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Oberösterreich

6 Tote bei Amoklauf im Bezirksgericht - vor 15 Jahren

LINZ. Mit den Worten „Was ist das für eine Gerechtigkeit“ eröffnete vor 15 Jahren, am 10. März 1995, ein 63-Jähriger im Bezirksgericht Linz-Urfahr aus einer Pistole das Feuer. Fünf Menschen starben, zwei wurden verletzt. Die Wunden sind noch immer nicht verheilt.

Der Amoklauf

Höchste Anspannung am Tatort Bild: Hermann Wakolbinger

„Nord 1 für Donau. Sie fahren Einsatz zum Bezirksgericht Urfahr, Ferihumerstraße. Dort ist im Zimmer 209 eine Schießerei im Gange.“

Mit dieser Funkmeldung der Leitstelle „Donau“ an den Einsatzwagen „Nord 1“ der Polizei begann am 10. März 1995 um exakt 15.13 Uhr eine der bisher größten Herausforderungen für Exekutive und Rettungsorganisationen in Linz seit dem zweiten Weltkrieg.

„Wir waren zwei Minuten später am Einsatzort. Es war unheimlich schwer, die Lage einzuschätzen“, sagt einer der Beamten, der zuerst am Tatort eintraf. Die Polizisten laufen mit gezogenen Waffen in den ersten Stock des Gebäudes, am Gang liegen zwei leblose Menschen. „Er ist noch da“, schreien ihnen Bedienstete des Gerichtes zu.

„Wir haben nichts riskieren können und sind wieder zum Eingang zurück. Inzwischen waren auch die Kollegen des Mobilen Einsatzkommandos da“, erinnern sich Beamte. Neben „Nord 1“ und „Nord 2“ waren vier weitere Streifen der Polizei an den Tatort gerast. Im Gebäude knallt es. „Er ist sicher noch da“, rufen verzweifelte Angestellte aus Fenstern und ein Richter informiert die Beamten: „Er ist noch drinnen.“

„Ein blindes Hineinstürmen ist ein zu großes Risiko“, entscheiden die Einsatzleiter. Die Spezialkräfte des Mobilen Einsatzkommandos legen ihre Schutzkleidung an. Um 15.24 Uhr, 14 Minuten nach der Schießerei, dringen die Beamten in das Gebäude ein. „Gleichzeitig haben wir versucht, telefonischen Kontakt mit dem Zimmer 209 herzustellen, doch der Anschluss war dauernd besetzt“, sagen Beamte: „Eine Geiselnahme war daher für uns nicht auszuschließen.“

Inzwischen haben die Polizisten den ersten Stock des Bezirksgerichtes erreicht und gesichert. Für die beiden am Boden liegenden Menschen gibt es aber keine Rettung mehr: Der unbeteiligte Richter Erwin S. (40) und die Zeugin Heidemarie S. (34) sind tot.

Meter für Meter arbeiten sich die Beamten im Gerichtsgebäude vor, bis sie um 15.42 Uhr den Verhandlungssaal 209 im zweiten Stock erreichen. „Es war ein sehr belastender Eindruck. Im Saal lagen zwei Verletzte und drei tote Menschen. Der Verdächtige war nirgends zu finden.“ Während die Verletzten durch Notarztteams versorgt werden, sucht die Polizei im Gebäude weiter. Durch die Informationen aus dem Akt im Verhandlungssaal wissen sie, wen sie suchen: Rudolf Kehrer, 63 Jahre aus Bad Mühllacken.

„Nach dreimaliger Durchsuchung des gesamten Gebäudes steht um 17.10 Uhr fest, dass der Mann nicht mehr im Gericht ist. Auch zu Hause ist er nicht, wir haben dort durch ein Einsatzkommando der Gendarmerie bereits eine Suche veranlasst.“

Für die Beamten wurde anschließend auch klar: „Dass das Telefon im Saal 209 ständig besetzt war, hatte den Hintergrund, dass die verletzte Anwältin des Täters mit ihrer Kanzlei telefoniert hatte. Und dass es noch immer geknallt hatte, als wir bereits da waren, stellte sich als das Zuschlagen von Türen heraus.“

Wenige Minuten später bekamen die Beamten den Hinweis, dass der Verdächtige in ein Haus nach Lichtenberg bei Linz geflüchtet sein könnte. „Wir haben sofort ein Spezialteam von 17 Beamten nach Lichtenberg geschickt.“ Doch für sie gab es nichts mehr zu tun: Der Amokläufer hatte sich in der Garage des Hauses erschossen.

Noch in den späten Abendstunden konnte die Polizei das Drama rekonstruieren: Nachdem der Verhandlungsrichter Eugen K. (36) den 52-jährigen Beklagten Ludwig S. um 15.10 Uhr freigesprochen hatte, griff Kehrer zu seiner illegalen „Beretta“-Pistole, Kaliber neun Millimeter. Er schrie: „Was ist das für eine Gerechtigkeit“ und schoss auf den Verteidiger seines Gegners. Alfred E. (67) war sofort tot.

32 Schüsse im Gebäude

Kehrer schoss dann auf seinen Prozessgegner und den Richter, lief in den ersten Stock und erschoss die Zeugin und den unbeteiligten Richter. Noch während des Amoklaufes wechselte er das 16 Schuss fassende Magazin der Pistole und lief wieder in den Verhandlungssaal in den zweiten Stock. Kehrer schoss noch einmal auf den Richter und den Schriftführer (26) der Verhandlung. Auch seine eigene Verteidigerin (30) wurde durch Treffer verletzt.

Noch ehe die Polizei eintraf, konnte Kehrer nach insgesamt 32 Schüssen aus dem Gerichtsgebäude flüchten. Er raste mit einem roten Golf nach Lichtenberg und drückte ein letztes Mal ab.

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Artikel Gerhard Lukesch 09. März 2010 - 00:04 Uhr
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