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Wie sich der Klimaschutz und die Architektur vereinbaren lassen

WIEN. Rund 70 Prozent des Abfalls in Österreich entstehen im Bereich der Gebäude.

Wie sich der Klimaschutz und die Architektur vereinbaren lassen

Energieeffizienz hat nicht nur mit Isolierung zu tun, sondern auch mit den gewählten Baumaterialien. Bild: WAG

Um die in Paris gesetzten Klimaziele zu erreichen, wäre der Gebäudesektor prädestiniert, einen überproportionalen Beitrag zu leisten. Wie sich Klimaschutz und Architektur vereinbaren lassen, darüber diskutierten Experten aus Theorie und Praxis bei einer Podiumsdiskussion der Bundes-Ziviltechnikerkammer auf dem Erste-Campus in Wien.

Architekt Georg Reinberg hielt ein Plädoyer für eine Architektur, die aus energetischer Effizienz eine neue Form der Ästhetik entwickelt. Die Aufgabe von Architekten sei es, stets auf die Herausforderungen ihrer Zeit zu reagieren und dies in Architektur umzusetzen. Was unserer Zukunft nicht zuträglich sei, könne dementsprechend auch nicht als schön bezeichnet werden, so Reinberg.

Material aus der Region

Das blieb nicht ganz unwidersprochen. Architektin Elsa Prochazka sagte, bei Gebäuden solle nicht ausschließlich ihre Isolierung diskutiert, sondern vielmehr die Isolation der Gebäude im Gesamtzusammenhang betrachtet und vermieden werden. Außer den energetischen Maßnahmen sieht sie ebenso Potenzial bei neuen Nutzungsstrategien und -synergien. Auch Themen wie Materialeinsatz, Vorfertigung on demand und Baustellenlogistik würde man stärker entwickeln müssen.

Der Architekturtheoretiker und -publizist Otto Kapfinger bemängelte die Konzentration auf Funktionalität, dadurch wären nachhaltige Qualitäten der Architektur verloren gegangen. Dies sei insbesondere auch hinsichtlich verwendeter Materialien der Fall. "Wir haben verlernt, mit dem zu arbeiten, was vor Ort vorhanden ist, etwa Lehm als Baustoff", so Kapfinger. Der Architekt Simon Speigner knüpfte an das Thema Material an: Ein Holzhaus wachse in zwei Sekunden nach, warf er ein. Durch das Ausnutzen des natürlichen Kreislaufs der Materialien werde Raum "von einer Immobilie zur Mobilie".

Ähnlich argumentierte Peter Bauer, Ingenieurkonsulent für Bauingenieurwesen. Er wolle die spezifische Materialdebatte hintanstellen und vielmehr das Problem des Recycelns von Gebäuden in den Blickpunkt stellen: Rund 70 Prozent des Abfalls in Österreich würden im Bereich der Gebäude entstehen, 50 Prozent bedingt durch den Aushub. Es sei untragbar, dass für den Rückbau und die Wiederverwendung von Gebäuden planerisch noch nicht vorgesorgt werde, sagte Bauer. Stefan Schleicher, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Graz, verwies besonders auf den Konnex zwischen Klima und Technik. Er sei überzeugt, dass sich Energiesysteme in Kürze radikal verändern werden.

Bei den Gebäuden stellte er in Aussicht, dass die gleiche Energiedienstleistung mit einem Drittel des Energieaufkommens zu erbringen sei und durch die Veränderung des Energie-Mixes (mehr Erneuerbare) unter Ausnutzung des Einsparpotenzials Emissionswerte um mehr als 90 Prozent reduziert werden könnten und müssten, sagte Schleicher.

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Artikel OÖN 01. April 2017 - 00:04 Uhr
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