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Zwerger(l)-Aufstand in Linz: Sensation knapp verpasst

Von Alexander Zambarloukos   15.April 2019

Zwerger(l)-Aufstand in Linz: Sensation knapp verpasst
Applaus für Österreichs Team

Diese beherzte Vorstellung macht Lust auf die Eishockey-A-WM (ab 10. Mai) in Bratislava. Österreichs blutjunges Nationalteam mit 14 Spielern unter 22 und nur zwei über 30 Jahren hat keinen Geringeren als den sechsmaligen Weltmeister Tschechien an den Rand einer Niederlage gebracht. Die Schützlinge von Roger Bader erzwangen 9,4 Sekunden vor Ende des dritten Drittels mit dem 4:4 von Dominic Zwerger eine Verlängerung, letztlich entschied der 18. Penalty zu Gunsten des haushohen Favoriten – 4:5.

Kompliment für Linz-Torhüter

Trotzdem feierten die meisten der 2500 Fans in der Linzer Keine-Sorgen-EisArena jene rot-weiß-rote Equipe, die auch ein Statement an die Vereine der Erste Bank Liga abgegeben hat. Frei nach dem Motto: "Seht her, es braucht nicht so viele Legionäre, ihr könnt uns ruhig vertrauen."

Ja, es war nur ein WM-Vorbereitungsspiel unter dem Titel EuroChallenge, doch auf der anderen Seite standen keineswegs "Nasenbohrer". Der Kontrahent, seines Zeichens Nummer sechs der Welt und damit elf Ränge vor Österreich, tauchte mit nicht weniger als 13 Akteuren aus der zweitbesten Liga der Welt, der Kontinental Hockey League, auf. Nicht zu vergessen auf Ambri-Piotta-Superstar Dominik Kubalik, Vereinskollege von Zwerger und Fabio Hofer. Der 23-jährige Stürmer steht vor dem Abschluss eines millionenschweren Deals mit dem NHL-Klub Chicago Blackhawks.

Wenn einem so einer anerkennend das Baucherl tätschelt, dann hat man wirklich brilliert. Adressat dieser Geste war Black-Wings-Goalie David Kickert, der 37 Schüsse der Tschechen entschärfte. "Wir haben wirklich gut gespielt und den Zuschauern einiges geboten. Natürlich hätten wir gerne gewonnen", sagte der 25-jährige Korneuburger, mit dem der EHC Liwest Linz unbedingt verlängern will. Nicht nur am Samstag hat man gesehen, warum.

Kickert hielt sein Team auf Schlagdistanz, selbst beim Stand von 1:3 und 2:4 brachen die rot-weiß-roten Youngsters nicht weg. Im Gegenteil: Der Zwerger(l)-Aufstand nahm Gestalt an. Vor allem die Sturmreihe mit Zwerger, dem Ex-Linzer Hofer und Vielleicht-bald-wieder-Black-Wings-Angreifer Lukas Haudum wirbelte die Defensive der Tschechen durcheinander. Zwerger schoss zwei Tore, auch das 3:4 (47.) ließ die Zuschauer mit der Zunge schnalzen. Der Linzer Stefan Gaffal hatte Sam Antonitsch, den Sohn des ehemaligen Tennis-Weltranglisten-40. Alexander, ideal bedient.

Jagr-Trikots sind noch "in"

Für Tschechien war dieser Zittersieg eine gefühlte Niederlage. Der Stellenwert des Eishockeys ist enorm beim nördlichen Nachbarn. Die Reporter waren in Linz in der Überzahl, weit über 100 Anhänger hatten ihr Team begleitet, viele trugen das Trikot mit der Nummer 68 – also jenes des legendären Jaromir Jagr, der mit 47 Jahren seinen gefühlten fünften (Prager) Frühling erlebt und sich gerade anschickt, seinen Klub HC Kladno zum Aufstieg in die tschechische Extraliga zu schießen.

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16. Dezember 2019