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Polarforscherin: Dem Klimawandel auf der Spur

Von Michaela Kanatschnig   15. Oktober 2021 13:14 Uhr

Antje Boetius

Sie forscht in der Tiefsee der Arktis: Polarforscherin Antje Boetius weiß viel Spannendes über den Klimawandel und ihre Arbeit zu erzählen.

Antje Boetius ist Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Deutschland. Wir haben mit der Wissenschaftlerin über den Klimawandel gesprochen.

Was sagen Sie Menschen, die behaupten, der Klimawandel ist toll, weil man dann immer Sommer hat und noch öfter ins Strandbad gehen kann?

Antje Boetius: Ich schlage ihnen vor, wieder in die Schule zu gehen, um genug zu wissen, dass sie keinen Unsinn reden. Immer Sommer zu haben, würde bei uns alles durcheinanderbringen. Wir würden viele Arten von Tieren und Pflanzen verlieren. Der Wald würde größtenteils absterben. Aber es geht auch um die Extremwetter, die der Klimawandel erzeugt. Stürme, Überflutungen, Dürren und weitere Auswirkungen, die das Leben auf der Erde erschweren werden. Wenn wir also nicht richtig gut im Klimaschutz werden, müssten Millionen von Menschen in den nächsten Jahren ihre Heimat verlassen.

Sie erforschen auch winzig kleine Organismen auf dem Meeresboden – wie können die so großen Einfluss auf unser weltweites Klima haben?

Auf dem Meeresbogen leben Mikroorganismen, also sehr kleine Einzeller, die sich vom Gas Methan ernähren. Steigen Treibhausgase wie Methan im Meer auf und gelangen an die Luft, dann wird es noch schneller wärmer. Daher sind die sogenannten Methanfresser im Boden der Meere sehr wichtige Helfer für das Klima auf der Erde.

Sie sprechen auch oft mit Politikern und Politikerinnen: Welche Entscheidungen sollten die Politikerinnen und Politiker treffen, um den Klimawandel zu stoppen? Was sollten die Erwachsenen tun? Und was können Kinder und Jugendliche tun?

Die Wissenschaft hat den Politikerinnen und Politikern bereits vor Jahren mit ihrer Forschung gezeigt, dass die Atmosphäre nur noch wenig Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen wie Kohle aufnehmen kann, damit die globale Erderwärmung unter 2 °C bleibt. Das ist eine Aufgabe, die alle Staaten zusammen lösen müssen, indem sie zusammenarbeiten, um mehr Wind, Wasser und Sonne zu nutzen und gemeinsam dafür die Netze zu bauen.

Zudem kann jeder helfen, das Ziel zu erreichen, indem wir aufpassen, wie wir umweltfreundlicher essen, reisen und arbeiten. Dabei helfen bereits viele Erwachsene und Kinder mit, das ist prima, aber es muss noch viel mehr getan werden. Und dabei spielt die Politik eine große Rolle, da sie Gesetze für mehr Klimaschutz beschließen kann. Sie soll auch dafür sorgen, dass Umweltverschmutzung teurer wird und Klimaschutz günstiger.

Was halten Sie von der Idee, ins All zu fliegen und woanders nach einem Zuhause zu suchen, sollten wir die Erde nicht mehr rechtzeitig retten können?

Ich finde Forschung am Weltall sehr spannend, denn bis heute wissen wir nicht, wo das Leben eigentlich herkommt und auf welche Bedingungen es anderswo trifft. Aber klar ist: Noch wissen wir nur von Leben auf dem Planeten Erde und wir haben noch längst nicht alles kennengelernt. Das heißt auch: Es wird so bald keine Alternative zu unserem Planeten geben. Es geht also darum, dass wir und alles Leben weiterhin auf der Erde eine gute Heimat finden.