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Wiener Einbrecherkönig mit K.o.-Tropfen betäubt und beraubt: Prozess vertagt

Von nachrichten.at/apa, 22. Mai 2024, 18:25 Uhr
Ernst Walter Stummer
Der legendäre Wiener Einbrecherkönig Ernst Walter Stummer witzelte nach seiner Aussage: "I kenn da jeden Winkl"  Bild: (APA/STEFAN SOMWEBER)

WIEN. Der legendäre Wiener Einbrecherkönig Ernst Walter Stummer hatte Mittwochmittag einen Gerichtstermin im Grauen Haus.

Geladen war der mittlerweile 85-Jährige, der eigenen Angaben zufolge seit mehr als zehn Jahren keine krummen Dinge mehr dreht, nicht als Angeklagter, sondern als Zeuge. Er war am 4. Oktober 2023 in seiner Wohnung von zwei Prostituierten mit K.o.-Tropfen betäubt und ausgeraubt worden. "Viel g'funden haben's net", witzelte Stummer vor seiner Befragung.

50 Euro und Armbanduhr erbeutet

Gegenüber Medienvertretern berichtete Stummer, der rund 30 Jahre seines Lebens inhaftiert war und die Republik Österreich beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) auf die Anrechnung seiner Versicherungsmonate aus seiner Gefängnisarbeit auf seine Pensionszeiten verklagt hatte, bereitwillig, was ihm widerfahren war. Demnach öffnete er eine Flasche Sekt, nachdem er den weiblichen Besuch empfangen hatte. Dass ihm eine der beiden Frauen etwas ins Getränk mischte, bekam er nicht mit. Als er aus dem Dämmerschlaf aufwachte, waren neben den Frauen 50 Euro aus seiner Brieftasche verschwunden. Eine Armbanduhr hatten die Kriminellen auch noch mitgehen lassen.

"Beispiellose Raubserie"

Nun mussten sich zwei Ungarinnen im Alter von 28 und 43 Jahren und ein neunfach vorbestrafter 53-Jähriger, der im Hintergrund die Fäden gezogen haben dürfte, wegen schweren Raubes und krimineller Vereinigung vor einem Schöffensenat verantworten. Die Staatsanwältin warf ihnen eine "beispiellose Raubserie" vor, wie sie eingangs der Verhandlung erklärte. Die Angeklagten hatten von Ende September bis Ende November 2023 zehn jeweils ältere und allein stehende Männer über eine Dating-Plattform angeschrieben, wobei sie mit Fake-Profilen arbeiteten, auf denen wesentlich jüngere, attraktive Frauen zu sehen waren.

Bei den Hausbesuchen erschienen dann die Angeklagten teilweise zu zweit, in vier Fällen die 43-Jährige allein. Nachdem die Opfer außer Gefecht gesetzt waren, kam laut Anklage der 53-Jährige in die Wohnung, durchsuchte die Räume und nahm die Wertsachen - darunter sogar einen gesamten Tresor - an sich. Laut Anklage belief sich die Beute auf Bargeld und Schmuck im Wert von insgesamt 70.000 Euro, wobei zwei Betroffenen mit einem Schaden von 33.500 bzw. 23.200 Euro besonders übel mitgespielt wurde.

Frauen umfassend geständig

Die Frauen waren umfassend geständig. Die Ältere machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und beantwortete keine Fragen. Die 28-Jährige war dagegen gesprächiger. Sie sei "angeworben" worden, schilderte sie: "Es hat geheißen, dass ich adrett und schön bin. Deswegen stehen mir die Türen offen." Nachdem sie die Opfer betäubt hätte, habe sie bei den weggetretenen Männern bleiben müssen. Der 53-Jährige habe währenddessen "die Immobilie durchsucht".

Der 53-Jährige, der in Ungarn für einen ähnlich gelagerten Sachverhalt bereits verurteilt wurde, behauptete, er habe die Frauen nur zu den Wohnungen gefahren. Vom Betäuben und Raubüberfällen habe er nichts gewusst. Die Verhandlung wurde zur Einvernahme einiger Zeugen auf den 24. Juni vertagt.

"I kenn da jeden Winkel"

Bereits befragt wurde der 85-jährige Einbrecherkönig. "Drei Minuten haben's mi befragt", schilderte er danach. Viel habe er nicht verstanden: "I hör schlecht." Er habe auf seine Angaben vor der Polizei verwiesen. Nachdem er seiner Zeugenpflicht nachgekommen war, verließ Stummer das Gerichtsgebäude über einen Seitenausgang. Schwierigkeiten mit der Orientierung hatte er keine. "I kenn da jeden Winkel", feixte er unter Verweis auf seine zahlreichen in der Vergangenheit liegenden Verhandlungen im Grauen Haus.

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