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Parasiten-Sager vom Moaristidl-Wirt bleibt Aufreger

Von Edmund Brandner   08.August 2016

Parasiten-Sager vom Moaristidl-Wirt lässt die Wogen weiterhin hochgehen
Fachkräftemangel belastet die Gastronomie.

Der OÖN-Bericht über die Bezeichnung arbeitslos gemeldeter Gastronomie-Fachkräfte als "arbeitsfaule Wohlstandsparasiten" durch Moaristidl-Wirt Thomas Edtmeier löste in der Vorwoche heftige Diskussionen und Reaktionen aus. Der Gmundner Wirt – zugleich FP-Gemeindevorstand in Vorchdorf – musste unter anderem einen Shitstorm im Internet über sich ergehen lassen.

Seine Worte nimmt Edtmeier nicht zurück. Er fühlt sich jedoch missverstanden. "Das war keine Pauschalverurteilung von Arbeitslosen", sagt er. "Mir geht es nur um jene, die das System ausnutzen." Edtmeier sucht für seine Jausenstation am Traunsee dringend Mitarbeiter. "Aber dauernd kommen Leute zu mir, die gar nicht arbeiten wollen. Sie holen sich nur den Stempel für das AMS bei mir ab, um ihr Arbeitslosengeld nicht zu verlieren." Manche würden auch offen sagen, nur schwarz arbeiten zu wollen. "Ich weiß, dass meine Worte markig waren", so Edtmeier. "Aber ich stehe dazu."

Dafür muss Edtmeier weiter Kritik einstecken. Aus Sicht von SP-Landesparteivorsitzender Birgit Gerstorfer lässt die Sprache von Edtmeier "tief blicken". Sie lasse auch Rückschlüsse zu, in welchem Ton in solchen Unternehmen gesprochen wird, sagt sie. Jeder Wirt sei selbst gefordert, sich bei Arbeitnehmern einen guten Ruf zu erarbeiten.

Robert Oberfrank, Bezirksleiter der Wirtschaftskammer Gmunden, distanziert sich ebenfalls von Edtmeiers Parasiten-Sager. Es gebe Einzelfälle von Arbeitsverweigerung, so Oberfrank. "Doch gerade im Bezirk Gmunden arbeiten die Sozialpartner und das AMS in dieser Frage sehr gut zusammen. Der Prozentsatz jener, denen das Arbeitslosengeld gestrichen wird, ist hier mehr als zehn Mal so hoch wie in anderen Bezirken."

Wirte bestätigen Edtmeier

Wirtekollegen von Edtmeier bestätigen indes seine Kritik. "Viele von uns suchen verzweifelt Fachkräfte", sagt Christian Rutschetschin vom Schörflinger Restaurant Langostinos. "Aber manche Fachkräfte kassieren lieber Arbeitslosengeld." Das liege auch daran, dass der finanzielle Unterschied nicht groß sei. "Wir können anfangs nur den Mindestlohn zahlen", so Rutschetschin. "Aber wer sich bewährt, hat beste Chancen, bald mehr zu verdienen."

 

Postings zum Thema

Selten hat ein Bericht in den Salzkammergut-Lokalnachrichten zu so vielen Postings auf nachrichten.at geführt wie der Artikel über den Moaristidl-Wirt in Gmunden vergangene Woche.

Bis gestern wurden dazu 334 Kommentare auf unserer Website abgegeben, viele davon waren sehr emotional. Rund 70 Prozent der Postings kritisierten Moaristidl-Wirt Thomas Edtmeier für seine Aussagen („arbeitsfaule Wohlstandsparasiten“). Er bekam aber auch Zustimmung. Eine Auswahl:

Ein Wirt, der sich selbst zerstört

"Dieser Wirt zerstört das System und hält es nicht aufrecht! Dieser Wirt trägt dazu bei, dass sich einige die harte Arbeit in der Gastronomie nicht antun wollen."
Mitdenk, nachrichten.at

Kein gutes Arbeitsklima in der Jausenstation

"Wenn man die niederträchtigen Aussagen des „frustrierten Wirtes“ in den OÖNachrichten liest, weiß man wohl, was für ein Arbeitsklima man bei diesem „Wirt“ erwarten kann. Ja, „A Trauerg´spü“ mit solch einem „Wirt“!"
Peter Hipmair, facebook

Die großen Probleme beim Namen nennen

"Man muss sich nicht über die Ausdrucksweise mokieren, sondern sollte die angesprochenen Probleme angehen. Die Gastronomie hat generell Probleme bei der Suche nach Fachkräften oder Mitarbeitern. Seine Aussage bezüglich Parasiten trifft auf einen kleinen Teil der „Arbeitssuchenden“ mit Sicherheit zu."
metschertom, nachrichten.at

Nur die Wortwahl war etwas übertrieben

"Recht habt ihr. Die Wortwahl wohl etwas übertrieben mit Parasiten, aber es ist leider wirklich ein großes Problem."
Bettina Karlinger, facebook

Positive Sprache muss selbstverständlich sein

"Um in der Gastronomie einen guten Lohn zahlen zu können müssen die Preise rauf und die Arbeitszeiten runter. Randöffnungszeiten müssen von den Wirtsleuten abgedeckt werden. Nur so geht es. Und natürlich sollte eine positive Sprache in der Kommunikation nach innen und außen selbstverständlich sein."
zamphier, nachrichten.at

„Was mich stört ist die Art, wie er spricht“

"Ob er recht hat oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Was mich stört ist die Art mit der er über Menschen spricht. Wer so über andere Menschen spricht, hat bestimmt ein soziales Problem oder er hängt einer Ideologie an, die 1945 unterging."
lester, nachrichten.at

Vollstes Verständnis für den Wirt

"Ich kann den Wirt voll verstehen. Während ich noch berufstätig in führender Position war, sind mir mehr als genug dieser Stempelabholer untergekommen. Meldungen an das AMS zogen einen Wust an Bürokratie nach sich."
eisenerzer, nachrichten.at

 

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