Nachrichtenagentur WAFA von "einem blutigen Massaker", das israelische Truppen verübt hätten.

Rücktritt erwartet

Das Schicksal der befreiten Frau, die von Terroristen auf einem Motorrad entführt wurde und dabei verzweifelt weinend um Hilfe rief, bewegt Israel. Ihre Mutter leidet an Krebs im Endstadium. Die Frau hatte immer wieder darum gebeten, ihre Tochter vor ihrem Tod noch einmal sehen zu dürfen. "Wir sind überglücklich, euch zu Hause zu haben", sagte Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant nach Angaben seines Büros. Er sprach von einer "heldenhaften Operation".

"Sehr erleichtert" von der Rettungsaktion zeigte sich auch Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP). In einem Post of X wies er aber darauf hin, dass die Hamas immer noch viel zu viele Geiseln brutal gefangen halte. "Sie alle müssen unverzüglich freigelassen werden", forderte er unter Verweis auf die österreichisch-israelische Geisel Tal Shoham. Man konzentriere sich voll darauf, ihn wieder zu seiner Familie zurückzubringen.

Israels Ex-Verteidigungsminister Benny Gantz kündigte unterdessen für Samstag eine Rede an, in der er laut Beobachtern seinen Rückzug aus dem Kriegskabinett von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklären könnte. Gantz hatte Netanyahu im Mai aufgefordert, bis zum 8. Juni einen Plan für Israels Vorgehen nach einem Ende des Gazakriegs vorzulegen. Anderenfalls werde sich seine zentristische Partei aus der Notstandsregierung zurückziehen. Die Sprecher von Gantz haben sich nicht zum Inhalt seiner geplanten Rede geäußert. Politische Kommentatoren israelischer Zeitungen erwarten einen Rücktritt des Ministers.

Der lokale Rettungsdienst teilte mit, dass beim Bombardement eines Hauses durch einen israelischen Kampfjets in der Stadt Gaza fünf Menschen getötet und sieben weitere verletzt wordne seien. Nach Angaben von Ärzten im Al-Aqsa-Krankenhaus wurden zudem bei einem Raketenangriff auf das Flüchtlingslager Bureij im Zentrum des Palästinensergebiets sechs Menschen getötet und mehrere weitere verletzt. Die israelische Armee erklärte, sie habe bei ihren Angriffen in Bureij und in der Stadt Deir al-Balah "Dutzende Terrorzellen" und Infrastruktur der Hamas ins Visier genommen.

Bei Zusammenstößen während eines israelischen Armeeeinsatzes im Westjordanland wurde palästinensischen Angaben zufolge ein Mann getötet worden. Dem 22-Jährigen sei in den Rücken geschossen worden, teilte ein Krankenhaus in der Stadt Tulkarem mit. Israels Armee soll bei dem Einsatz in dem nahe gelegenen Ort Anabta palästinensischen Medienberichten zufolge auch zwei Personen festgenommen haben. Das Militär teilte auf Anfrage mit, die Berichte zu prüfen.

Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit Beginn des Kriegs zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen am 7. Oktober noch einmal deutlich verschärft. Seitdem wurden nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums mehr als 500 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, Konfrontationen oder eigenen Anschlägen getötet.

Dieser Artikel wurde um 18:46 Uhr aktualisiert.

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