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Kultur

"Pain & Gain": Kümmerliche Machos und dauerrollige Miezen

Von Bernhard Lichtenberger   24. August 2013 00:04 Uhr

Kümmerliche Machos und dauerrollige Miezen
Drei Muskelmänner auf dem Weg zum Reichtum: Mackie, Wahlberg, Johnson (v.l.)

Michael Bayr neuster Coup: "Pain & Gain" - Aufgeblasene Körper in der Hochglanz-Auslage.

An der Copacabana und am Schotterteich, bei Muskeln werden alle Mädchen weich, wusste schon die Erste Allgemeine Verunsicherung. Den drei Hantelschupfern aus Miami, die Krawumm-Regisseur Michael Bay in „Pain & Gain“ in die Hochglanz-Auslage stellt, genügt das erotische Moment ihrer aufgeblasenen Körper nicht.

Angestachelt vom primitiven Motivationsseminar eines asiatischen Ellenbogenkünstlers mit „Macher oder Schwacher“-Slogan, strebt das Sixpack-Trio den amerikanischen Traum auf seine Art an: Jeder kann alles erreichen, notfalls mit Gewalt.

„Leider handelt es sich um eine wahre Geschichte“, wird eingangs bedauert – wohl eine ironische Entschuldigung dafür, dass der Bogen in der Folge ordentlich überspannt wird: Männer werden als kümmerliche Machos gezeichnet, Frauen als unbedarfte, rollige Miezen, Cops als ignorante Tölpel.

Tatsächlich zugetragen hat sich Mitte der 1990er Jahre, dass drei Bodybuilder, deren Bizepse wesentlich gebildeter als sie selbst waren, einen wohlhabenden Firmenchef trotz unsäglicher Hoppalas entführten und ihn so lange quälten, bis er ihnen sein Hab und Gut überschrieb. Weil der Neid ein Hund, die Gier aber ein Monster ist, strickten sie ihre Masche weiter – mit ungesundem Ausgang.

Bays Blockbuster-Griffel

Michael Bays Erzählform vermisst eine klare Linie. Womit haben wir es hier zu tun? Mit einer überdrehten Action-Komödie, einer schwarzhumorigen Gesellschaftsparodie oder einer zynisch-satirischen Abrechnung mit dem American Way of Life? Man wünschte sich, dass die Regie-Fäden nicht in Blockbuster-Griffeln, sondern in begnadeteren Händen gelegen wären, denken wir an die Coen-Brüder („Fargo“) oder an Quentin Tarantino („Reservoir Dogs“).

Auf der Habenseite steht das entzückende Spiel der Protagonisten. Mark Wahlberg imponiert als Fitness-Apostel mit einfältiger „Will haben!“-Attitüde. Hüne Dwayne Johnson brilliert als entlassener Häfenbruder im Jesus-Taumel, der sich die letzten Gehirnwindungen mit Kokain wegschnupft. Anthony Mackie hat an Potenz eingebüßt, was er an Muskeln gewonnen hat. Tony Shalhoub („Monk“) verdient sich als schäbiger Neureicher die Opferrolle. Und Ed Harris fällt als Detektiv auf, weil er normal ist.

„Pain & Gain“ (USA 2013, 129 Min.), Regie: Michael Bay

OÖN Bewertung:

 

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