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Ländliche Zukunft, innere Wärme und zwei Häuschen am Hang

Von Lorenz Potocnik   08.November 2014

Ländliche Zukunft, innere Wärme und zwei Häuschen am Hang
Zwei Häuschen schaffen einen geschützten Zwischenraum: Das Haus Y2 in Linz von den architypen

Zum diesjährigen OÖN-Architekturpreis Daidalos wurden 89 Projekte eingereicht. Die Qualität war sehr hoch. Heute stellen wir die letzten drei der neun nominierten Projekte vor.

Das Agrarbildungszentrum in Altmünster wurde bereits oft ausgezeichnet: für seine Nachhaltigkeit, als "Lernwelt", für die vorbildhafte Bauherrenschaft und nicht zuletzt als Holzbau. Und das zu Recht: 2007 aus einem Wettbewerb hervorgegangen, errichteten Fink Thurnher Architekten aus Bregenz hier 2011 ein zukunftsweisendes Bauwerk. Durch die Zusammenlegung der landwirtschaftlichen Schulen Altmünster und Weyregg wurde es erforderlich, das bestehende Gebäude zu erweitern.

270 junge Menschen lernen und wohnen nun hier. Sie werden praktisch und theoretisch für das Leben als (Nebenerwerbs-)Bauer ausgebildet. Wie bei einem "Vierkanter" bildet der zentrale Innenhof das Zentrum der Schule. Der Bau ist von Holz dominiert. Das kann bald einmal zu viel werden, hier aber nicht, weil die eingesetzte heimische Weißtanne in unterschiedlichsten Formen, hochwertig und meist unbehandelt, verarbeitet wurde.

Alles wirkt hell, angenehm – wie im guten Hotel. Der Passivhausstandard und die hohen Anstrengungen um ökologische Kriterien verstehen sich bei den Vorarlbergern fast von selbst: Eine Solaranlage auf dem Dach bereitet Warmwasser auf, eine Hackschnitzelanlage spendet Wärme, es gibt eine Photovoltaikanlage, mechanische Be- und Entlüftung gekoppelt mit Wärmerückgewinnung. Gedämmt wurde mit Schafwolle und Zellulose, für die WC-Spülungen wird Regenwasser verwendet.

Kühle Betonkiste?

Auch das Haus Wichert ist nominiert. Wenn Architekten für sich selbst bauen, entsteht oft ein Haus, das in seiner Klarheit ein Manifest darstellt. In dieser Konstellation können sie exakt ihre Vorstellungen umsetzen.

Im Fall des Hauses Wichert und des Architekturbüros 1 handelt es sich nur auf den ersten Blick um eine kühle Betonkiste. Im Gegenteil, das Haus öffnet sich im Inneren und strahlt Wärme aus.

Die gute Raumaufteilung und die eingesetzten Materialien wie unbehandeltes Holz für Böden und Möbel lassen eine sehr wohnliche Atmosphäre entstehen. Betreten wird das Haus am Pöstlingberg in der mittleren Ebene, durch einen sehr hohen Raum ohne unmittelbar erkennbare Funktion.

Von Büro bis Spielzimmer oder Raum für Feste ist hier alles möglich. Zurzeit wird er von den Söhnen genutzt. In Zukunft vielleicht als Homeoffice. Unter anderem ist es diese Unbestimmtheit der Räume, die das Haus so flexibel und robust für die Zukunft macht. Der eigentliche Wohnbereich liegt im offen verbundenen Obergeschoß. Hier wird gekocht, gegessen und zusammengesessen. Im "Untergeschoß" befinden sich Schlafzimmer und Nebenräume.

Zur Straße schirmt sich das Haus mit einer Mauer ab. Diese schafft auf dem engen und steilen Grundstück einen kleinen, ebenen Innenhof. Dieser wichtige Aufenthaltsbereich zwischen Eingang und Straße ist intim und wirkt wie ein nach oben hin offenes Wohnzimmer. Fließend gehen hier Außen und Innen ineinander über. Die Gestaltung, Bepflanzung und der Abstand der Mauer geben aber auch nach außen, also zur Straße hin, etwas her. Hier wird nicht einfach egoistisch Eigentum abgeschirmt, sondern etwas an die Öffentlichkeit zurückgegeben.

Geplantes Dazwischen

Ebenfalls nominiert ist ein Objekt, an dem interessant ist, dass es aus zwei Häuschen besteht. Die schwierige Lage am sehr steilen Hang und zwischen anderen Häusern wurde von den architypen aus Linz genial gelöst: Statt eines großen schmiegen sich zwei kleine, unterirdisch miteinander verbundene Häuser an den Hang.

Geschickt zueinander gesetzt, entsteht dadurch ein wertvoller, geschützter und grüner Zwischenraum. Der sonst so peinlich gesuchte Abstand zum Nachbarn wird nachrangig, der Mehrwert entsteht im sorgfältig geplanten Dazwischen.

In einer Linzer Randlage, die sich zunehmend entwickelt und immer voller mit brutalen, architektonisch minderwertigen Eingriffen wird, ist das Haus Y2 eine starke und gleichzeitig diskrete Aussage.

Dieser genaue und sorgfältige Umgang mit dem Gelände und den Nachbarn ist außen und innen ganz stark zu spüren. Dazu gehört auch ein sehr hoher bauökologischer Anspruch. Das ganze Haus besteht aus Holz, die Innenwände sind mit Ton verputzt.

Die zwei Häuschen stellen in Wirklichkeit eine neue Typologie dar, die durchaus modellhaften Charakter hat. Stellen Sie sich einfach einen ganzen Hang – in diesem Fall den Rehgraben – mit hundert solcher Häuschen vor. Das wäre eine gelungene Siedlung mit Vorbildcharakter.

Die drei Sieger des heurigen Daidalos-Architekturpreises werden bei der großen Abschlussgala am 25. November in der Linzer Tabakfabrik ausgezeichnet.

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23. Oktober 2021