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Wie sich Verpackungen ändern: Mojito in Kapseln und eine smarte Fischdose

Von Martin Roithner   22.Mai 2019

(Symbolbild)

Eine Verpackung, die den Reifegrad von Birnen erkennt, das Ursprungsgewässer eines Dosen-Thunfischs mit der Blockchain-Technologie herausfindet oder den Cocktail Mojito in Kapselform aufbewahrt: Was nach Zukunftsmusik klingt, ist bei Lebensmittelherstellern bereits Realität – auch bedingt durch Vorgaben der Europäischen Union. Wie sich diese auf Produzenten, den Handel und die Konsumenten auswirken, war gestern, Dienstag, Thema beim Tag der Lebensmittel in der Wirtschaftskammer Oberösterreich in Linz.

"Die Verpackungsbranche muss sich radikal ändern", sagte Manfred Tacker, der am FH-Campus Wien Studiengänge zu diesem Thema leitet. Es gehe darum, ein lineares System in ein Kreislaufsystem zu verwandeln. "Ein paar gelbe Säcke zusätzlich aufzustellen, wird nicht reichen", sagte Tacker im OÖN-Gespräch.

Bisher seien Verpackungen großteils so hergestellt worden, dass sie nach dem Gebrauch sofort im Restmüll landen. Dies soll sich ändern. Die EU hat eine Verordnung beschlossen, um bis 2025 die Hälfte aller Kunststoffverpackungen wiederverwerten zu können. In Österreich sind es derzeit 28 Prozent. "Diese Differenz ist extrem groß", so Tacker. Der Experte sieht noch eine weitere Herausforderung: das Gewicht der Verpackungen. Dieses soll um 20 bis 25 Prozent verringert werden.

Beide Vorhaben bewertet Tacker als " ehrgeizig". Der Druck liege nicht nur bei den Herstellern, sondern bei der "gesamten Wertschöpfungskette – vom Maschinenhersteller über den Handel bis zum Konsumenten". Es geschehe aber einiges auf diesem Gebiet. Oberösterreich sei mit Firmen wie Erema, NGR, Borealis und Greiner gut aufgestellt.

Die Kunststoffgruppe mit Sitz in Kremsmünster tüftelt in der Unternehmenssparte Greiner Packaging derzeit an Verpackungslösungen für die Zukunft. "Wir beschäftigen uns mit 80 verschiedenen Trends", verriet Alexander Schauberger, der für Marketing und Innovation zuständig ist. Greiner greife in der Forschung auch Megatrends der Branche auf, sagte Schauberger.

Einer davon sei die Digitalisierung. Smarte Packungen seien bereits jetzt in der Lage, mit Sensoren und Chips die Frische von Lebensmitteln zu bestimmen. "Sie erkennen auch, ob die Kühlkette unterbrochen war."

Amazon verrechnet Gebühr

Eine andere Entwicklung betrifft den Online-Handel. Der US-Konzern Amazon verrechne all seinen Händlern eine Gebühr von 1,99 Dollar je Sendung, falls die Verpackung aus der vorgegebenen Norm falle, sagt Schauberger. "Die Pakete müssen eckig und robust sein." Dies widerspreche aber teilweise der Lebensmittelbranche.

In der Kunststoffverpackung sehen sowohl Tacker als auch Schauberger eine Zukunft. Wichtig sei das Recycling. Und dieses Bewusstsein sei in der Branche angekommen, so Tacker.

Zahlen und Fakten

50 Prozent aller Kunststoffverpackungen sollen laut EU-Verordnung bis 2025
wiederverwertet werden. Der Weg dorthin ist allerdings noch weit: In Österreich beträgt diese Recyclingquote derzeit 28 Prozent.

20-25 Prozent weniger Gewicht sollen Verpackungen in der Lebensmittelbranche bis 2025 haben. Das stellt die heimischen Hersteller
vor große Herausforderungen.

1100 Firmen mit 16.000 Beschäftigten sind laut Wirtschaftskammer in der oberösterreichischen Lebensmittelbranche tätig. Die jährliche Bruttowertschöpfung beträgt etwa fünf Milliarden Euro.

 

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19. Juli 2019