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Lichtenberg: Goldstück, Wolke, weißer Riese

LICHTENBERG. Verstreute Schlafsiedlung über der Nebelgrenze? Das war einmal. Lichtenberg hat jetzt einen Ortskern.

Die Pflasterung ist Kunst: Von oben betrachtet eine Wolke, bringt sie auf dem Boden Leben in die Fläche. Bild: Simon Bauer

„Jetzt gibt es eine Mitte!“, zeigt sich Bürgermeisterin Daniela Durstberger erleichtert und blickt nicht ohne Stolz über den neuen Platz. Nebenan genießen Ausflügler aus Linz Kaffee und Kuchen, vor dem Turnsaal unterhält sich ein Grüppchen Schüler, unter der Pergola sitzt ein junger Mann mit Laptop auf den Knien.

Die Szenerie wirkt ungewohnt, noch etwas unnatürlich. Neben dem neuen Haus für die Gemeinde mit Café, Bücherei und Bankfiliale ist eine freie Fläche für das öffentliche Leben entstanden, die in vielfältiger Art genutzt, bespielt, belebt werden will. Lichtenberg ist jung. Erst ab den 1950er Jahren entstanden mit dem regen Zuzug von Wohnbevölkerung nach und nach ein eigenes Gemeindeamt, die Volksschule, ein Pfarrheim ohne Kirche, Freizeitanlagen, Infrastruktur. Zunehmend sei der Wunsch nach einem Ortskern da gewesen, erläutern die Architekten Christian Stummer und Andreas Fiereder (alias Two in a Box) die Vorgeschichte.

Bereits 2008 hatten sie Gelegenheit, die Entwicklung in einem Masterplan vorzuzeichnen. Bei aller Jugend der Gemeinde war die Standortwahl für einen Platz von den Gegebenheiten eingeschränkt: als Ersatz für das Pfarrheim hatte die Diözese eben erst ein neues Seelsorgezentrum mit Kirchenraum konzipiert und damit den räumlichen Schwerpunkt für die Gemeinde festgelegt. Der Ortsplatz sollte auf dem Geviert entstehen, das von Kirche im Süden, Turnsaal im Westen sowie der Straße im Osten und Norden definiert war.

Mit der Ausgangslage wurde raffiniert umgegangen. Die belebte Straßensituation konnte durch eine Vorrangänderung etwas entschärft werden. Durch die Positionierung der neuen Baukörper ist es gelungen, alle Gebäude um den Platz einzubeziehen und einen attraktiven Außenraum zu schaffen. Das verdient Anerkennung, denn weder Turnsaal noch Pfarrkomplex, schon gar nicht der neue Wohnbau der Lawog sind für sich genommen dem angenehmen Gesamteindruck zuträglich.

Dass es geglückt ist, verdankt sich der selbstbewussten, zugleich dienenden Haltung des Amtsgebäudes. Es bietet dem Platz den nötigen Rückhalt und bleibt doch eigenständiges Einzelobjekt. Der „goldene“ Fassadenschirm – eigentlich metallisch erdfarben – ist Teil dieser Strategie und sollte nicht als Überheblichkeit verstanden werden. Im Inneren verdeutlicht sich das. Zugänge sind leicht ersichtlich, Wege selbsterklärend. Der Platz erfährt mit dem hellen Atrium eine Fortführung, die quer durch das Gebäude weiterleitet.

Auf einen Blick lassen sich die unterschiedlichen Nutzungen ausmachen: oben Verwaltung und Bürgersaal, straßenseitig die Bank, zum Platz das Café, nordwärts Bücherei und Bürgerservice. Materialien und Oberflächen sind sachlich, etwas kühl, aber angenehm.

Dass der gemeinsame Raum zwischen den Gebäuden, das Öffentliche, allen Beteiligten ein echtes Anliegen war, zeigt sich in der Qualität der „Kunst am Bau“. Hervorgegangen aus einem Wettbewerb der Diözese ist der „Wolkenteppich“ des Kollektivs Kompott ein spannender Versuch, dem Ort und seiner neuen Mitte eine Identität anzubieten – nicht als Festlegung, sondern als subtiles Zeichen: Es erschließt sich nicht auf den ersten Blick, sondern wird erst durch Gespräche, Bilder und Geschichten zu seiner eigentlichen, ortstypischen Bedeutung finden.

Daten und Fakten

Objekt: Gemeindezentrum mit Ortsplatz, Lichtenberg
Bauherrschaft: Verein zur Förderung der Infrastruktur der Gemeinde Lichtenberg (Projektpartner Raiffeisen in Fruchtgenussvertrag: knapp ein Drittel);
Ortsplatz: Gemeinde (zwei Drittel), Pfarre (ein Drittel)
Architektur: Two in a Box Architekten, Ottensheim Statik: Wernly Wischenbart und Partner, Linz; HLS: TBW Ingenieur Consult, Linz;
Bauphysik: Wolfgang Kögelberger, Haibach i. M.;
Kunst am Bau: Kollektiv Kompott (U. Fohler, T. Kluckner, K. Kornmüller, I. Leindecker, P. Moser), Linz
Planung: 2012/13 (Wettbewerb 2010), Ausführung: 2013/14 Größe (ohne Ortsplatz): 1650 m², Nutzfläche: 1340 m²
Bauweise: EG/Keller: Massivbau; OG: Holzriegel; Dach: Warmdach EPDM bekiest, PV-Anlage; Fenster: Pfosten-Riegel Holz, teils Alu;
Böden: Naturstein Granit/Eiche; Heizung: Nahwärmeversorgung über Seelsorgezentrum (Hackschnitzel), Fußbodenheizung.
Das Projekt wurde ausschließlich mit Betrieben aus der Region umgesetzt.

 

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Artikel Tobias Hagleitner 18. Oktober 2014 - 00:04 Uhr
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