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Die heilende Kraft der Bücher

Von Von Alexander Ritzinger, 20. November 2010, 00:04 Uhr
Die heilende Kraft der Bücher
Die Biblio-Therapeutin Eva-Maria Woblistin empfiehlt großen und kleinen Patienten Lesestoff. Bild: Volker Weihbold

Bücher-Lesen empfiehlt sich für das Erfahren neuer Welten, es dient der Bildung, aber auch der Entspannung und dem Vergnügen. Außerdem ist es eine Therapieform in Krankenhäusern. Beispielsweise in der Landes-Frauen- und Kinderklinik in Linz.

Das Wagerl ist schwer beladen. Es verfügt über keine Fernsteuerung samt Motorantrieb, wie beispielsweise jene schicken Trolleys, mit denen Golf-Spielzeug zum nächsten Abschlag spazieren gefahren wird. Eva-Maria Woblistin muss selbst ziehen und schieben. Wobei das Gefährt samt Inhalt locker gefühlte 500 Kilogramm wiegt. Allerdings enthält es keine Schläger, seien es „Driver“, „Eisen“ oder „Holz“, sondern Bücher. Viele Bücher. Denn es soll ja für jede(n) das Passende dabei sein.

Vorne öffnet sich die Tür zur onkologischen Station, ein Reifen quietscht leicht, als er auf dem blank geputzten Boden ausrutscht. Gleich im zweiten Zimmer wartet bereits Natalie (Name von der Redaktion geändert). Jeden Montag bekommt das Volksschulkind Besuch von der Bibliothekarin der Landes- Frauen- und Kinderklinik in Linz und studiert mit ihm gemeinsam das Angebot an Lesestoff.

Die Leistung, die Woblistin den Patienten in der Frauen- oder Kinderabteilung anbietet, ist in Österreich einzigartig, wie sie sagt. Zwar verfügt praktisch jedes Krankenhaus über eine mehr oder weniger große Bibliothek. Dass aber ausgewählte Bücher in die Abteilungen gerollt werden und ebenso in der Zentrale eine fundierte Beratung angeboten wird, ist etwas Besonderes.

Wobei Woblistin noch weiter geht: Wenn es ihr angezeigt erscheint, liest und singt sie auch Babys vor. Manche von ihnen sind nämlich besonders pflegebedürftig. Beispielsweise jene Kleinstkinder aus dem Kosovo, deren Eltern in der Heimat um das Leben ihrer Lieblinge bangen müssen. Diese Schicksale sind emotional sehr belastend. Nicht nur jene der Babys. Denn es gibt schließlich auch die acht-, neunjährigen Kinder, die eine Lebertransplantation benötigen oder jene, in deren Köpfen Gehirntumore wuchern. Aber Woblistin hat gelernt, mit dieser Spannung umzugehen.

Das Schöne am Beruf

„Am Anfang meiner Tätigkeit habe ich natürlich Vieles mit nach Hause genommen. Jetzt ziehe ich zu Dienstbeginn meinen weißen Mantel an und zum Abschluss wieder aus. Diese Symbolik hilft mir sehr. Den Kindern bringt es ja nichts, wenn ich traurig bin. Ganz im Gegenteil“, sagt Woblistin.

Für die Kinder ist die herzliche Zuwendung der Bibliothekarin ein großes Geschenk. Sie leben ganz in der Gegenwart, freuen sich und sind ihr auf eine besonders berührende Weise zugetan und dankbar. So eigenartig es klingen mag: Für Woblistin ist die Beziehung zu den Kindern das Schöne, aber auch der Gewinn aus ihrem Beruf: „Von ihnen habe ich schon mehr zurückbekommen, als ich jemals geben kann“, sagt sie.

Mit welchen Büchern kann die Bibliothekarin ihre kleinen Schützlinge besonders begeistern? Nun, das sind die „Mama-Muh“-Ausgaben, die von einer emanzipierten Kuh handeln. Wobei es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Buben sind eher mit entsprechend aufbereiteten Sachbüchern zu begeistern. Nicht aber jede Mutter.

„Mein Kind muss nichts lesen, wir sind ohnehin nur kurz da!“, bekommt Oblistin nicht selten zu hören. Der ist aber nicht nur diese Einstellung ein Dorn im Auge. Auch der TV-Konsum im Krankenhaus ist ein Problem. „Bei den Langzeitpatienten ist ein gelegentlich laufender Zimmerfernseher in Ordnung. Bei jenen, die wirklich nur einige Tage hier sind, hat die Glotze nichts verloren“, behauptet sie. Das hat selbstverständlich einen guten Grund. Als Biblio-Therapeutin weiß Oblistin um die „heilende Kraft“ der Bücher und des Lesens. In unseren Breiten wird diese spezielle Form der Therapie zwar erst zögernd eingesetzt, im anglo-amerikanischen Bereich ist sie dagegen bereits weit verbreitet.

Arabischer Lesestoff

Wobei die „Buch-Therapie“ keineswegs nur bei Kindern und Jugendlichen angewandt wird. Die derzeit rund 7000 Bücher der Bibliothek bieten im wahrsten Sinn des Wortes eine große Bandbreite auch für Erwachsene: von Belletristik bis hin zu Sachbüchern. Und die gibt es nicht nur in deutscher Sprache. Woblistin besorgt beispielsweise auch kurdischen, irakischen oder arabischen Lesestoff und sagt stolz: „In einigen Bereichen sind wir besser bestückt als der Linzer Wissensturm“. Im Angebot gibt es sogar spezielle Bilderbücher für jene Frauen, die nicht lesen können. Die Ausleihe ist übrigens gratis, die Bände müssen auch nicht in der Bibliothek zurückgegeben werden, das lässt sich auch in den jeweiligen Schwestern-Zimmern erledigen.

Denn gemeinsam mit ihren 22 ehrenamtlichen Helferinnen will die fix angestellte Bibliothekarin möglichst alle Hemmschwellen beseitigen. Weil die Idealistinnen wissen: Lesen und Vorlesen setzt positive Energien frei. Wohl deshalb kann der Bücherwagen nie zu schwer sein. Auch ohne Motorantrieb.

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