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Wo die Polizisten für den Ernstfall ausgebildet werden

Von Christian Ortner   29.April 2021

Wo die Polizisten für den Ernstfall ausgebildet werden
Einsatztaktik-Training: Polizisten üben den richtigen Zugriff in einer Wohnung.

Zu dritt dringen die Polizeibeamten mit gezückter Waffe in die Wohnung ein. Jeder Winkel, in dem sich der potenzielle Täter befinden könnte, wird kontrolliert. Ein Kollege sichert dabei den anderen. Vorerst ist das nur ein Szenario, das die Polizei für die Medien im neu erbauten Einsatztrainingszentrum (ETZ) in Sattledt (Bez. Wels-Land) simuliert. Schon bald werden die Beamten dort tatsächlich für den Ernstfall ausgebildet.

Mehr als sechs von zehn Straftaten hat Oberösterreichs Polizei im vergangenen Jahr aufklären können. Immer wieder mussten die Beamten dabei heikle Situationen bewältigen. Das Training für diese Einsätze wird mit dem eben fertiggestellten ETZ auf neue Beine gestellt.

Testbetrieb im Mai

Nach mehr als zwei Jahren Bauzeit steht das etwa 4000 Quadratmeter große Trainingszentrum jetzt unmittelbar vor der Fertigstellung. Es ersetzt, unweit von der Autobahnabfahrt Sattledt gelegen, einen Schießstand, der den Polizisten dort jahrzehntelang zur Verfügung stand. In den nächsten Wochen und Monaten sollen noch die internen EDV-Systeme installiert werden, sodass voraussichtlich ab Mai der Betrieb aufgenommen werden kann. Dann wird die neue Infrastruktur laut Landespolizeidirektor Andreas Pilsl einige Tage getestet. Ab Juni werden die mehr als 4000 Polizisten des Landes dort für die Einsätze aus- und weitergebildet.

Wo die Polizisten für den Ernstfall ausgebildet werden
Stelzer beim Einsatztechnik-Training

"Jeder Polizeibeamte kommt dann zumindest drei Mal im Jahr für einen Tag hierher zur Ausbildung", sagt der Leiter der Einsatzabteilung, Markus Vorderderfler. Den Trainierenden stehen künftig in Sattledt auch ein Langwaffenstand und Raumschießanlagen mit digitalen Zieldarstellungen zur Verfügung. "Jeder Schuss kann damit sofort analysiert werden", erklärt Einsatztrainingsleiter Robert Heher.

Ebenso die eingangs beschriebenen Übungen im Bereich Einsatztaktik: Von einer Galerie im Obergeschoß haben die Kollegen die Möglichkeit, das Geschehen aus der Vogelperspektive zu beobachten und anhand von Videoaufnahmen im Nachhinein zu evaluieren.

Zudem gibt es im ETZ mehrere große Räume, in denen die Beamten im Bereich Einsatztechnik – also Selbstverteidigung und Nahkampf – ausgebildet werden. "Die Königsdisziplin ist das interaktive Szenarientraining", sagt Vorderderfler. Dabei werden Vorfälle, wie sie in der Realität stattgefunden haben, nachgestellt. "Hier müssen die Beamten alle Techniken anwenden, vor allem auch Kommunikation und Deeskalation."

Wo die Polizisten für den Ernstfall ausgebildet werden
Das neue Einsatztrainingszentrum in Sattledt geht im Mai in Betrieb.

15 Millionen Euro Kosten

Landeshauptmann Thomas Stelzer (VP), der dem ETZ am Dienstag einen Besuch abstattete, hob die hohe Aufklärungsquote der oberösterreichischen Exekutive hervor. "Damit das auch so bleibt, braucht es ausreichend gut ausgerüstete und vor allem motivierte Polizistinnen und Polizisten", sagte Stelzer. Mit dem neuen Einsatztrainingszentrum, dessen Kosten sich laut Pilsl auf 15 Millionen Euro belaufen, sei das gewährleistet.

Der Landeshauptmann war allerdings nicht der erste prominente Gast im ETZ. Auch die Schauspielerin Katharina Stemberger, die als Ermittlerin in der ORF-Serie "Soko Linz" im Einsatz sein wird, hat dort bereits Trainingseinheiten absolviert. Denn auch eine TV-Kommissarin, wie sie Stemberger verkörpert, muss im Umgang mit Handschellen geschult werden, um realistisch zu wirken. "Da haben wir schon noch ein bisserl was zu üben", ließ Pilsl wissen.

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18. Juni 2021