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Gesundheit

Ungewöhnliches Geschenk: Eine Niere für die ziemlich beste Kollegin

Von Claudia Riedler   24. Dezember 2016 00:04 Uhr

Ungewöhnliches Geschenk: Eine Niere für die ziemlich beste Kollegin
Eine ganz besondere Verbindung: Elke Dorls (re.) spendete eine Niere für ihre Kollegin Martina Fichtenbauer.

Bei den Elisabethinen in Linz wurde das Organ transplantiert, alles verlief gut.

"Ich hatte das Gefühl, etwas Großes, etwas Richtiges zu tun. Und es war ein Abenteuer", sagt Elke Dorls, Lehrerin aus Opponitz im Mostviertel. Die 53-Jährige hat ihrer "ziemlich besten Kollegin" vor drei Jahren eine Niere gespendet. "Wir waren keine Freundinnen, aber beruflich eng verbunden", so beschreibt sie das Verhältnis zu Martina Fichtenbauer. "Ich wusste, dass es ihr nicht gut geht, und ich wollte sie als Kollegin nicht verlieren. Die Lösung war: Ich spende eine Niere", sagt Dorls.

Martina Fichtenbauer (52) leidet an einer Polyzystischen Nierenerkrankung. "Die Diagnose erhielt ich bei meiner Schwangerschaft. Ich hatte aber lange keine Probleme damit", sagt die Lehrerin aus Waidhofen/Ybbs. Sie musste "nur" Diät halten, konnte keine Schokolade und kaum Gemüse essen. "Aber die Windringerl zu Weihnachten, die haben mir immer geschmeckt", sagt sie.

Nierenversagen mit 50

"Die Polyzystische Niere ist eine vererbte Krankheit", erklärt Primar Daniel Cejka, Nierenspezialist bei den Elisabethinen in Linz. Der Gendefekt betreffe nur die Niere, der Rest des Körpers sei gesund. "Lange Zeit bemerkt man gar nichts, irgendwann haben die Patienten aber mit Wassereinlagerungen von den Füßen bis zur Lunge zu tun. Die Gifte reichern sich im Körper an, man ist kaum belastbar." Etwa mit 50 komme es schließlich zum Nierenversagen, dann müsse man zur Dialyse.

Oder man bekommt eine Niere geschenkt. "Frau Fichtenbauer blieb dadurch die Dialyse ganz erspart, das ist eher selten", sagt Cejka. Über den "Dialyse-Zugang", der etwa sechs Wochen vor der ersten Blutwäsche gelegt werden muss, sei aber bereits diskutiert worden.

Die Kollegin kam dem zuvor. "Was hältst du davon, wenn ich dir eine Niere gebe?" fragte Elke Dorls eines Tages. Die Entscheidung war während der Sommerferien 2012 gefallen. "Zunächst hatte ich Herzklopfen und war hin und hergerissen zwischen Vernunft und Gefühl", erzählt Dorls. Sie habe ihren Onkel, ein Tierarzt, gefragt, der ihr sagte, dass man gut mit einer Niere leben könne. Sie besprach sich mit ihrem Mann, ihrer Mutter, den Kindern. Alle waren dafür.

Martina Fichtenbauer nahm das Angebot an. Zuvor hatte sich schon ihr Ex-Mann testen lassen, seine Niere war aber nicht kompatibel. "Ich dachte mir, wenn sie das möchte ...", sagt Fichtenbauer. Dennoch sorgte sie sich wegen der Strapazen, die ihre Kollegin auf sich nehmen musste.

Nach dem ersten Gespräch bei den Elisabethinen stand für Dorls der Entschluss fest. "Der Arzt gab mir viel Sicherheit. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich kein Herzklopfen mehr, aber eben dieses starke Gefühl, das Richtige zu tun."

Alles muss passen

"Voraussetzung ist, dass man freiwillig und unentgeltlich spendet, man wird psychologisch geprüft und muss völlig gesund sein", erklärt Primar Cejka. Die Blutgruppe spiele eine Rolle, "obwohl wir seit acht Jahren auch Blutgruppen-ungleiche Nieren transplantieren". Ein abschließender Crossmatch-Test zeigt, ob die immunologische Verträglichkeit gegeben ist.

Bei den Kolleginnen passte alles. Die Entnahme der Niere und anschließende Transplantation fand am 17. Jänner 2013 statt. Alles verlief glatt. "Als man mir noch im Aufwachraum sagte, dass die Niere bei meiner Kollegin angeschlagen hat, musste ich weinen. Dann wurde ich zu ihr hinüber gefahren, sie war schon wieder voll fit. Das war ein feierlicher Moment", sagt Spenderin Dorls. Nach nicht einmal einer Woche waren beide wieder aus dem Krankenhaus entlassen.

Mehr als Dankbarkeit

"Seither geht es mir viel besser, nicht nur gesundheitlich", sagt Fichtenbauer. "Es ist das Bewusstsein, dass ich wegen dieses Geschenks vieles wieder tun kann." Sie habe sofort mit dem Rauchen aufgehört und war auf dem Gipfel des Dachsteins. "Das Gefühl ist mehr als Dankbarkeit, es fühlt sich im Herzen so richtig gut an."

Auch bei Elke Dorls hält das gute Gefühl an. "Ich habe meinem langjährigen Lebensgefährten einen Antrag gemacht. Man kann doch nicht der Kollegin eine Niere spenden, aber den Lebenspartner nicht heiraten", erzählt sie.

Die beiden Frauen fühlen sich einander verbundener denn je. "Das zeigt sich beispielsweise, wenn wir im Kaffeehaus sitzen und übers Leben philosophieren. Das ist, als hätten zwei Seelen zueinander gefunden."

 

Nierentransplantation

60–70 Nierentransplantationen werden im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz durchgeführt. Rund jede vierte ist eine sogenannte „Lebendspende“. Das ist die höchste Rate in Österreich. Nierentransplantationen werden in Wien, Graz, Innsbruck und bei den Elisabethinen in Linz gemacht.

3,5 Jahre wartet man im Durchschnitt auf die Niere eines verstorbenen Organspenders. „Die Warteliste ist lang“, sagt Primar Daniel Cejka. Fünf bis sechs Prozent der Patienten sterben, bevor sie eine Niere bekommen.

14 Jahre lang kann der Empfänger mit einer gespendeten Niere im Durchschnitt sehr gut leben. „Es können aber auch 25 bis 30 Jahre oder länger sein“, sagt Primar Cejka.
Die meisten „Lebendspender“ kommen aus der Familie, entweder Eltern und erwachsene Kinder oder der Ehepartner. Dass die Nierenspende von einer nicht verwandten Person kommt, ist sehr selten.

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