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Der Joker für Unternehmen sind die Frauen

Von Sigrid Brandstätter und Ulrike Rubasch, 12. März 2022, 00:04 Uhr
Der Joker für Unternehmen sind die Frauen
Es diskutierten Ilse Burgstaller (2.v.li.), Therese Niss, Elisabeth Punzhuber und Lisa Csenar. Durch das Gespräch führten die OÖN-Redakteurinnen Sigrid Brandstätter (re.) und Ulrike Rubasch (li.) Bild: Cityfoto

Mehr als 30.000 offene Stellen können in Oberösterreich nicht besetzt werden. Frauen haben jetzt gute Jobchancen – vor allem in technischen Berufen. Alte Rollenbilder halten sie immer noch davon ab.

Wir müssen schauen, dass wir Mädchen darin bestärken, sich ein technisches Studium zuzutrauen. Da braucht es gute Vorbilder und auch Eltern, die ihre Töchter dazu ermutigen", sagte Therese Niss, Initiatorin der neuen "MINTality-Stiftung", die den Mangel an Fachkräften in Österreichs Industrie und Wirtschaft bekämpfen soll.

Und es sind viele, die fehlen, allein in Oberösterreich können 30.000 Jobs nicht besetzt werden, davon 7000 Computerspezialisten. Die Lücke wird größer statt kleiner. Hier und in vielen anderen Berufen könnten Frauen der Joker auf dem Arbeitsmarkt sein, so die These in dieser Diskussionsrunde. Und tatsächlich: "Wenn wir hier die Augen vor den Frauen verschließen, schaffen wir das sowieso nicht, die Lücke zu schließen", sagte Niss. Der Joker sind Frauen also sicherlich, so der Tenor der Diskussionsrunde beim OÖN-Frauentag. Voraussetzung wären entsprechende Weichenstellungen schon früh in den Frauenleben, um das Interesse für Technik nicht absterben zu lassen. Dies geschehe häufig bereits mit Eintritt ins Schulsystem, kritisierte Niss.

"Hier passiert der erste Knackpunkt. Die stereotypen Rollenbilder wie ,Buben sind gut in Mathematik und Technik‘ wirken in uns allen." Dabei sind Mädchen und Buben von Anfang an gleich gut in Mathematik, doch die Mädchen schätzen sich nicht so gut ein und gehen auch nicht so gerne in den Wettbewerb, was aber wichtig sei in technischen Berufen.

Es liege hier ganz stark bei den Eltern, dass sie eine Tochter nicht nur ermutigen, eine technische Ausbildung zu machen, "wenn sie etwas tun will gegen den Klimawandel, ja, es wäre schon viel gewonnen, würden sie es ihr zumindest nicht ausreden". Vorbilder von Frauen, die in technischen Berufen etwas bewegen, seien hier extrem wichtig.

Besserer Verdienst in der Technik

Eines dieser Vorbilder ist Ilse Burgstaller, Geschäftsführerin des Softwarehauses RZL in Tumeltsham. Die Informatikerin ist überzeugt: "Der bessere Verdienst spricht ganz klar für technische Berufe. Wer mehr verdient, ist finanziell unabhängig und hat mehr Freiheiten", sagt die Mutter zweier Buben, die diese Flexibilität auch durchaus braucht.

Leicht war es nicht immer als Frau im sehr männlichen Berufsumfeld, erinnert sich Burgstaller. "Das waren mal Blicke, mal Kommentare, das hat schon etwas mit mir gemacht. Es nimmt einem die Energie, manchmal war ich deshalb mutlos." Bei der RZL sei das nie der Fall gewesen, dort habe es auch eine ganz andere Fehlerkultur gegeben, man habe Dinge ausprobieren können.

Lisa Csenar, die nach einem Studium der internationalen Betriebswirtschaftslehre nach der EVN und der Wien Energie nun beim Verbund Leiterin der Projektentwicklung Green Power ist und dort neue Wind- und Photovoltaik-Projekte verantwortet, ist aufgewachsen mit Eltern, die ihr folgenden Satz mit auf den Weg gaben: "Geht net, gibt’s net." Hürden, die sich ihr in den Weg stellen, würden sie mehr anspornen als hindern. "Es ist ein Thema, sich etwas zuzutrauen. Da sind Frauen zu zögerlich."

Elisabeth Punzhuber, Geschäftsführerin beim Personalberater Hill International in Linz, sitzt bei ihrer Tätigkeit vermehrt Geschäftsführern gegenüber, die Führungspositionen in der Industrie mit Frauen besetzen wollen. Da seien vorwiegend junge männliche Führungskräfte ab 35 Jahren, die mehr Offenheit zeigen, nicht zuletzt weil sie häufig bereits ebenfalls eine Partnerin haben, die Karriere machen will. "Es gibt zu wenige Bewerbungen von Frauen. Denn eine Frau bewirbt sich nur dann, wenn sie 110 Prozent der Anforderungen erfüllt."

Effizientere Sitzungen, besseres Klima

Dabei brächten Frauen in Unternehmen, als Mitarbeiterinnen oder in Führungspositionen, den Arbeitgebern enorm viel. Sie sind der Joker, weil das Arbeitsklima anders wird, die Sitzungen effizienter ausgeführt werden, weil alle auf die Zeit schauen, sagt Lisa Csenar, die im Führungskreis mit einer anderen Frau und vier Männern ist. "Typisch männliches Machtgeplänkel" sei reduziert.

Ein weiterer Vorteil von Frauen im Betrieb seien unterschiedliche Sichtweisen, die bereichernd bei Lösungsfindung seien. Studien beweisen, dass diverse Teams erfolgreicher sind und dem Betrieb somit auch wirtschaftlich – in Zahlen messbar – etwas bringen. Ilse Burgstaller packte den Vorteil von Frauen für Organisationen prägnant in einen Satz: "Mehr Thema, weniger Status."

Technik ist kreativ – und gut bezahlt

Vielfach herrsche noch das Vorurteil in den Köpfen, dass Technik "dreckige Berufe" seien. Dem sei vielfach nicht mehr so. Technische Berufe sind heute sehr kreativ, tragen in hohem Maß zu Lösungen für gesellschaftliche Probleme bei – was Frauen laut Umfragen noch wichtiger ist als Männern – und sind obendrein gut bezahlt, eine Möglichkeit für Frauen, finanziell unabhängiger zu werden.

Der Einkommensunterschied zwischen klassischen Frauen-Branchen wie Handel und männerdominierten wie der Industrie sei groß. Frauen sollten sich dessen bewusst sein und dies bei ihrer Ausbildungs- und Berufswahl stärker berücksichtigen.

Doch was müssen Industrieunternehmen tun, um für Frauen attraktiver zu werden? Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein zentrales. Auch wenn Anwesenheit im Unternehmen wichtig sei, sollte man Flexibilität beweisen bei Arbeitszeiten und gegebenenfalls sogar Kinderbetreuung ermöglichen, sagte Niss. Das sei im Übrigen nicht nur für weibliche Mitarbeiter wichtig, sondern auch für Familienväter. "Bei uns sitzen manchmal Kinder im Büro, auch bei Besprechungen. Das hätte es vor zwanzig Jahren nicht gegeben, doch das Kind stört nicht, es malt halt. Na und?", sagte Burgstaller.

Wenn Frauen andere Frauen fördern und coachen, also wenn ein Unternehmen Mentoring unterstütze, helfe das Frauen, ihr teilweise fehlendes Selbstbewusstsein zu stärken.

Führen in Teilzeit

Die Pandemie habe den Frauen beim Thema Führungsjobs in Teilzeit in die Hände gespielt, weil die Arbeitgeber erkannt haben, dass eine Dauerpräsenz im Büro nicht notwendig ist. "Doch da haben wir sicher noch massiven Aufholbedarf, dass Führen in Teilzeit möglich ist", so Punzhuber. Unter 30 Stunden pro Woche sei es dennoch schwierig, doch generell gebe es bereits viele erfolgreiche Beispiele.

4 Fragen an Sophie Achathaler

Die 21-jährige Ottensheimerin studiert Mechatronik an der JKU im fünften Semester, engagiert sich in der Studierendenvertretung und spielt Fußball.

Wie sieht Ihr Traumjob aus?

Es sollte eine anspruchsvolle Arbeit sein, wobei ich mir nicht vorstellen kann, ausschließlich technische Probleme zu lösen. Was bedeutet, dass Kundenkontakt oder Projektorganisation interessant für mich wären. Es muss eine Aufgabe sein, bei der ich mir die Arbeitszeiten flexibel einteilen kann. Auch den Arbeitsort möchte ich mir tageweise aussuchen, also, ob ich online arbeite oder im Unternehmen. Mir ist es wichtig, dass ich gerne hingehe und dass ich immer wieder live mit meinen Kollegen rede. Ebenso wichtig ist eine passende Entlohnung.

Glauben Sie, dass Ihr zukünftiger Arbeitgeber diesen Job für Sie hat? Woran könnte es sich spießen?

Es wird sicher immer etwas geben, das nicht so super ist. Aber als Arbeitnehmerin sollte man auch bereit sein, einmal mehr zu leisten, wenn gerade ein wichtiges Projekt zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein muss. Ich finde das wichtig: Wenn ich mir ein Entgegenkommen von Seiten des Unternehmens in Sachen Arbeitszeitflexibilität erwarte, muss ich genauso bereit sein, dem Arbeitgeber mal meine Zeit zu geben, die vielleicht nicht genau den Arbeitszeiten entspricht, die ich ausgemacht habe.

Warum haben Sie sich für ein Technik-Studium entschieden?

Ich habe schon immer Interesse an Technik gehabt – mein Vater ist Elektrotechniker. Nach der HTL habe ich mich entschieden, dass ich mich selbst challengen will, ob ich strukturiert genug bin, ein Studium durchzuziehen. Ich denke, das ist die größte Herausforderung an einem Studium.

Was sollten die Arbeitgeber bzw. die Industrie berücksichtigen, wenn sie junge Menschen als Mitarbeiter gewinnen möchten?

Mir und vielen meiner Generation ist wichtig, dass die modernen Medien, die Digitalisierung, wirklich genützt werden in der Arbeit und nicht nur Papierarbeit geschieht. Dass neue Ideen nicht einfach abgewürgt werden mit dem Argument "Das war noch nie gut, was von Jungen gekommen ist", sondern gefördert werden. Anwesenheit im Unternehmen Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr wäre für viele Junge schwierig.

4 fragen an... sophie achathaler (21) studiert Mechatronik an der JKU im fünften Semester. Die Ottensheimerin engagiert sich in der Studierendenvertretung und spielt Fußball.
Sophie Achathaler Bild: privat
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Autorin
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stellvertretende Leiterin Ressort Wirtschaft
Sigrid Brandstätter
Autorin
Ulrike Rubasch
Redakteurin Wirtschaft
Ulrike Rubasch

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