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Weihnachten

Zur Heiligen Nacht kam Halley, der Komet, zu früh oder zu spät

Von Klaus Buttinger   24. Dezember 2016 00:04 Uhr

Zur Heiligen Nacht kam Halley, der Komet, zu früh oder zu spät
Zodiaklicht: Interpretiert als Wegweiser nach Bethlehem?

Astrophysiker halten es für wahrscheinlich, dass eine große Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild Fische den Mythos des Sterns von Bethlehem begründet.

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. (Evangelium nach Matthäus, Kapitel 2)

Was leuchtete vor gut 2000 Jahren am Nachthimmel über Bethlehem? Mehrere Kandidaten kommen in Frage, erklärt Physiker Bruno Besser vom Institut für Weltraumforschung an der Akademie der Wissenschaften. Sein Schwerpunkt ist die Wissenschaftsgeschichte.

Zur Heiligen Nacht kam Halley, der Komet, zu früh oder zu spät
Bruno Besser

Bruno Besser

 

Der Stern von Bethlehem – was war das?

Bruno Besser: Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Manche Leute sagen, der Stern sei ein Wunder gewesen, was wunderbar in die christliche Nomenklatur passen würde. Andere Leute meinen, es habe vielleicht doch ein astronomisches Ereignis gegeben. Und dann gibt es welche, die sagen, das Ganze sei nur ein astrologisches Ereignis gewesen, denn damals habe die Astrologie in allen Einflusssphären eine Rolle gespielt.

Zumeist wird der Halleysche Komet als Stern von Bethlehem genannt …

Ja, aber da gibt es mehrere Probleme. Der Halleysche Komet ist circa im Jahre 12 vor Christus erschienen. Das geht sich mit der Rückrechnung der Zeitschiene nicht aus. Zudem konnte man den Kometen nicht vorhersagen.

Obwohl der Halleysche Komet nur eine Umlaufzeit von 75 Jahren hat?

Das hat man damals noch nicht gewusst. Dazu kommt, dass ein Komet als Vorzeichen einer Katastrophe gesehen wurde. Und die Geburt Christi war ja keine solche.

Außer vielleicht für die römischen Besatzer Judäas …

Ja. Deshalb gibt es auch noch eine andere Theorie, wonach es sich beim Stern von Bethlehem um einen großen Meteor gehandelt haben könnte. Aber auch Meteore wurden als schlechte Omen gedeutet. Zweites Problem: Ein Feuerball am Himmel ist nur relativ kurz zu sehen. Ihm zu folgen wäre schwierig gewesen. Den Halleyschen Kometen kann man hingegen über ein halbes Jahr sehen.

Auch mit freiem Auge?

Im Jahr 1910 konnte man ihn gut mit freiem Auge sehen. 1986 habe ich den Kometen selbst gesehen, war aber enttäuscht. Ich sah nur ein kleines, verschwommenes Objekt.

Demgegenüber wird der Komet über der Krippe immer sehr groß dargestellt. Kann es sein, dass der Komet damals näher an der Erde war?

Naja. Die ersten Darstellungen des Kometen datieren aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Die berühmteste Darstellung finden wir auf dem Bild des Malers Giotto di Bondone (1276–1337, Anm.) , der den Halleyschen Kometen, der damals sehr schön und groß war, tatsächlich gesehen hat. Wie groß der Komet im Jahr 12 vor Christus erschienen sein mag, das lässt sich nicht zurückrechnen.

Zur Heiligen Nacht kam Halley, der Komet, zu früh oder zu spät
Der Komet, gestickt auf den Teppich von Bayeux (11. Jhdt.)

Der Komet, gestickt auf den Teppich von Bayeux (11. Jhdt.)

Wäre eine Nova oder Supernova eine Erklärung?

Es gibt Berichte über Novae – keine Supernovae – so um die Jahre 4 und 5 vor Christus aus Korea und China, über Sterne, die plötzlich erscheinen. Schaut man sich das genauer an, ist die Rede von besenähnlichen, verschwommenen Objekten. Das würde die Interpretation wieder in Richtung Kometen lenken. Ich denke, dass eine Nova oder Supernova als Erklärung ausscheidet. Von größeren Sternenexplosionen müssten wir noch Reste sehen.

Das Himmelszeichen muss heller Natur gewesen sein, sonst wären ihm die Weisen aus dem Morgenland nicht gefolgt, oder?

Das hängt von der Rezeption ab. Es gab damals Völker mit langer Tradition der Sternkunde und Völker, die darauf weniger Wert legten, wie anscheinend die Juden. Folgt man der Bibel, war Herodes überrascht, dass da plötzlich jemand aus dem Osten anreiste und nach Himmelszeichen fragte.

Welche Erklärung für das Phänomen bleibt dann noch?

Die einer großen Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternzeichen der Fische. Die hat 7 vor Christus stattgefunden.

Zur Heiligen Nacht kam Halley, der Komet, zu früh oder zu spät
Giottos Anbetung: frühe Darstellung des Halleyschen Kometen (13. Jhdt.)

Giottos Anbetung: frühe Darstellung des Halleyschen Kometen (13. Jhdt.)

Wie sah die aus?

Von der Erde aus gesehen stehen dabei Jupiter und Saturn sehr nahe beisammen. Sie kommen sich dreimal sehr nahe über einen Zeitraum von ein paar Monaten.

Was wie ein großes, langsames Blinken, das auf ein Ereignis hinweist, interpretiert werden könnte, oder?

Davon schreibt der 2007 verstorbene österreichische Astronom Konradin Ferrari d’Occhieppo in seinem Buch "Stern von Bethlehem". Jupiter als größter Planet würde den Anspruch "Ein König wurde geboren" erfüllen. Saturn wird über lange Jahrhunderte für das jüdische Volk eingesetzt. Das Sternbild der Fische steht in der babylonischen Astrologie immer für den geografischen Bogen von Babylon bis Ägypten. Wenn man nun also Jupiter und Saturn in den Fischen über den Abendhimmel wandern gesehen hat, könnte dies interpretiert worden sein als "Da tut sich etwas in Palästina".

Zur Heiligen Nacht kam Halley, der Komet, zu früh oder zu spät
Frühes Foto: Der Komet 1910 über Gary im US-Bundesstaat Indiana

Frühes Foto: Der Komet 1910 über Gary im US-Bundesstaat Indiana

Palästina ist groß. Wie kam Bethlehem ins Kalkül der Weisen aus dem Morgenland?

D’Occhieppo liefert da auch eine Interpretation, und zwar über ein Phänomen, das man heute nur noch selten sieht. Wenn man sich die Ekliptik anschaut, jenen Himmelsbereich, wo alle Planeten drinnen sind, kann man das Zo-diaklicht sehen. Es entsteht durch Reflexion von Sonnenlicht an Partikeln der interplanetaren Staubwolke. In Gegenden, wo es wenig Lichtverschmutzung gibt, sieht man dieses Leuchten kurz vor Sonnenaufgang und beim Sonnenuntergang. Es wäre ein Hinweis darauf, dass die Magier aus dem Osten, die zuerst in Jerusalem herumfragten, dieses manchmal sehr steil stehende Leuchten als Wegweiser Richtung Bethlehem interpretierten.

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