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Übergangsrat will Gaddafi-Tod untersuchen

Von nachrichten.at/apa   27. Oktober 2011 17:02 Uhr

Zahlreiche Menschen kamen, um sich den toten Gaddafi anzusehen.
Zahlreiche Menschen kamen, um sich den toten Gaddafi anzusehen.

TRIPOLIS. Der libysche Übergangsrat will den Schützen vor Gericht stellen, der den früheren Diktator Muammar al-Gaddafi getötet hat. Das sagte der stellvertretende Vorsitzende des Rates, Abdelhafiz Ghoga, am Donnerstag vor der Presse in Benghazi.

Gumaa al-Gamati, ein Sprecher des Rates in London, betonte jedoch in einem Interview des Nachrichtensenders Al-Arabiya, erst müsse festgestellt werden, ob Gaddafi wirklich nach seiner Gefangennahme aus nächster Nähe exekutiert worden sei, oder ob er in einer Gefechtssituation gestorben sei.

Gaddafi war am Donnerstag vergangener Woche von einer Einheit der Revolutionstruppen in seiner Heimatstadt Sirte verletzt und gefangen genommen worden. Kurz darauf wurde seine Leiche in die Stadt Misrata gebracht. Der Übergangsrat hat versprochen herauszufinden, wie Gaddafi starb.

Handy-Videos zeigen lebenden Gaddafi

Zuvor waren im Internet verwackelte Handy-Videos aufgetaucht, die zeigen, wie der verletzte Gaddafi herumgeschubst wird. Weitere Bilder zeigen den leblosen Körper Gaddafis - mit blutverschmiertem Gesicht, sein Kopf weist eine Schusswunde auf.

Der Übergangsrat hatte erklärt, Gaddafi sei ins Kreuzfeuer zwischen seinen Getreuen und Kämpfern der Regierung geraten. Erst auf internationalen Druck hatte er zugesagt, die Todesumstände untersuchen zu lassen.

Der offenbar gewaltsame Tod Gaddafis und die tagelange Zurschaustellung seines Leichnams hatten Verstimmungen auch in den Ländern hervorgerufen, die den Aufstand in Libyen unterstützt hatten. Am Dienstag war Gaddafi, der jahrzehntelang in Libyen geherrscht hatte, an einem geheimgehaltenen Ort in der Sahara bestattet worden.

Wird Gaddafi-Sohn ausgeliefert?

Unterdessen stellt sich der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) auf eine mögliche Auslieferung des Gaddafi-Sohns Saif al-Islam nach Den Haag ein. Dafür gebe es "verschiedene Kanäle der Kommunikation mit dem Nationalen Übergangsrat" in Libyen, sagte Gerichtssprecher Fadi el-Abdallah am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings habe man vom Übergangsrat bisher keinerlei Bestätigung für Medienberichte erhalten, wonach der letzte noch in Libyen flüchtige Sohn Gaddafis tatsächlich bereit sei, über eine Auslieferung an den IStGH zu verhandeln.

Sollte dies tatsächlich zutreffen, gebe es für eine Überstellung und ein Verfahren gegen Saif al-Islam "verschiedene Szenarien", sagte der IStGH-Sprecher. "Zuerst brauchen wir aber eine Bestätigung durch den Übergangsrat. Erst dann könnte man darüber sprechen, welche Art von Kooperation wir leisten können."

Die Staatsanwaltschaft beim IStGH wirft Saif al-Islam sowie dem ehemaligen Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi Morde an Hunderten Zivilisten, Folterungen, militärische Gewalt gegen unbewaffnete Demonstranten und organisierte Massenvergewaltigungen vor. Wegen dieser mutmaßlichen Verbrechen hatte das Tribunal Ende Juni internationale Haftbefehle gegen den damaligen Machthaber Muammar al-Gaddafi, der inzwischen getötet wurde, sowie gegen Saif al-Islam und Senussi ausgestellt.

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