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Chronik

Pisa-Studie bestätigt Leseschwäche bei Österreichs Schülern

Von Jasmin Bürger   07. Dezember 2016 00:05 Uhr

(Symbolbild)

WIEN. Risikoschüleranteil seit 15 Jahren hoch: Fast jeder Vierte kann nicht sinnerfassend lesen.

Für Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SP) gibt es nichts zu beschönigen: "Das ist kein zufriedenstellendes, eigentlich ein inakzeptables Ergebnis", sagte sie am Dienstag bei der Präsentation der Pisa-Studie 2015. Getestet wurde in 72 Ländern – darunter 35 OECD- und alle EU-Staaten – die Kompetenzen von 15- und 16-Jährigen, also am Ende der Pflichtschulzeit, in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen.

Österreichs Schüler – teilgenommen haben am erstmals komplett per Computer absolvierten Test 7007 – haben sich im Vergleich zu 2012 in allen drei Bereichen verschlechtert. Mit 497 Punkten (2012: 506) Punkte liegen sie in Mathematik aber noch über dem OECD-Schnitt, die 495 Punkte in Naturwissenschaften sind im Schnitt (2012: 506 Punkte). Unterdurchschnittlich sind die Lese-Ergebnisse: 485 Punkte bedeuten Platz 25 unter den OECD-Ländern. 2012 waren Österreichs Schüler im Lesen mit 490 Punkten auf Platz 16 gelegen. Einige Details sind besonders alarmierend:

Hoher Anteil an Risikoschülern: Beim Lesen gehören 23 Prozent der 15- und 16-Jährigen zur Risikogruppe. Das bedeutet, dass sie nicht einmal einfachste Texte verstehen und nicht sinnerfassend lesen können. Nur sieben Prozent gehören zur Spitzengruppe, in den Top-Lesenationen Kanada und Finnland liegt dieser bei zwölf Prozent. Und: Seit dem ersten Pisa-Test 2000 haben sich Österreichs Werte nicht verbessert.

Auch in Mathematik und Naturwissenschaften gehört jeder fünfte Schüler zur Risikogruppe.

Große Unterschiede zwischen Buben und Mädchen: In Mathematik und Naturwissenschaften belegt Österreich einen negativen Spitzenplatz – in keinem anderen Land sind die Geschlechterunterschiede größer. In Naturwissenschaften sind die Burschen um 19 Punkte besser, im OECD-Schnitt ist der Unterschied mit vier Punkten gering. In der Hälfte der OECD-Länder gibt es gar keine Geschlechterunterschiede. In Mathe beträgt der Vorsprung der Burschen sogar 27 Punkte (OECD-Schnitt: acht Punkte). Nur in Lesen sind die heimischen Mädchen besser als die Buben.

Elternbildung bestimmt Leistung: Kinder aus bildungsfernen Schichten haben kaum Chancen auf Spitzenleistungen, das bestätigen die Pisa-Ergebnisse wieder einmal. Der Unterschied zwischen Schülern aus Akademikerhaushalten zu jenen, deren Eltern nur eine Pflichtschule besucht haben, beträgt bis zu 100 Punkte – das entspricht mehr als zwei Lernjahre.

Migranten schwächer: In allen drei Bereichen schneiden Schüler mit Migrationshintergrund signifikant schlechter ab. Die Differenz ist in Österreich im Vergleich mit den anderen EU-Ländern besonders groß, beim Lesen beträgt sie 64 Punkte. Die Leseschwäche erklärt sich durch den Migrantenanteil aber nicht: Auch 18 Prozent der Schüler ohne Migrationshintergrund sind Lese-Risikoschüler.

Angesichts der "teils schockierenden" Ergebnisse will Hammerschmid neben den angekündigten Reformen (mehr Schulautonomie, Ganztagsschulen) auch "Sofort-Maßnahmen" setzen. Zusätzliche Diagnose- und Förderprogramme für Volksschulen seien bereits in Vorbereitung, denn "wir dürfen nicht mehr warten".

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