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Rassismus-Eklat bei Party von Zillertaler Landjugend

Von nachrichten.at/apa, 10. Juni 2024, 10:56 Uhr
"Ausländer raus"-Gesänge: "Zu befürchten, dass das jetzt in Mode kommt"
Nicht nur auf der deutschen Partyinsel Sylt, auch in Österreich grölen junge Leute "Ausländer raus! Deutschland den Deutschen!"

UDERNS. Bei einer Party der Landjugend Uderns im Tiroler Zillertal sind am Freitag offenbar zu dem Lied "L'amour toujours" von Gigi D'Agostino ausländerfeindliche Parolen gesungen worden.

Laut einem Bericht der "Tiroler Tageszeitung" (Montagsausgabe) skandierte der halbe Saal "Deutschland den Deutschen" und "Ausländer raus". Der Obmann der Tiroler Landjugend/Jungbauernschaft, Christoph Pirnbacher, bedauerte den Vorfall und der Vorstand empfahl seinen Ortsgruppen, das Lied nicht mehr zu spielen.

"Das geht gar nicht, darüber müssen wir gleich ab heute ernsthaft reden. Ich bin erschüttert", sagte Pirnbacher. Dies sei "nicht unsere Vorstellung von Gesellschaft und Gemeinschaft." Die Organisation stehe für "Vielfalt, Respekt und ein harmonisches Miteinander aller Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Kultur." Der Landesvorstand der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend beschloss daraufhin Montagnachmittag einstimmig mehrere Maßnahmen, damit die Ortsgruppen ihre "wertvolle Arbeit ohne extremistische Einflüsse fortsetzen können."

Dabei wurde unter anderem "dringend empfohlen", das Lied von D'Agostino "bei keiner Veranstaltung mehr zu spielen". Es wurde "bedauert", dass Musik "für solche Zwecke vereinnahmt wird, allerdings dient diese Maßnahme dem Schutz der Ortsgruppen und soll verhindern, dass Besucher:innen diese Parolen überhaupt anstimmen." Darüber hinaus werde ein "Leitfaden" erstellt, der aufzeige, wie man als Veranstalter auf "radikales Verhalten jeglicher Art" reagiere. "Der Schutz unserer Ortsgruppen vor Vereinnahmung ihrer Veranstaltungen für die Verbreitung extremistischer Inhalte hat oberste Priorität", hieß es.

"Aber was hätten wir tun sollen"

Auch die Verantwortlichen der Landjugend Uderns hatten den Vorfall bedauert. "Aber was hätten wir tun sollen, der Saal war bummvoll", hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der "TT". Auf die Idee, das Lied zu stoppen, sei man nicht gekommen. "Außerdem ist das Lied ja nicht verboten", wurde festgehalten.

Der Landesvorstand nahm die Ortsgruppe Uderns indes "in Schutz". Trends und Social Media hätten einen "erheblichen Einfluss auf das Verhalten von Einzelpersonen und Gruppen". "Oftmals verbreiten sich Meinungen und Aktionen schnell und ungefiltert über soziale Netzwerke, was in einigen Fällen zu Missverständnissen oder unangemessenem Verhalten führen kann", hieß es. Es sei daher "umso wichtiger, kritisch zu hinterfragen und sich bewusst von negativen Einflüssen zu distanzieren."

Ein Partygast schilderte gegenüber der Tagezeitung, dass er sich an der Bar über die Vorgänge beschwert habe. Anschließend sei er aus dem Saal gebracht worden. Zuvor hatten einige "Nazis raus" gerufen.

Ende Mai hatte ein Video, aufgenommen auf der deutschen Urlauberinsel Sylt, für Aufsehen gesorgt. Junge Partygäste hatten zu dem Lied von D'Agostino dieselben Parolen gesungen wie nun im Zillertal. Auch aus anderen Bundesländern in Österreich und Deutschland waren Vorfälle bekannt geworden. Zudem war eine Diskussion über das Verbot des Liedes entbrannt. Der italienische DJ stellte selbst klar, dass es in dem Hit aus dem Jahr 1999 um die Liebe gehe.

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