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Kurz legte in Hiroshima Anti-Atomwaffen-Bekenntnis ab

HIROSHIMA/WASHINGTON/MOSKAU. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am letzten Tag seiner Ostasien-Reise die japanische Stadt Hiroshima besucht, wo vor fast 74 Jahren die erste Atombombe abgeworfen wurde.

Sebastian Kurz (L) und der Japanische Premierminister Shinzo Abe. Bild: (REUTERS)

Gemeinsam mit den Ministern Heinz Faßmann (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ) legte Kurz einen Kranz im Friedenspark von Hiroshima nieder.

Im daran angeschlossenen Dokumentationszentrum informierte er sich über die verheerenden Zerstörungen von 1945. Der Bundeskanzler traf am Samstag außerdem den Bürgermeister von Hiroshima, Kazumi Matsui, den Gouverneur der umliegenden Präfektur, HidehikoYuzaki, sowie zwei Überlebende der Tragödie. Die Gesprächspartner ersuchten den Gast, sich für eine Abschaffung der Atomwaffen weltweit einzusetzen. Kurz versprach, dass "wir uns als Republik Österreich weiter für eine atomwaffenfreie Welt einsetzen werden".

Bereits am gestrigen Freitag hatten Kurz und der japanische Premierminister Shinzo Abe nach einem Treffen in Tokio ihren Willen unterstrichen, für eine Welt ohne Kernwaffen zu kämpfen. Mit Blick auf das zweite Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un Ende des Monats waren sich die beiden Regierungschefs einig, dass die internationale Staatengemeinschaft die Bemühungen zur Lösung des Konflikts um das nordkoreanische Atomwaffen- und Raketenprogramm unterstützen sollte. Kurz lud Abe zu einem Gegenbesuch nach Österreich ein.

Vom ehemaligen Kriegsschauplatz Hiroshima geht jedes Jahr, wenn am 6. August des Angriffs der USA mit der Atombombe am Ende des Zweiten Weltkriegs gedacht wird, eine Botschaft des Friedens aus. Im Friedenspark - genau dort, wo die Bombe detonierte - läutet die Friedensglocke eine Schweigeminute ein und eine Appell gegen Kernwaffen ergeht an die ganze Welt.

Kurz schilderte nach der Kranzniederlegung einen angesichts der tragischen Geschichte "sehr bedrückenden Besuch" in Hiroshima während eines früheren Japan-Urlaubs. "Andererseits ist Hiroshima heute eine vitale, grüne und lebenswerte Stadt", betonte der Kanzler.

"Völlig unverständlich, dass solche inhumanen Waffen existieren"

Rund 140.000 Menschen starben damals an den unmittelbaren Folgen der Atombombe, ehe das Jahr 1945 vergangen war. 400.000 Einwohner hatte die Stadt auf der Insel Honshu davor gehabt. Seither hat sich Hiroshima zu einer Metropole mit mehr als einer Million Einwohnern entwickelt. Während über eine Million Touristen jährlich den Friedenspark und das Dokumentationszentrum besuchen, leiden und sterben auch mehr als sieben Jahrzehnte nach der Katastrophe zahlreiche Menschen an den Spätfolgen der atomaren Strahlung.

Der 87-jährige Sadao Yamamoto hat nicht nur überlebt, sondern ist von solchen Spätfolgen verschont geblieben. Er war 14 Jahre alt und ging in die Mittelschule, als die Atombombe abgeworfen wurde. Damals kam er mit Verbrennungen an einer Körperhälfte und einer Magen-Darm-Krankheit, weil er verstrahltes Gemüse gegessen hatte, davon, erzählte Yamamoto österreichischen Journalisten. "Für mich ist völlig unverständlich, dass solche inhumanen Waffen weiter existieren", so der Überlebende.

Für Bürgermeister Matsui ist derzeit die Aufkündigung des INF-Abrüstungsvertrags zur Abschaffung aller nuklearer Mittelstreckenraketen zwischen den USA und Russland ein brennendes Thema. Matsui überbrachte den Botschaftern beider Länder in Tokio den Appell, den INF-Vertrag aufrecht zu erhalten, wie er sagte. Eine weitere Tragödie wie jene von Hiroshima müsse um jeden Preis vermieden werden. Eine Zusage erhielt Matsui freilich nicht. Die Botschafter hätten allerdings nur die jeweils andere Seite beschuldigt, für das Aus von INF verantwortlich zu sein.

Atompolitisches Thema ist in Japan derzeit auch der UNO-Atomwaffenverbotsvertrag, den Österreich mitinitiiert hat. Japan hat bisher nicht unterschrieben - wohl mit Blick auf die USA, die heute nicht mehr Gegner, sondern enger sicherheitspolitischer Verbündeter Japans sind und ebenfalls nicht unterzeichnet haben.

 

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Artikel nachrichten.at/apa 16. Februar 2019 - 11:41 Uhr
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