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Wiederentdeckung des jüdischen Lebens in Ischl

Von Edmund Brandner, 07. Dezember 2023, 00:04 Uhr
Wiederentdeckung des jüdischen Lebens in Ischl
Das Hotel Erzherzog Franz Karl war auch ein Bethaus. Repro: ebra

BAD ISCHL. Während in Gmunden Historiker wie Heinrich Marchetti oder Holger Höllwerth das jüdische Leben in der Stadt erforschten und dokumentierten, fehlte in Bad Ischl bisher ein vergleichbarer umfassender Überblick. Die Linzer Theologin Verena Wagner schloss diese Lücke jetzt auf grandiose Art. Ihr Buch "Eine jüdische Gemeinde in Bad Ischl" ist eine Pflichtlektüre für lokalhistorisch Interessierte.

Es waren die Sommerfrische und der aufkeimende Tourismus, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts Juden nach Bad Ischl lockten. Der erste dürfte der Badearzt Joseph Pollak gewesen sein, der spätestens ab 1845 in der Pfarrgasse wohnte. Neben Medizinern waren es vor allem Gastronomen und Händler, die in Bad Ischl eine kleine jüdische Gemeinde bildeten. Mit 15 Mitgliedern war sie 1891 die fünftgrößte in Oberösterreich. Bis 1934 stieg ihre Zahl auf 59 Personen.

Die große geografische Distanz zur jüdischen Kultusgemeinde Linz führte dazu, dass die Juden in Bad Ischl sehr eigenständig lebten und sich selbst organisierten. Der Gastronom David Sonnenschein bot ab 1880 in seinem Lokal in der Pfarrgasse koschere Küche an – auch für Sommerfrischler. Er und sein Sohn Samuel stellten in ihren Häusern auch Beträume zur Verfügung. Letzterer erwarb 1904 nahe dem Kurpark das Hotel "Erzherzog Franz Karl", in dem die religiösen Feierlichkeiten stattfanden. Das Hotel wurde auch offiziell als Bethaus bezeichnet.

Wenige überlebten die NS-Zeit

Doch den Bad Ischler Juden schlug Misstrauen entgegen, und mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten wurde daraus blanker Hass. Der Begriff "judenrein" wurde auch im Salzkammergut von Gasthäusern und Ortsteilen verwendet. Bad Ischler Juden wurden rücksichtslos enteignet und verschleppt. Nur vier Jüdinnen und Juden lebten nach 1945 noch in Bad Ischl, zwei davon hatten ein Konzentrationslager überlebt. Einzelne wie das Ehepaar Valerie und Otto Kohn kehrten wieder zurück. Auch unter den Flüchtlingen und Heimatlosen, die von der US-Armee in Bad Ischl untergebracht waren, befanden sich Juden, und manche von ihnen ließen sich hier nieder.

Verena Wagner schildert in ihrem Werk unzählige Biografien und verfolgt Spuren bis in die Achtzigerjahre. "Das Besondere an ihrem Buch ist, dass sie die jüdische Ischler Gemeinde nicht von ihrem katastrophalen Ende her erzählt, sondern sie in ihrer gesamten Buntheit und Vielfalt darstellt", sagt der Goiserer Historiker Michael Kurz.

Die Historikerin Nina Höllinger vom Zeitgeschichte-Museum Ebensee wird nächstes Jahr übrigens ein Buch über die jüdische Bevölkerung im gesamten Salzkammergut veröffentlichen. Was das kommende Weihnachtsfest betrifft: Wer seinen Liebsten Verena Wagners Ischl-Buch unter den Christbaum legt, macht definitiv keinen Fehler.

Verena Wagner: "Eine jüdische Gemeinde in Bad Ischl"; Oberösterreichisches Landesarchiv, 327 Seiten, 35 Euro

Autor
Edmund Brandner
Lokalredakteur Salzkammergut
Edmund Brandner
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