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Wie „tödlich“ sind die Schulen in Österreich?

Von Herbert Schorn, 12. September 2012, 00:04 Uhr
Wie „tödlich“ sind die Schulen in Österreich?
Salcher (r.): »Das Schulsystem trägt einen tödlichen Virus in sich.« - Asanger: »Gibt auch positive Entwicklungen.« Bild: Wakolbinger

LINZ. Andreas Salcher ist einer der bekanntesten Kritiker des österreichischen Schulsystems. Die Thesen in seinem neuen Buch „Nie mehr Schule / Immer mehr Freude“ sind provokant: In Österreich sei die „tödliche Schule“ vorherrschend, sie sei von einem Virus befallen, der die natürliche Neugierde bei Kindern im Keim erstickt.

Lehrer, die Neues wagen, stünden unter Rechtfertigungszwang. Die Lerninhalte seien seit Jahrzehnten unverändert. Diese Kritik will Franz Asanger, Direktor des Linzer Petrinums, nicht unkommentiert stehen lassen. In der Direktion trafen sie sich zur Diskussion.

OÖNachrichten: Herr Direktor, wie tödlich ist denn das Petrinum?
Asanger: Das Petrinum ist sicher keine tödliche Schule, sonst würden nicht so viele Eltern ihre Kinder hierher schicken und noch dazu Schulgeld zahlen. Dass es da und dort Verbesserungspotenzial gibt, ist klar. Eine Schule, die nicht offen ist für Veränderung, könnte zu einer tödlichen Schule werden.

Herr Salcher, was meinen Sie mit der „tödlichen Schule“?
Salcher: Meine Kritik richtet sich gegen ein System, das im Vergleich zu anderen veraltet ist und das diesen Virus in sich trägt, so dass sich Eltern, Schüler und Lehrer eine bessere Schule gar nicht mehr vorstellen können. Es gibt Schulen, in denen Kindern jede Freude am Lernen genommen wird. Und obwohl man weiß, wie gute Schule funktioniert, müssen viele Kinder in tödliche Schulen gehen.

Warum herrscht diese Schule Ihrer Ansicht nach immer noch vor?
Salcher: In Deutschland und Österreich wurde die Schule eingeführt, weil man draufgekommen ist, dass die Soldaten besser kämpfen, wenn sie gebildet sind. Ich kann nachweisen, dass sich in der Schulstruktur seit Maria Theresia in Österreich nicht viel geändert hat. Nehmen wir als Beispiel die Medizin. Der wissenschaftliche Fortschritt kommt den Menschen zugute. Und auch wenn es ein schlechtes Spital ist: Zur Ader gelassen wird niemand mehr. Im Schulsystem gibt es Mindeststandards nicht.

Herr Asanger, sehen Sie die Schule ähnlich pessimistisch?
Asanger: Ganz und gar nicht. Von einem tödlichen Virus zu reden, ist Eltern, Schülern und Lehrern gegenüber ungerecht. Es gibt auch positive Entwicklungen. Herr Salcher, Sie vergleichen im Buch die Schule mit einer Autowerkstatt, die Lehrer sollten sich einem TÜV unterziehen. Ich käme nie auf den Gedanken, in der Schule in einer Autowerkstatt zu sein. In der Art, wie wir über Schule reden, spiegelt sich auch das Bildungsverständnis wider. Der Schüler ist kein Werkstück, sondern ein Mensch, dessen Talente zu entfalten sind. Schule wird immer mehr unter wirtschaftlichen Kriterien gesehen. Meine Frage ist, wie können wir das System weiterentwickeln. Salcher: Es gibt im Schulsystem zwei Welten. Die guten und schlechten Schulen klaffen weit auseinander. Das System hat aber keine Möglichkeit, einzugreifen. Geben wir den 20 Prozent der Schulen, die gut sind, ein Budget, sie sollen sich die Lehrer aussuchen und ganz schlechte entlassen. Asanger: In der pädagogischen Autonomie gibt es schon jetzt viel Spielraum. Ein Problem ist, dass wir zuwenig Leute haben, die Direktoren werden wollen. Und die Möglichkeit, Lehrer auszusuchen, habe ich nicht, weil es zu wenige gibt. Unter diesen Vorzeichen ist Autonomie nie fair.

Herr Salcher, Sie kritisieren, dass es im heimischen Schulsystem zuwenig Standards gibt.
Salcher: Ich kritisiere ein System, das die Mindeststandards nicht erfüllt. Das würde bedeuten, dass jeder, der die Schule verlässt, Lesen, Schreiben und die Grundrechnungsarten beherrscht. Das ist aber nicht der Fall. Jeder Fünfte ist funktionaler Analphabet. Asanger: Die Frage ist, wie geht man damit um. Wenn es ein Problem gibt, muss man es ansprechen. Wenn es um die Leseschwäche geht, muss man das Lesen trainieren. Ich kann Ihnen zeigen, was an unserer Schule dazu passiert. Salcher: Ich bleibe dabei. Ich habe vor fünf Jahren als erster öffentlich gemacht, dass jeder Fünfte in Österreich nicht lesen kann. Was hat sich geändert? Nichts!

Was bräuchte die Schule am dringendsten, um sich weiterentwickeln zu können?
Asanger: Zwei Dinge: zum einen Offenheit und Ehrlichkeit. Dass man das Gute und das, was offen ist, ehrlich angeht. Zum anderen vermisse ich schmerzlich eine Diskussion über die Bildungsinhalte. Wir reden viel über das System, über Testungen und so weiter. Was wir den Kindern mitgeben wollen, darüber wird zuwenig diskutiert. Salcher: Der Schlüssel für jedes Bildungssystem sind die Lehrer. Da haben wir ein paar Geburtsfehler. Jeder Maturant kann AHS-Lehrer und mit niederschwelliger Auswahl Pflichtschullehrer werden. Das muss man ändern. Etwa indem die Rahmenbedingungen verbessert werden. Konkret: Schulen, die so weit sind, Autonomie geben und Eingriffsmöglichkeiten für ungeeignete Schulen schaffen. Jedes Kind hat das Recht, dass es an eine gute Schule gehen kann.

 

Die Personen

Andreas Salcher (51) übt seit Jahren in seinen Büchern Kritik am österreichischen Schulsystem. In seinem neuen Werk „Nie mehr Schule / Immer mehr Freude“, das von vorne und hinten gelesen werden kann, zeigt er im ersten Teil Schwachstellen des heimischen Bildungssystems auf und schildert im zweiten Teil, wie gute Schulen funktionieren. Seine Kritik: Das Schulsystem wird laufend teurer und trotzdem schlechter. Obwohl man wisse, wie gute Schulen funktionieren, würden Reformbemühungen vereitelt. Das Buch ist im Ecowin-Verlag erschienen und kostet 14,90 Euro.

Franz Asanger ist seit zwölf Jahren Direktor des bischöflichen Gymnasiums Petrinum in Linz. Die 115 Jahre alte Schule wird derzeit von 520 Schülern in 24 Klassen besucht. Der 54-Jährige ist Professor für Deutsch und Religion.

 

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14  Kommentare
14  Kommentare
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essbesteck (6.034 Kommentare)
am 15.09.2012 11:01

umgeschaut, wie andere schulsysteme funktionieren.
hast jemals ein buch von ihm gelesen?

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mape (8.826 Kommentare)
am 12.09.2012 11:17

war schon lange nicht mehr in den Medien !

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Ameise (45.683 Kommentare)
am 12.09.2012 09:32

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Marie-Luise (2.228 Kommentare)
am 12.09.2012 09:01

Was bräuchte die Schule am dringendsten, um sich weiterentwickeln zu können? Konkurrenz heißt das Zauberwort.

Die Schulen sollen nicht länger pauschal einen Geldbetrag bekommen. Vielmehr sollen alle Schulen in ganz Österreich, einschließlich aller Privatschulen den gleichen Betrag pro Schüler erhalten. Die Schüler sollen sich die Schulen auswählen können.

Privatschulen können Nischen füllen, d.h. Schwerpunkte setzen und diesbezüglich Voraussetzungen fordern.

Eine von den Schulen völlig unabhängige Prüfungsstelle soll prüfen und beurteilen was die Schüler können (nicht wie derzeit, was sie nicht können). Im Zeugnis soll stehen, in welchem Bereich sie welche Sprosse erreicht haben.
Die Ergebnisse werden pro Schule bekanntgemacht als Orientierungshilfe für die Schulwahl.

Schlechte Schulen verlieren ihre Schüler, schlechte Lehrer ihren Job, gute Schulen können expandieren und mehr Lehrer einstellen.

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Marie-Luise (2.228 Kommentare)
am 12.09.2012 08:40

Ich kenn einen anderen Wortlaut: Man muss möglichst früh mit dem Drill beginnen, damit er die erwünschten Ergebnisse erzielt. Die Bildung war nur Mittel zum Zweck, also eine Nebensache. Der Sage nach waren die ersten Lehrer pensionierte Offiziere.
Heute noch sind viele Lehrer davon überzeugt, dass Drill die höchste Aufgabe der Schule ist und benehmen sich als wären sie Ausbilder in einer Kaserne.

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Kopfnuss (9.761 Kommentare)
am 12.09.2012 08:05

gewisse Erwachsene Kinder aus der Angst,
überflügelt zu werden,
nicht fördern wollen.

Nach dem letzten ORF-Sommergespräch
bin ich mir sogar ganz sicher!

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Bergonzi (4.578 Kommentare)
am 12.09.2012 07:49

wenn`s ohne Lernen und Strebern geht, man braucht ja nur für die Jugend da zu sein, um etwas zu werden in diesem Staat. Das sich Leistung nicht lohnt sehen die Jugendlichen von den Erwachsenen vorgeführt, wenn Wien praktisch nur mehr aus "Grundleistungsempfänger². Wenn Sozialbetrug in jeder Form von der AK unterstützt wird und von den Sozialgerichten großzügig abgesegnet wird.

Die sogenannten Pädogogen die die linken Parolen schmettern, die von ihnen verlangt, gehörten mit dem naßen Fetzen verjagt.

Es wär halt schön den Satz den wir noch hörten " Kind lern was, daß er dir besser geht als uns" wieder zum Recht kommen zu lassen.

Aber wir sind halt auf den Faymann und Cap gekommen.

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kahuna (215 Kommentare)
am 12.09.2012 06:34

ist wie ein Künstler, der einen Klecks auf die Leinwand wirftn und dann von Kunst spricht.
Nicht jede Meinung ist eine Expertise.

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grazygirl50 (614 Kommentare)
am 12.09.2012 06:33

der beste Autor und die kritischten Bücher ,die ich in letzter Zeit gelesen haben von Andreas Salcher! Leider ist der Großteil der österr.Bevölkerung zu borniert um Änderungen zu zulassen im Bildungsbereich-die Pfründe der konservativen Parteien im Schulwesen werden diktatorisch beibehalten auf Kosten unserer Kinder und Jugendlichen! Neuerungen und Modernisierung bedeutet mehr soziales Gewissen und Zugang für Alle zu besten Bildungseinrichtungen,dass jedoch wollen konservative Parteien verhindern,nach dem Motto" das war immer so und soll auch so bleiben"! Bildung, Erbrecht und veraltete Gesetze in Sachen Familien-und Gewaltpolitik werden aufs schärfste verteidigt von den Rechtsparteien,damit ihre reichen Besitzer und Betriebseigentümer ganz oben bleiben in der Hiarchie und der Arbeiter im Volk wird immer mehr zum "Sklaven der Wirtschaft,Börsen und Arbeitspolitik! Östereich muss sich auf das wertvollste besinnen und dass sind unsere Kinder und ihre Ausbildung nach neuesten Methoden!!

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puschl40 (3.116 Kommentare)
am 12.09.2012 07:57

Sehr guter Kommentar!!! Respekt!!!

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tabatha (2.926 Kommentare)
am 12.09.2012 03:24

die niemals danach gefragt wurden, ob wir das große Einmaleins lernen wollen oder nicht. Welch unheimlich psychischer Schaden ist uns daraus erwachsen, dass wir manchmal einfach "folgen" mussten und wir nicht gerade dann hühüpf machen konnten,wenn es uns einfiel. Weiß mir jemand einen guten Psychiater, der mein diesbezügliches Seelenleid zu heilen weißß

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( Kommentare)
am 12.09.2012 14:01

gefragt wurden, haben wir das alles einfach gelernt.Statt uns Gedanken darüber zu machen, ob wir das auch wirklich möchten.

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tabatha (2.926 Kommentare)
am 12.09.2012 01:24

Eine Headline, die dem letzen Schmierenblatt zukommt.

Salcher: Ich kritisiere ein System, das die Mindeststandards nicht erfüllt. Das würde bedeuten, dass jeder, der die Schule verlässt, Lesen, Schreiben und die Grundrechnungsarten beherrscht. Das ist aber nicht der Fall. Jeder Fünfte ist funktionaler Analphabet.

Na und, vielleicht hinterfragt man einmal die Gesellschaftsstrukur. Wieviele Eltern sind heutzutage nicht mehr imstande sinnerfassend zu lesen. Ist das wirklich einzig und allein die Aufgabe der Schule? Und diese als tödlich zu bezeichnen, ist schon eine ziemliche Chuzpe.

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tabatha (2.926 Kommentare)
am 12.09.2012 03:07

doch Eure Kinder zB sich bei Tisch ordentlich zu benehmen und das Beseck nicht wie einen Krampen einzusetzen. Lehrt doch Eure Kinder, dass es durchaus angebracht ist, den Löffel zum Mund zu führen und nicht den Kopf im Suppenteller zu versenken und dabei auf das Grauslichste zu schlürfen. Oder ist das auch schon Aufgabe der "tödlichen Schule"?. Oder nur ein Versäumnis, weil die Eltern es selbst nicht mehr besser wissen. Weit haben wir es gebracht.

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