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Musiktheater

Rohbaustelle Musiktheater: Künstler auf Stipvisite

Von Peter Grubmüller   09. Juni 2011 00:04 Uhr

Der Arbeitsplatz Musiktheater
Bruckner-Orchester-Geiger Josef Herzer träumt davon, Werke in Originalbesetzung zu spielen.

Das Linzer Musiktheater soll nach seiner Eröffnung im April 2013 nicht nur sein Publikum verführen. Es ist auch Arbeitsstätte für Hunderte. Die OÖNachrichten haben den Rohbau mit diesen Menschen besucht – von Maskenbildnerin bis Geiger, von Tontechniker bis Sängerin – und mit ihnen unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche und Hoffnungen festgestellt.

„Ich komme mir so winzig vor in diesem Koloss, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass mich die Zuschauer auf der Bühne noch erkennen“, sagt Katerina Hebelkova. Die tschechische Mezzosopranistin singt seit Dezember 2008 im Linzer Landestheater, diesen Sommer gastiert sie im Mörbischer „Zigeunerbaron“ als Czipra. Mit großen Augen steht sie vor dem riesigen Betonschlund, in den die Bühne eingesetzt wird, dann nickt sie: „Aber das alles ist ein großer Anreiz für Künstler, in Linz zu bleiben. Und wenn viele Musicals notwendig werden, um das Haus mit Publikum zu befüllen, dann soll das so sein – dieses Musiktheater ist groß genug, dass Oper, Operette und Musical nebeneinander leben können.“

Kascheurin (Plastikerin) Daniela Eremia wäre es eine Freude, wenn Musicals in Linz heimisch werden würden. „Die sehe ich am liebsten, und sonst hoffe ich, dass man mich große Plastiken machen lässt, obwohl in meiner neuen Werkstatt zwei störende Säulen stehen, die angeblich statisch notwendig sind.“

Tontechniker Robert Doppler will endlich einen Linzer Theaterraum optimal beschallen. So oft musste er sich für die miserable Akustik im Großen Haus entschuldigen. Sein Minimalziel sind „die akustischen Standards des Raimundtheaters und des Ronacher in Wien. Pro Abend werken dort fünf Tontechniker, bei uns maximal zwei. Wir schaffen das, aber jetzt sind wir insgesamt zu fünft. Es wurde uns versprochen, dass einer oder zwei dazukommen.“ Wie teuer die Tonanlage werden wird, will Doppler nicht schätzen, „einige Millionen Euro sicher“. Die Ausschreibung läuft gerade.

Werkstättenleiterin Kerstin Wieltsch soll auch mehr Personal bekommen – 24 statt bisher 20 Mitarbeiter, heißt es. Anders wird der Mehraufwand nicht zu schaffen sein, obwohl mit der neuen Montagehalle die Zeiten vorbei sind, in denen wie bisher Bühnenbilder auf der Hauptbühne gebaut werden. Wieltsch: „Jetzt arbeiten wir auf drei Ebenen mit nur einem Transportlift, in Zukunft auf einer Ebene, so gesehen wird es leichter.“

Damen-Maskenbildnerin Anita Bachl ärgert sich schon heute: „Für uns verschlechtert sich alles. Die Maske ist zu klein, zehn Arbeitsplätze, obwohl wir jetzt schon 14 sind, mit denen wir ab 2013 auch nicht mehr auskommen. Es sind so viele Quadratmeter (rund 50.000, Anm.), und wir kriegen weniger...“ Zurzeit helfe man sich unter den Abteilungen gegenseitig, damit der Betrieb läuft, „aber dann sind wir zerrissen, Blumau und Promenade, dann geht das nicht mehr.“

Geiger Josef Herzer schwärmt davon, Werke endlich in orchestraler Originalbesetzung zu spielen. Im kleinen Orchestergraben war das selten möglich. „Und die Akustik im Großen Haus ist so, als würde man in einen Karton hineinspielen – nicht die Lautstärke, ich meine die Klangqualität“, sagt er. Und erstmals wird er die Sänger selbst sehen können: „Jetzt sitzen wir so weit unten und sind vom Dirigenten abhängig – aber wenn der einen Fehler macht, dann hat das fatale Auswirkungen.“

Die künstlerische Entwicklung bewertet Tänzer Daniel Morales Pérez höher als ihr Gehäuse. „Gut, wir bekommen mehr Platz, allein für uns Tänzer viermal so viel, aber die Leute interessieren sich für gute Produktionen, für besondere Choreographien, nicht für ein großes Theaterhaus...“

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