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Linz 09

Linzer Wahrzeichen ist 09-Statist

Von Von Peter Grubmüller   02. April 2009 00:04 Uhr

Die Wirtschaftskrise gedeiht zur beliebten Ursache für schlechte Neuigkeiten. Sie sei auch daran schuld, dass die Intendanz von Linz09 am Dienstag das Scheitern des bemerkenswerten Projektes „Der Heilige Berg“ (Budget: 850.000 Euro) verkünden musste.

Das Konzept, den Pöstlingberg aus anderen Perspektiven sichtbar, auf neuen Wegen begehbar und völlig neu erlebbar zu machen, tanzte seit mehr als drei Jahren in den Köpfen der Linz09-Verantwortlichen herum. Am 12. Juni hätte das Projekt starten sollen, am 31. März wurde es abgesagt.

Warum eigentlich? „Das kann ich nicht sagen. Wir haben die gleichen Gründe kommuniziert bekommen, die jetzt in der Öffentlichkeit sind, für uns ist es einfach ein Schock“, sagt die projektverantwortliche Kuratorin Maren Richter. „40 Künstler waren an den 20 Projekten beteiligt und dann passiert so etwas einen Monat vor Produktionsbeginn.“ Zusammen mit ihrem Kurator-Kollegen Charles Esche hatte Richter zwar eine Sparversion erarbeitet, Linz09-Intendant Martin Heller hatte sich trotzdem zur Absage veranlasst gesehen, weil ein bisher noch nicht unterschriebener Sponsorvertrag nicht in der geplanten Höhe zustande gekommen sei. Heller: „Früher war die Unterschrift nicht möglich, weil es vor dem Konzept (für ein drei Jahre altes Projekt, Anm.) keinen Vertrag geben kann. Den Ausfall mussten wir dort kompensieren, wo wir selbst Produzierende sind und das trifft bei diesem Projekt zu.“

Welches Unternehmen nicht mehr bereit war, die erwartete Summe zur Verfügung zu stellen, wollte Heller „wie bei Sponsorendetails üblich“ nicht verraten. Außerdem sei über genaue Zahlen nur der kaufmännische Linz09-Leiter Walter Putschögl informiert. Putschögl auf OÖN-Anfrage: „Die Zahlen über Produktionsbudgets kennt nur Martin Heller.“

An der Tatsache, dass dieses Projekt nun den verheerendsten Abschluss von künstlerischer Arbeit – seine Absage – erlebt, sei wie auch immer nicht mehr zu rütteln. An alle beauftragten Künstler würden nun Abschlagzahlungen geleistet werden, der Rest (Heller: „beträchtlich mehr als die Hälfte des ursprünglichen Budgets von 850.000 Euro) stehe der Linz09-Planungsreserve zur Verfügung.

Das künstlerische Bespielen des Pöstlingbergs wäre, so Heller, auch nicht mit Umschichtungen zu retten gewesen. Man erinnert sich ja noch, dass die bereits komponierte Auftragsoper „Montezuma – Fallender Engel“ von Bernhard Lang ebenfalls abgesagt wurde und die für die Produktion veranschlagte Million Euro noch irgendwo herumliegt. Heller: „Dieses Geld müssen wir zurückhalten, zumindest den Streitwert, weil es in dieser Angelegenheit eine Klagsandrohung (von bereits engagierten Künstlern und vom „Klangforum Wien“, Anm.) gibt.“

Für Maren Richter ist trotz der Erklärungen nicht alles beantwortet, „etwa die Frage, ob es tatsächlich zur Absage kommen musste und ob man es nicht anders machen hätte können – ich hätte anders entschieden, außer von der Absage schockiert zu sein, haben wir nichts mehr tun können.“

Natürlich bleibe in der Linz09-Inszenierung für den Pöstlingberg, dem Wahrzeichen der Stadt, auch noch eine Rolle übrig. Heller: „Beim Projekt Parade.“ Schön, wenn sich einige am 3. Mai – und nur am 3. Mai – zum Musizieren auf der Moarwiesn treffen.

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