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Mauritius: Ein buntes Inselparadies

Von Eike-Clemens Kullmann, 05. Februar 2023, 09:30 Uhr
Ein buntes Inselparadies
Ein besonderes Farbenspiel: „Seven Coloured Earth“ in Chamarel Bild: eku

Tiefenentspannung für Erholungsuchende an Traumstränden. Dazu eine Melange unterschiedlichster Kulturen, Farben und Aromen. Das alles erwartet die Besucher des kleinen Eilands Mauritius im Indischen Ozean.

Zwei Briefmarken machten die Insel weltberühmt: die Blaue und die Rote Mauritius. Bei uns ruft sich das Eiland im Indischen Ozean jährlich im Dezember in Erinnerung – mit dem TV-Kultfilm "O Palmenbaum" mit Erwin Steinhauer, Mona Seefried, Inge Konradi und Johanna von Koczian. Die dabei gezeigten Strände machen das winzige Fleckchen Erde für viele zum Sehnsuchtsort. Türkisfarbenes Wasser, Lagunen und weiße Strände so weit das Auge reicht. Von 330 Kilometern Küste sind rund 160 Sandstrand unter Palmen. Das Einzigartige dabei ist, dass alle für jedermann frei zugänglich sind.

Schon beim bloßen Ansehen scheint man förmlich zu spüren, wie man in das weiche Weiß eintaucht, die Sonne die Haut liebkost (eingecremt, versteht sich) und einen das gleichmäßige Plätschern des Ozeans rasch allen Stress von zu Hause vergessen lässt. Erholung liegt nahe – etwa am Strand "Flic en Flac". Acht Kilometer lang, lässt es sich hier gut spazieren gehen, und baden sowieso.

Ein buntes Inselparadies
Meer bzw. Lagune und Strand Bild: eku

Mauritius, das Paradies

Der Name "Flic en Flac" stammt von einem altholländischen Ausdruck – "Fried Landt Flaak", was freies, flaches Land bedeutet. Was der Besucher nicht sieht, den Einheimischen aber große Sorgen bereitet, ist, dass der Klimawandel mit dem Anstieg des Meeresspiegels dieses Paradies anknabbert. Die Erosion, das zeigen jüngste Studien, verursacht alleine bei "Flic en Flac" einen Rückgang der Küstenlinie um 2,7 Meter pro Jahr.

Der winzige Punkt im Indischen Ozean – rund 1000 Kilometer von Afrika entfernt – ist 64 Kilometer lang und 55 Kilometer breit und bietet mit seinen 1,26 Millionen Einwohnern viel mehr als Strand, Meer und Palmen. Mark Twain zitierte in seinem Reisebericht "Following the Equator" einen Einheimischen, der von Mauritius schwärmte: "Zuerst schuf Gott Mauritius, dann das Paradies. Doch das Paradies war nur eine Kopie davon." Land und Leute wirken wahrlich wie ein Paradies. Daran ändert nichts, dass es auf Mauritius durchaus kräftig regnen kann. Es ist ein warmer Guss, den die Menschen als "flüssigen Sonnenschein" bezeichnen und der oftmals nur kurz dauert. Er bringt aber eben auch das Wasser, das die üppige Vegetation dringend benötigt.

Ein buntes Inselparadies
Der Black River Gorges Nationalpark – in der Ferne das Meer Bild: eku

Gerade nach einem heftigen Regenguss erstrahlt die Landschaft nahe dem Ort Chamarel im Westen der Insel in einem einzigartig farbigen Glanz. An dem nach Charles Antoine de Chazal de Chamarel (der Franzose lebte um 1800 hier) benannten Ort, hat die Natur etwas Surreales zu bieten, das die Fantasie anregt. Der erste Geopark der Insel – "Seven Coloured Earth" – enthüllt 600 Millionen Jahre Geschichte und ist ein einzigartiges Naturschauspiel. Auf den ersten Blick sieht es aus wie im Photoshop bearbeitet. Aber es waren Vulkane, deren Überreste an der Oberfläche freigesetzte Mineralien rund um den erloschenen Krater die Erde in allen Regenbogenfarben schimmern lassen. Wenige Meter weiter und einige Stufen hinauf bietet sich ein Blick auf die Wasserfälle von Chamarel. Diese stürzen über die Basaltklippe 100 Meter in die Tiefe.

Naturliebhaber sollten den nahe liegenden Black River Gorges Nationalpark mit dem höchsten Berg der Insel, dem 828 Meter hohen Piton de la Riviere Noire, keinesfalls links liegen lassen. "Die Schlucht des Schwarzen Flusses ist seit 1994 Nationalpark, erstreckt sich über 7000 Hektar und bietet 100 Kilometer Wanderwege. Dabei sind Affen, Wildschweine und verschiedene dschungelartige Baum- und Pflanzenarten, aber auch schroffe Bergrücken zu sehen. Ein spannender Kontrast zu den Bilderbuchstränden an der Küste", sagt Yan de Maroussem, Gründer des Trekkingagentur Yanature.

Mauritiustaube statt Dodo

Freilich, bei all der Flora und Fauna: Das Wappentier, den Dodo, sucht der Besucher vergeblich. Die Holländer nannten den flugunfähigen Vogel einst "Dickarsch", der offensichtlich so gut mundete, dass er bereits vor 300 Jahren ausgerottet wurde. Wer Glück hat, erspäht dafür die seltene, rosafarbene Mauritiustaube.

Ein buntes Inselparadies
Die rosafarbene Mauritiustaube Bild: eku

Nach dem erwanderten Naturerlebnis darf eine (flüssige) Stärkung nicht fehlen. Was wäre da naheliegender als ein Abstecher in die Rhumerie de Chamarel. Diese liegt in einem fruchtbaren Tal, das von seinem eigenen Mikroklima beeinflusst wird. Auf 35 Hektar wird Zuckerrohr angebaut – "alles von Hand bearbeitet", sagt Natacha, die uns bei einem Rundgang durch die Brennerei die Schritte der Produktion zeigt.

Alles in der Destillerie laufe biologisch ab, versichert sie. Und die aus der Melasse des Zuckerrohrs gewonnenen Produkte schmecken vorzüglich. Acht Sorten gibt es zum Abschluss der Führung in einem lauschigen Garten unter Litschibäumen zum Verkosten. Wenn Sie Glück haben, leistet Ihnen dabei ein kleiner Ornament-Taggecko Gesellschaft.

Ein buntes Inselparadies
Tierischer Gast beim Rumkosten Bild: eku

Wer sich danach selbst hinters Steuer eines Autos klemmen will, sollte zurückhaltend beim Verkosten sein. Für eine "Rum-Reise" haben die Polizisten – wegen ihrer blauen Uniformen "blue sharks" (blaue Haie) genannt – kein Verständnis. Nationalgetränk hin oder her – hier gelten 0,0 Promille.

Schmelztiegel der Kulturen

Die Menschen auf Mauritius schätzen aber nicht nur ihr Nationalgetränk. Sie essen auch gerne. Und ihre Küche ist ein einzigartiger Mix, der sich aus verschiedenen Wurzeln speist: europäische Kolonialherren (Holländer, Franzosen, Engländer), afrikanische Sklaven, indische Einwanderer, die nach der Abschaffung der Sklaverei als Arbeitskräfte kamen, und chinesische Kaufleute. Aus dem Kontakt der Sprachen entstand das Morisyen, eine französisch basierte, den Alltag bestimmende Kreolsprache.

Ein buntes Inselparadies
Frisches Obst – hier Litschis – an den Verkaufsständen am Straßenrand Bild: eku

Harmonie und Respekt

Touristiker Michael Geerdharry beschreibt das so: "In der Schule schreibt der Lehrer eine Frage auf Englisch an die Tafel, erklärt diese auf Französisch, und die Kinder antworten ihm in Kreolisch." Englisch ist zwar die Amtssprache auf Mauritius, geredet wird jedoch lieber Französisch, vor allem aber Kreolisch. Das Besondere neben dieser Dreisprachigkeit: Die Menschen sind stolz darauf, in Vielfalt der Kulturen und Ethnien auf der Insel in Harmonie und Respekt friedlich zusammenzuleben.

Das spiegelt sich in der Buntheit der Speisen. Indische Currys gehören dazu wie kreolische "Rougaille", muslimische Biryanis, chinesische "Boulettes" und französische Baguettes. Wer in diese lokale Küche eintauchen will, ist bei den "Taste Buddies" in besten Händen. Adrien Celine – "wie Celine Dione", sagt er und lacht – leitet die schmackhafte Tour durch Grand Baie, eine pulsierende Stadt im Norden. "Ein echter Mauritius-Urlaub geht über den Strand hinaus und führt in das Herz der Insel. Die Kultur ist das Herz und das lokale Essen der Pulsschlag, der es lebendig macht", sagt Adrien bei der dreistündigen Food-Tour durch vier unterschiedliche Lokale, die sich als Erlebnis in punkto Geschmack entpuppt.

Ein buntes Inselparadies
Marie-Michelle Lindor lädt in Midlands zum gemeinsamen Kochen und Essen ein. Bild: eku

Sie wollen bei der Zubereitung mauritischer Köstlichkeiten selbst Hand anlegen? Dann müssen Sie zu Marie-Michelle Lindor und Brigitte Calotte im "Kot Marie Michele" in einem Dorf (Midlands) in der Mitte der Insel. Die Freundinnen starteten 2013 mit ihrem Spezial-Gasthaus. "Alle Gerichte sind Teil unserer Geschichte. Es ist wichtig, dieses Erbe zu bewahren", sagt Marie-Michelle. Man könnte die Vielfalt des Essens auch so umschreiben: Ein bisschen Afrika, ein Hauch Europa und eine Prise Asien. Alles in einem Topf umgerührt, ist das Geheimnis kreolischer Küche.

Beim Eintreten schlägt uns der Geruch brennenden Holzes entgegen. "Ich liebe es, über offenem Feuer zu kochen", sagt Marie-Michelle. Dann laden uns die Damen in ihr Reich, die Küche, ein, in der ihnen die Dritte im Bunde, Maryline, zur Hand geht. Den Rauch, der die Augen reizt, löst rasch der Duft der – dann doch – ohne unser Zutun zubereiteten Speisen ab, die wir schließlich am Tisch der Gastgeberinnen mit diesen bei angeregtem Plaudern über das Insel-Paradies gemeinsam genießen können.

Anreise: Von Österreich gibt es Direktflüge nach Mauritius (AUA von Wien aus). Flugdauer knapp mehr als 10 Stunden.

Reisezeit: Mauritius hat relativ mildes Klima, die Temperaturen bleiben das ganze Jahr hindurch konstant mit zeitweisen Niederschlägen. Sehr empfehlenswert von April bis Juni sowie September bis Dezember.

Unterkünfte: Die Auswahl für Übernachtungen in unterschiedlichen Preiskategorien ist groß. Im Südwesten der Insel etwa das Drei-Stern-Hotel Veranda Tamarin (ab 735 Euro), an der Lagune Ansa la Raie im Norden das mit Umweltpreisen ausgezeichnete Vier-Stern-Hotel Lagoon Attitude (ab 645 Euro) und im Süden das Fünf-Stern-Hotel Heritage Awali (ab 1603 Euro). Preise pro Person und Woche im Doppelzimmer.

Informationen unter mauritiusnow.com/de

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Autor
Eike-Clemens Kullmann
Redakteur Außenpolitik, Weltspiegel
Eike-Clemens Kullmann
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4  Kommentare
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u25 (5.012 Kommentare)
am 06.02.2023 09:10

Herrliches Land und sehr freundliche Menschen

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dachbodenhexe (5.703 Kommentare)
am 05.02.2023 10:58

Ist es Angesichts des drohenden Klimawandles überhaupt noch angebracht daß die Medien Werbung für Fernreisen machen?

Im Namen des Umweltschutzes werden uns neue Steuern auferlegt, wenn es jedoch um sehr umweltbelastende Fernreise geht ist der Klimaschutz plötzlich kein Thema mehr.

Ich würde mir etwas mehr Konsequenz, mehr Geradlingkeit wünschen ansonsten ist man geneigt die ganze Klimahysterie nur als manipulativen Deckmantel zur Kontrolle und Abzoke der Bevölkerung zu betrachten.

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netmitmir (12.413 Kommentare)
am 05.02.2023 11:09

Bleibens auf ihrem Dachbodenmit aussuicht auf den lokalen Kirchturm und streichens das grüne Brett vor Kopf regelmässig.

Übrigens : Haben Sie schon den Reisebericht der Last Generation von deren Bali-Reise gelesen, von wegen weniger Verlogenheit

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bvb22 (1.269 Kommentare)
am 05.02.2023 14:54

Die Letzte Generation fliegt auch in den Urlaub also dürfen wir das auch

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