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Oberösterreich

Warum beim lebensnotwendigen Klimaschutz viel zu wenig weitergeht

Von Klaus Buttinger   31. Januar 2015 00:04 Uhr

Warum beim lebensnotwendigen Klimaschutz viel zu wenig weitergeht
Umweltschutz sei eine Frage des Fokus, sagt Psychologin Uhl. Resignierend auf »die da oben« zu schauen, die wenig weiterbringen, bringe nichts.

Psychologin Isabella Uhl zeigt Muster auf, wie der Mensch auf Bedrohungen reagiert.

Zu Gast im Kepler-Salon – ausnahmsweise in Wels – war diese Woche Psychologin Isabella Uhl, deren Arbeitsschwerpunkt für ihr Doktorat an der Uni Salzburg der Umgang des Menschen mit den gewaltigen Herausforderungen des Klimaschutzes ist.

OÖN: Was lösen Schreckensszenarien wie der Anstieg der Temperatur und des Meeresspiegels bei Menschen aus?
Uhl:
Sie stellen Bedrohungen für uns dar und bewirken zunächst einmal so etwas wie eine Schockstarre. Das hat die Forschung anhand von körperlichen Zuständen festgemacht, etwa erhöhte Pulsfrequenz oder höhere Hautleitfähigkeit. Rechtsfrontal im Gehirn wurden Aktivitäten gemessen, die eine Zielerreichung unterbrechen.

Obwohl wir handeln sollten, werden wir handlungsunfähig?
Ja, zunächst einmal. Uns geht es wie einer Maus, die zum Käse will – also zu einer guten Zukunft –, aber daneben die Katze sitzen sieht. Erst wenn wir wieder Handlungen ergreifen, sieht man am EEG oder im Gehirnscanner linksfrontale Aktivitäten.

Über welche Strategien verfügt der Mensch, um mit großen Bedrohungen umzugehen?
Eine ist die Vermeidung. Dabei versuchen wir die Bedrohung, die Schockstarre, auf symbolischem Wege aufzulösen. Wir beschäftigen uns also nicht mehr mit dem Klimawandel selbst, sondern wenden uns unserer Eigengruppe zu. Die Forschung zeigt, dass Leute, die mit Informationen über den Klimawandel konfrontiert wurden, vermehrten Ethnozentrismus betrieben. Sie werteten ihre Ethnie gegenüber anderen auf.

Erklärt das den erstaunlich großen Fokus nationaler Sichtweisen auf dieses globale Problem?
Ja, ein Großteil der Menschen neigt zu solchen und ähnlichen symbolischen Reaktionen. Andere hingegen reagieren direkt. Sie schauen auf die Bedrohung, fragen sich, wie sie zu lösen sei, und überlegen sich Lösungsstrategien.

Wie schafft man es, die paralysierende Herkulesaufgabe anzugehen, den CO2-Ausstoß aufgrund menschlicher Aktivitäten auf nahe null herunterzufahren, was laut Klimaforschern spätestens 2100 notwendig sein muss?
Man muss sich als Individuum bewusst sein, dass man Verantwortung hat und dass man etwas tun kann, um nicht in ein Ohnmachtsgefühl zu fallen. Dass man als Einzelner nichts tun kann, ist falsch. Jeder ist verantwortlich, kann sein Handeln anpassen, jede Handlung hat Konsequenzen. Wenn viele kleine Handlungen gesetzt werden, entsteht etwas Großes.

Von einer großen Klimaschutzbewegung ist aber noch nichts zu sehen, oder?
Jein. Es kommt darauf an, wo man hinschaut. Auf die breite Masse – da sieht man noch wenig. Und doch hat sich schon einiges bewegt. Man sieht Bioprodukte beim Diskonter, "vegan" ist ein großes Thema, Stoff- statt Plastiksackerl, und Fair-Trade-Produkte gibt’s im Supermarkt. Das sind kleine Dinge, doch es verändert sich etwas. Wenn man handlungsorientiert sein will, muss man sich auf solche positiven Bereiche fokussieren.

Der gelernte Österreicher wird sich sagen, es komme ohnehin nicht so schlimm, der Wald sei schließlich auch nicht gestorben. Warum gibt’s diese Einstellung?
Warum der Österreicher so ist, das kann ich fachlich nicht korrekt beantworten (lacht).

Würden die Menschen die Herausforderungen des Klimawandels zeitgerecht meistern, wäre es das erste Mal in der Geschichte, dass ein globales Problem gemeinsam und konstruktiv gelöst würde. Trauen Sie das den Menschen zu?
Ja. Ich hoffe dabei ganz stark auf positiv gestimmte Menschen. Und wenn man sich konkret vorstellt, auf wen der Klimawandel Auswirkungen hat – auf unsere Kinder und Enkel –, sind die Auswirkungen sehr nahe. Das betrifft dann Personen meiner Eigengruppe, und für die setzen wir uns ja ein.

Werden uns die Enkel einmal kritisch fragen, was jeder von uns damals gegen den Klimawandel unternommen hat?
Ja. Diese Frage motiviert mich, am Thema zu bleiben. Es geht ja nicht nur um die eigene Lebensqualität, sondern auch um unsere Verantwortung für nachfolgende Generationen. Dadurch ist es auch möglich, klimagerechtes Handeln nicht als Verzicht zu empfinden, sondern als Zugewinn von Lebensqualität. Das Betäuben durch Konsum macht uns nicht glücklicher.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie sehen, dass Politiker bei diversen Klimagipfeln nur heiße Luft produzieren?
Schlecht, aber das nimmt einen selbst nicht aus der Verantwortung. Wir können uns aus einer resignativen Sicht auf "die da oben", die nichts weiterbringen, heraustricksen, indem wir uns mit Leuten umgeben, die motiviert sind und versuchen, etwas in Sachen Klimaschutz weiterzubringen.

Erderwärmung leider doch so stark wie berechnet

Die Erdoberfläche hat sich in den vergangenen 15 Jahren nicht so stark erwärmt wie in Klimamodellen vorhergesagt. Das liegt nach Ansicht von Forschern aber nicht an mangelhaften Modellen, sondern an zufälligen Klimaschwankungen.

Das ist das Ergebnis einer statistischen Analyse des Hamburger Wissenschafters Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie und seines Kollegen Piers Forster von der englischen Universität Leeds. Die Behauptung, Klimamodelle würden die Erwärmung durch zunehmende Treibhausgase systematisch überschätzen, sei falsch, betont Marotzke.

Im Großen und Ganzen stimmten simulierte Trends und Beobachtungen überein. „Die Erderwärmung wird am Ende dieses Jahrhunderts höchstwahrscheinlich gravierende Ausmaße erreicht haben – wenn die Weltgemeinschaft nicht endlich beherzt dagegen vorgeht“, schreiben die Forscher.

Nachbesserungen bei den Modellen zur Klimaentwicklung gibt es immer wieder: Erst kürzlich hatten US-Forscher berichtet, dass der Meeresspiegel im vergangenen Jahrhundert insgesamt weniger stark angestiegen sei als bisher angenommen. Dies hatte eine Neuauswertung der vorhandenen Messdaten ergeben. Seit etwa 1993 sei der Meeresspiegel aber dann erheblich stärker angestiegen als in den Jahrzehnten zuvor.

„Langfristig können wir uns auf die Klimamodelle verlassen“, sagte Marotzke. „Und die sagen, dass die Erwärmung auf uns zukommt.“

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