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Chronik

Welt-Down-Syndrom-Tag: Forderungen nach Unterstützung

21. März 2019 12:43 Uhr

Das Debütantenpaar mit Down-Syndrom, Simon Couvreur und Maria Naber, im Februar den Opernball eröffnet.

WIEN. Mehr Unterstützung für Menschen mit Down-Syndrom haben einige Organisationen und Initiativen anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages am Donnerstag gefordert.

Behindertenanwalt Hansjörg Hofer und Johanna Ortmayr, Präsidentin von "Down-Syndrom Österreich", ist vor allem die bessere Integration am Arbeitsmarkt ein Anliegen. Sie fordern unter anderem eine Sozialversicherungspflicht.

Sozialversicherungspflicht und echte Bezahlung für Arbeit in Werkstätten

Viele Menschen mit Down-Syndrom arbeiten in Werkstätten und finden keinen Job am Arbeitsmarkt, betonte Hofer bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. "Die Stellen in den Werkstätten sind rechtlich gesehen keine Arbeitsplätze, sondern eine Therapieform", erklärte der Behindertenanwalt. Die Menschen mit Down-Syndrom erhalten kein Gehalt, sondern ein Taschengeld. Sie haben keinen Arbeitsvertrag und sind nicht selbst sozialversichert. Hofer und Ortmayr fordern deshalb eine Sozialversicherungspflicht für diese Menschen und eine "echte Bezahlung", wie Ortmayr betonte. "Die Beschäftigten in Werkstätten können auch keine eigene Alterspension beziehen. Rechtlich gesehen bleiben sie im Kinderstatus", kritisierte Hofer.

Arbeitslosigkeit bei Behinderten besonders hoch

Außerdem sei es wünschenswert, dass mehr Menschen mit Down-Syndrom am Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Die Arbeitslosigkeit von Menschen wie Behinderung sei nach wie vor deutlich höher als bei anderen, betonte Hofer. Er befürchtet auch, dass der AMS-Algorithmus zur Ermittlung der Arbeitsmarktchancen die Chancen für Behinderte verschlechtern könnte. Sie würden wahrscheinlich in die dritte Gruppe mit den niedrigsten Chancen am Arbeitsmarkt eingeordnet werden. "Dann könnte passieren, dass gar nicht versucht wird, die Menschen zu vermitteln, weil die Chancen ohnehin als gering angesehen werden", erklärte Hofer.

"Neun von zehn Kindern mit Down-Syndrom werden abgetrieben"

Auch dass private Krankenversicherungen Menschen mit Down-Syndrom oft gar nicht oder nur mit hohen Aufschlägen versichern, halten Hofer und Ortmayr für diskriminierend. "Das ist oft Willkür", kritisierte Hofer. Verbesserungspotenzial im Bildungsbereich ortete Martin Rauch von "Down-Syndrom Österreich". Durch eine bessere Ausbildung könne man auch die Chancen von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt erhöhen.

Die Bürgerinitiative #fairändern forderte anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages in einer Aussendung die Abschaffung der eugenischen Indikation, die es ermöglicht, dass Kinder mit einer Behinderung bis zur Geburt straffrei abgetrieben werden können. Laut der Initiative werden neun von zehn Kindern mit Down-Syndrom abgetrieben. Stattdessen brauche es ein besseres Beratungs- und Unterstützungsangebot für die betroffenen Eltern.

Kritik am Wiener Gemeinderat kommt vom Katholischen Familienverband der Erzdiözese Wien. Bereits im April 2017 seien in Wien mehr materielle Unterstützung, ein breites Informationsangebot und ein Ausbau der Beratungsstellen für betroffene Familien beschlossen worden. Umgesetzt habe man das bis jetzt aber nicht. "Offenbar wird diesem Thema in Wien nicht viel Platz eingeräumt. Wir hätten uns hier eine raschere Umsetzung gewünscht", betont Barbara Fruhwürth, Vorsitzende des Katholischen Familienverbandes.

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