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Maria Vassilakou - Wiens erste migrantische Vizebürgermeisterin

Von nachrichten.at/apa   12. November 2010 11:58 Uhr

WIEN. Nicht nur Rot-Grün feiert in Wien Premiere: Mit der grünen Frontfrau Maria Vassilakou (41) bekommt die Bundeshauptstadt auch ihre erste Vizebürgermeisterin mit Migrationshintergrund.

Zugleich führt sie künftig ein Ressort, das die Verkehrs- und Planungsagenden sowie die Bereiche Energie und Klimaschutz umfasst. Seit 2004 ist die gebürtige Griechin grüne Klubobfrau im Wiener Rathaus. Bereits vor der Wahl hatte sich Vassilakou wiederholt als künftige Vizeregentin der Bundeshauptstadt angetragen.

Im Wahlkampf wollte es die bisherige Klubchefin auch als Strafe für die FPÖ verstanden wissen, sollte sie nach dem 10. Oktober die Stellvertreterin von Stadtoberhaupt Michael Häupl (S) werden. "Was kann Strache Grauslicheres passieren als eine Migrantin als Vizebürgermeisterin?", kalauerte sie beim grünen Wahlkampfauftakt Anfang September. Dieses Ziel ist ihr nun gelungen, obwohl ihre Partei bei der Wahl hinter SPÖ, FPÖ und ÖVP nur den vierten Platz erreichte.

Auch wenn sie von der Öffentlichkeit stets so wahrgenommen wird, ist Vassilakou nicht die grüne Parteichefin - diese Funktion gibt es bei der Ökopartei in Wien schlicht nicht. So fungiert die gebürtige Athenerin vielmehr als Aushängeschild der Wiener Grünen. Bei der Landesversammlung im Vorjahr wurde sie mit fast 99 Prozent Zustimmung zum zweiten Mal nach 2005 als Spitzenkandidatin für eine Wien-Wahl nominiert. "Die sechs (Nein-Stimmen, Anm.) werde ich auch noch finden und für mich gewinnen", hatte Vassilakou nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses gescherzt.

Tatsächlich ist es der Defacto-Parteichefin gelungen, die nicht immer vor Harmonie strotzende Landesgruppe zu einen. Von "Fundis" und "Realos" redete auf Landesebene in Wien kaum jemand mehr. Trotzdem machten die Wiener Grünen in den Monaten vor der Wahl dann erst wieder mit internen Konflikten von sich reden. Problemkinder sind die Bezirke: In der Josefstadt und in Mariahilf kam es zu offenen Auseinandersetzungen samt Abspaltungen.

Vassilakou hatte vor der Wahl angekündigt, deshalb auch in den Bezirken künftig die Listenerstellungen - der Anlass für die aktuellen Konflikte - früher und breiter zu diskutieren. Damit soll jener "Professionalisierungsschub" garantiert werden, der laut Vassilakou auch auf der Nationalrats- und Landtagsebene bereits eingetreten ist. Kopfzerbrechen bereitete im Vorjahr der Ökopartei aber gerade bei der Listenerstellung auch das eigene Parteistatut, das via Internet Hunderte User als sogenannte Unterstützer bei der Landesversammlung über Listenplätze für die Wien-Wahl mitbestimmen ließ.

Lebenslauf

Geboren wurde Vassilakou am 23. Februar 1969 in Athen als einziges Kind einer Goldschmiedin und eines Bauunternehmers. Nach der Matura in der griechischen Metropole kam sie 1986 an die Wiener Universität, um Dolmetscherin für Deutsch, Englisch und Französisch zu werden. 1989 begann sie dann das Studium der Sprachwissenschaft, das sie 1994 abschloss.

Vassilakous politische Laufbahn startete bereits an der Universität. 1995 erfolgte der Wechsel in den Grünen Klub im Wiener Rathaus. 1996 zog sie in den Landtag ein und wurde Integrationssprecherin der Grünen. Bereits bei der nächsten Wahl 2001 trat sie hinter Christoph Chorherr auf dem prominenten zweiten Listenplatz an und wurde nach dem Wahlerfolg nicht amtsführende Stadträtin.

Im Jänner 2004 wurde Vassilakou in den Bundesvorstand der Grünen gewählt, nachdem sie von 1997 bis 2001 bereits Mitglied im Landesvorstand der Wiener Grünen gewesen war. Bei der Wien-Wahl 2005 ging sie bereits als Spitzenkandidatin ins Rennen, zuvor war sie Chorherr als Klubvorsitzende gefolgt. Seit 2008 ist Vassilakou auch stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, wobei sie vorübergehend auch ganz an der Spitze stehen durfte - als Eva Glawischnig im Vorjahr eine Babypause einlegte. Ein politisches Angebot aus ihrer Heimat schlug sie hingegen 2009 aus: Sie hätte unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou stellvertretende Umweltministerin in Griechenland werden können.

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